Es gibt wieder Elfenbein zu kaufen in Benin. Es wird ungeniert angeboten, obwohl das illegal ist. Und so unglaublich es klingt: Dies ist auch eine Folge deutscher Entwicklungshilfe. Obwohl erst vor einem viertel Jahr Interpol mit koordinierten Razzien in Afrika, mit der Beschlagnahme zweier Tonnen Elfenbein und mit 200 Festnahmen versucht hatte, das Washingtoner Artenschutzabkommen durchzusetzen, das den Handel verbietet, waren in mindestens zwei Hotelboutiquen von Cotonou, dem Wirtschaftszentrum von Benin, ganze Reihen polierter und geschnitzter Stoßzähne zum Verkauf ausgestellt.
Die Vermutung liegt nahe, dass sie aus dem Pendjari-Nationalpark im Norden des kleinen Staates an der Westküste Afrikas stammen. Anlieger dort berichten, dass Wilderer ungestört in dem riesigen Naturschutzgebiet campieren, dass illegale Beweidung und illegale Jagd zunehmen, dass das System der Patrouillen von Wildhütern zusammengebrochen ist. Er vermute, dass in den vergangenen Monaten 20 Elefanten abgeschlachtet wurden, sagt ein Bewohner am Telefon. Das entspreche einer halbe Tonne Elfenbein. Eben weil der Pendjari zu den am besten geschützten Naturreservaten Westafrikas zählte, hat sich der Elefantenbestand durch Fortpflanzung und durch Zuwanderung so vermehrt, dass Besucher große Herden beobachten können.
Anlieger und Tiere profitieren
Mit einer Petition, die mehr als 80.000 Unterstützer fand, fordert die Gruppe „Freunde des Pendjari“ den Präsidenten von Benin, Boni Yayi, und den deutschen Entwicklungsminister Dirk Niebel auf, den Niedergang des Parks zu verhindern. In mehr als 15 Jahren deutsch-beninischer Entwicklungszusammenarbeit wurde aus dem Nationalpark von der Größe des Saarlandes ein Schutzgebiet für Wildtiere und ein Beispiel für die organisierte Beteiligung der Anlieger an dessen Erhaltung und Nutzung. Das alles scheint gefährdet, seit der zuständige Minister im November 2011 den Direktor des Nationalparks mit fadenscheiniger Begründung abberief und den Posten freihändig neu besetzte.
Seit 1996 haben die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (inzwischen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), der Deutsche Entwicklungsdienst und die KfW-Entwicklungsbank reichlich 20 Millionen Euro in die Infrastruktur des Parks und in ein komplexes System von Verwaltung und Beteiligung gesteckt. Die etwa 30.000 Menschen, die in 23 Dörfern an den Rändern des Parks in Benin leben, sollten am Ertrag des Parks beteiligt und so für ein Engagement im Naturschutz gewonnen werden.
Das Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sei sensibilisiert, sagt Christian Ruck, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag und Berichterstatter der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Umwelt. Mit dem Botschafter von Benin spricht er über das Thema. „Ich bin in großer Sorge, schließlich ist es eines unserer wirklich erfolgreichen Projekte.“
Lob von der Unesco für die Erfolge im Pendjari
Der Nationalpark Pendjari ist insofern ungewöhnlich, als in drei Gebieten innerhalb des Biosphärenreservats Jagdlizenzen vergeben sind. Da die Jäger, die dort überwiegend Büffel und Antilopen erlegen, vor allem an Jagdtrophäen interessiert sind, kann die Parkverwaltung den Anwohnern das Fleisch zur Verfügung stellen, das zu niedrigen Preisen abgegeben wird. Damit entfällt ein starker Antrieb zur Wilderei. Zudem wird der Ertrag des Nationalparks aus Eintrittsgeld, Jagdlizenzen und den Gebühren für die einzelnen Abschüsse vom Pavian bis zum Löwen zu gleichen Teilen zwischen Staat, Parkverwaltung und der Vertretung der Anwohner aufgeteilt.
