Home
http://www.faz.net/-gum-749bo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Zwei Jahre auf der Flucht Das Krokodil im Gazastreifen

Viele Menschen im Gazastreifen verdächtigten schon Israelis, ihnen das Tier auf den Hals gehetzt zu haben – jetzt wurde es gefangen: ein 1,7 Meter langes Krokodil.

© AFP Nach monatelangem Kampf um die Freiheit jetzt wieder hinter Gittern: „der Fels“

Zwei Jahre dauerte es, bis „der Fels“ Polizisten im Gazastreifen endlich ins Netz ging. So nannten die Beamten laut Agenturberichten respektvoll das gut 1,7 Meter lange Krokodil, das die Menschen im Norden Gazas in Angst und Schrecken versetzt hatte. Monatelang kämpfte es um seine Freiheit. Das Reptil war offenbar aus einem Zoo geflüchtet, als es noch klein war. Nach einem längeren Irrweg durch das Kanalsystem ließ es sich in einem Abwasserbassin nieder. Dort wuchs es heran und fing an, Ziegen und Schafe zu jagen, die auf den Wiesen rundherum grasten.

Hans-Christian Rößler Folgen:

Die Menschen in der Nachbarschaft fürchteten, dass das Krokodil eines Tages auch sie angreifen könnte. Die Polizei entschloss sich einzugreifen, „bevor es eine Gefahr für Menschen werden konnte“. Viele Menschen im Gazastreifen verdächtigten schon die Israelis, ihnen das Tier auf den Hals gehetzt zu haben.

Doch die Jagd war schwieriger als gedacht und nahm zwei Wochen in Anspruch: Zunächst versuchte man, das Krokodil mit Fischernetzen zu fangen. Als das nicht gelang, legten Arbeiter kurzerhand den ganzen Tümpel trocken. Auch dann noch brauchten sie Netze, mit denen sonst Haie gefangen werden, um das Reptil zu überwältigen.

Jetzt lebt „der Fels“ im neuen Zoo von Beit Lahia zusammen mit vier anderen Krokodilen. Wahrscheinlich wurde das Reptil einst durch einen der Schmuggeltunnel aus Ägypten in den Gazastreifen gebracht. Durch sie sollen früher sogar Löwen nach Gaza geschmuggelt worden sein. Der Bedarf an neuen exotischen Tieren ist groß, weil viele während des jüngsten Krieges vor vier Jahren umgekommen sind. Andere irrten während der Wirren der israelischen Militäroffensive tagelang zwischen den Fronten durch die Stadt. Wenigstens „der Fels“ hat nun ein Zuhause.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anschlag von Suruc Polizei ermittelt Verdächtigen

Die türkische Polizei hat offenbar einen Verdächtigen identifiziert, der für den Anschlag von Suruc verantwortlich sein soll. Ministerpräsident Davutoglu vermutet die Drahtzieher des Attentats im Ausland. Mehr

21.07.2015, 14:34 Uhr | Politik
Baby-Krokodile Handtellergroße Baby-Krokodile in El Salvador

An der Pazifikküste El Salvadors zieht ein Ranger auf eigene Faust die dort selten geworden Krokodile auf, um sie später in die Freiheit zu entlassen. 160 Tiere hat er in den vergangenen sechs Jahren bereits ausgewildert. Mehr

09.07.2015, 10:16 Uhr | Gesellschaft
Islamischer Staat IS breitet sich nach Ägypten aus

In Ägypten sind nun auch westliche Diplomaten ins Visier des Islamischen Staates geraten. Die Politik des Präsidenten al Sisi ist gescheitert. Das Land lebt in banger Erwartung. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

20.07.2015, 08:14 Uhr | Politik
Küste von Gaza Palästinenser bauen Boot aus hunderten Plastikflaschen

Auf der Suche nach einem Zeitvertreib haben sich fünf junge Palästinenser im von Israel abgeriegelten Gazastreifen mit gebrauchten Plastikflaschen etwas mehr Freiheit verschafft: Aus fast tausend grünen Flaschen haben sich die Männer ein vier Meter langes Boot gebaut, das vor der Küste von Gaza nun DIE Attraktion ist. Mehr

22.06.2015, 15:59 Uhr | Gesellschaft
Terror in Frankreich Weiterer Attentats-Plan vereitelt

Frankreich bleibt im Fokus islamistischer Terrorpläne: Nun sollen mutmaßliche Islamisten die Enthauptung eines Soldaten geplant haben. Von den vier Verdächtigen bleiben drei im Gewahrsam, ein 16 Jahre alter Verdächtiger wurde dagegen freigelassen. Mehr

16.07.2015, 14:41 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 09.11.2012, 17:20 Uhr