http://www.faz.net/-gum-6wd5g

Wetterrekorde in Deutschland : Am schönsten war das Jahr in Heidelberg

Trotz leichten Schneefalls: Heidelberg war 2011 der Ort mit der höchsten Jahresmitteltemperatur Bild: dapd

Das Jahr 2011 war eines der fünf wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Aber auch Trockenheit und Sonne bescherten uns zwölf Monate, die viele Rekorde gebrochen haben.

          Irgendeinen Rekord kann der Deutsche Wetterdienst in Offenbach immer vermelden. Fast jeden Monat ist es irgendwo in der Republik so warm oder so kalt, so feucht oder so trocken wie noch nie zuvor. Fast immer hat eine der rund 2000 Messstationen ein meteorologisches Highlight zu bieten. Die Zahlen, die jetzt vom Hohen Peißenberg kommen, sind allerdings tatsächlich außergewöhnlich: Mit 8,5 Grad ist auf dem 988 Meter hohen Berg im oberbayerischen Alpenvorland 2011 die höchste Jahresmitteltemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen worden – und im Gegensatz zur flächendeckenden Temperaturmessung, mit der 1881 begonnen wurde, geht die Messreihe dieser Wetterstation bis ins Jahr 1781 zurück und ist damit die längste ungebrochene Statistik, die dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung steht.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der bisherige Peißenberg-Höchstwert von 8,3 Grad datierte aus dem allgemeinen Rekordjahr 2003. Interessanter aber ist das langjährige statistische Mittel: Das beträgt dort 6,5 Grad – erstaunliche zwei Grad weniger, als nun über das Jahr 2011 registriert wurden. Doch der Hohe Peißenberg war keine Ausnahme: In vielen Regionen Deutschlands haben die Meteorologen im vergangenen Jahr Temperaturrekorde verzeichnet. Vor allem auf den Bergen. Aber auch im Flachland, wie das Beispiel Essen zeigt: Dort geht die Messreihe zwar nur bis 1935 zurück, mit einer Jahrestemperatur von 11,1 Grad meldet aber auch die dortige Messstation einen stattlichen Rekord – üblich sind in der Ruhrgebietsstadt nur 9,6 Grad.

          Spürbarer Trend der langsamen Erwärmung

          Für ganz Deutschland betrachtet war das Jahr 2011 mit einer – noch nicht ganz offiziellen und gerundeten – Jahresmitteltemperatur von 9,6 Grad eines der fünf wärmsten seit 130 Jahren und bestätigt wieder einmal den seit mindestens zwei Jahrzehnten spürbaren Trend der langsamen Erwärmung. Wärmer als in den vergangenen zwölf Monaten war es in Deutschland seit 1881 nur in den Jahren 2000 (9,9 Grad), 2007 (9,8), 1994 (9,7) und 1934 (9,6). Wesentlich aufschlussreicher ist allerdings die Tatsache, dass es seit 1988 nur zwei Jahre gegeben hat, in denen die Jahresmitteltemperatur unter dem langjährigen Durchschnitt von 8,2 Grad lag, nämlich 1996 mit 7,2 Grad und 2010 mit 7,8 Grad. Alle anderen Jahre waren vergleichsweise zu warm. Umgekehrt hat die Jahrestemperatur in den Jahren zwischen 1881 und 1934 nur zweimal über der 9-Grad-Marke gelegen, nämlich 1911 (9,1 Grad) und 1921 (9,0). Seit der Jahrtausendwende ist das dagegen fast jedes Jahr der Fall.

          Im Jahresschnitt steigt die Temperatur in Deutschland. Bilderstrecke
          Im Jahresschnitt steigt die Temperatur in Deutschland. :

          Die höchste Temperatur des Jahres 2011 wurde am 22. August im badischen Rheinfelden mit 36,7 Grad gemessen. Die niedrigste wurde – wie fast immer – auf der Zugspitze registriert: minus 23,0 Grad am 23. Februar. Allerdings nehmen die Meteorologen die Werte vom höchsten deutschen Gipfel meist aus ihren Betrachtungen heraus und gestehen deshalb Oberstdorf im Allgäu den Spitzenplatz mit minus 20,1 Grad, gemessen am 23. Januar, zu.