Bei Gesamteinnahmen des Parks von in diesem Jahr umgerechnet 250.000 Euro ermöglicht das den Bau von Schulen und Brunnen. In besonderen Zonen haben die Anwohner kontrollierte Rechte zur landwirtschaftlichen Nutzung und zur Fischerei, etwa im Pendjari-Fluss, der die Grenze zu Burkina Faso bildet. Die Männer finden Arbeit als Fahrer und Fährtenleser, als Touristenführer sowie bei der Instandhaltung der Pisten. Etwa 100 ehemalige Wilderer gingen gemeinsam mit staatlichen Wildhütern regelmäßig auf Patrouille. So lange das System funktionierte, verjagten sie Wilderer und Viehhirten, die ihre Herden in den Nationalpark treiben und durch eingeschleppte Krankheiten die Wildtiere gefährden.
Die Bestände an Elefanten, Leoparden und Geparden, an Antilopen, Warzenschweinen, Flusspferden und anderen Wildtieren sind dadurch gewachsen. Besucher konnten die Tiere in immer größerer Zahl und aus immer geringerer Distanz beobachten. Das ist es, was den Elefanten nun zum Verhängnis zu werden droht. Die Unesco lobte die Erfolge des Naturschutzes im Pendjari im vergangenen Jahr, als Benin sich mit dem Park um Aufnahme ins Weltnaturerbe bewarb. Die Qualität des Parkmanagements sei gut, und das Welterbe-Komitee nehme mit Zufriedenheit das Engagement Benins und die Hilfe Deutschlands für den Naturschutz zur Kenntnis.
Wie wirkungsvoll es ist, dass die Verwaltung gemeinsam mit den Anrainern das Parkmanagement betreibt, zeigte sich, als Nationalparkdirektor Djafarou Tiomoko abgesetzt wurde: Da gingen die Anwohner auf die Straße und protestierten gegen den unrechtmäßigen Akt. Der Pendjari-Park, sein Schutz und seine Bewirtschaftung, das ist inzwischen auch ihre Sache. In der Zeitung „La Fraternité“ wurde die Abberufung des Nationalparkdirektors damit begründet, dass Minister Blaise Ahanhanzo-Glèlè bei einem Besuch im Pendjari im September 2011 auf krasse Missstände wie Wilderei, illegale Bewirtschaftung der Pufferzonen, Holzeinschlag und Zahlungsrückstand bei den Wildhütern aufmerksam geworden sei.
Der Geschäftsführer des Dachverbandes der Anrainerbevölkerung, Yantibossi Kiansi, widerlegt die Vorwürfe und kommt zu dem verblüffenden Schluss, dass der Minister und seine Delegation zum angegebenen Zeitpunkt nicht den Nationalpark Pendjari, sondern den im Dreiländereck Benin-Burkina Faso-Niger gelegenen Nationalpark W besucht hatten. Seinen Leserbrief veröffentlichte die Zeitung nicht. Weil das Projekt Pendjari auf eigenen Beinen zu stehen schien, hat sich die deutsche Entwicklungshilfe im vergangenen Jahr aus dem Park zurückgezogen: Aufgabe erfüllt. Die Freunde des Pendjari, für die in Deutschland die beiden DED-Berater Beate Schurath und Matthias Kunert sowie der Ethnologe Sascha Kesseler sprechen, können deshalb die deutsche Regierung auch nicht mehr dazu auffordern, Fördergeld für den Pendjari zurückzuhalten.
Sie fordern diplomatische Einflussnahme, um die Investitionen der vergangenen 15 Jahre zu sichern. Da der Pendjari-Nationalpark künftig im Rahmen eines Treuhandfonds für den über die Grenzen zu Burkina Faso und Niger hinausreichenden Schutzgebietskomplex „WAP“ (Parks „W“, „Arli“ und „Pendjari“) auch mit deutschen Mitteln weiter unterstützt werden soll, empfehlen sie, dass Niebel den hierfür vorgesehenen Beitrag von zwölf Millionen Euro zurückhält, bis die Prinzipien des gemeinsamen Schutzgebietsmanagements wieder eingehalten werden. Das Entwicklungsministerium hat angekündigt, diesem Wunsch nachzukommen. Dann könnte dem Elfenbeinhandel in Cotonou bald wieder die Basis entzogen sein.
Sich erholende Bestände sind keine Überpopulation
Philipp Krüger (pkrueger)
- 06.11.2012, 13:05 Uhr