          Über das ganze Jahr betrachtet, führen allerdings zwei andere Orte die Ranglisten an: Heidelberg als Ort mit der höchsten Jahresmitteltemperatur (12,2 Grad statt üblicherweise 10,6 Grad) und Zinnwald im Erzgebirge als jener mit dem niedrigsten Jahreswert (4,3 Grad statt 6,0 Grad). Auch hier liefert die Zugspitze einen noch deutlich niedrigeren Wert, nämlich minus 2,7 Grad statt normalerweise minus 4,8 Grad – aber diese Messstation läuft, wie erwähnt, außer Konkurrenz.

          Außer dem Juli haben alle Monate des Jahres zur Durchschnittstemperatur beigetragen. Besonders ragte dabei – wie schon 2007 und 2009 - der ungewöhnlich warme April heraus, der mit einer Monatstemperatur von 11,6 Grad bemerkenswerte 4,2 Grad über dem langjährigen Mittelwert lag. Aber auch der Dezember zeigte sich ausgesprochen mild: Mit durchschnittlich 3,8 Grad betrug die Abweichung zum langjährigen Normalwert 3,0 Grad, und der Monat gehört damit zu den fünf wärmsten Dezembermonaten seit 1881.

          November trockenster Monat seit 130 Jahren

          Ganz an die Spitze einer solchen langjährigen Rangliste setzte sich 2011 der November: Er war in Deutschland der trockenste Monat seit 130 Jahren. Mit einer gemittelten Regenmenge von drei Litern je Quadratmeter hat der November den April des Jahres 1893 mit seinen 3,65 Litern als bisherigen Tiefstwert noch unterboten. Normal im langjährigen Durchschnitt wäre eine Regenmenge von 66 Litern je Quadratmeter gewesen. Eine ganze Reihe der rund 2000 Messstationen des Deutschen Wetterdienstes blieb sogar vollständig auf dem Trockenen, vor allem im Süden Deutschlands. Selbst die Zugspitze, die mit einem November-Normalwert von 158,2 Litern sonst üblicherweise auch zu den Niederschlags-Spitzenreitern gehört, ging leer aus.

          Bleibt die Sonne – und auch die hat im vergangenen Jahr in Deutschland meteorologische Spitzenleistungen gebracht. Die Experten vom Deutschen Wetterdienst haben 2011 als drittsonnigstes Jahr seit 1951 ermittelt, dem Jahr, in dem die flächendeckende Messung der Sonnenscheindauer aufgenommen wurde. Rund 1825 Stunden Sonnenschein sind nach Angaben der Meteorologen in den vergangenen zwölf Monaten im Bundesdurchschnitt zusammengekommen. Nur 2003 und 1959 waren es noch mehr, nämlich 2014 Stunden und 1982 Stunden. Leutkirch-Herlazhofen im württembergischen Allgäu belegte im abgelaufenen Jahr mit 2177 Stunden den Spitzenplatz, Bremervörde im nördlichen Niedersachsen war mit 1522 Stunden das Schlusslicht.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Ich war am Ende nur noch ein Wrack Video-Seite öffnen

          Video-Serie „Frankfurt & ich“ : Ich war am Ende nur noch ein Wrack

          Seit über zehn Jahren ist Thomas Adam trocken und erzählt auf Stadtführungen durch sein ehemaliges „Sauf- und Bettelgebiet“ seine Geschichte von der Straße. FAZ.NET hat Adam für die Video-Serie „Frankfurt & ich“ begleitet.

          Topmeldungen

          Anne Will diskutiert in ihrer Sendung am 19. November 2017 mit ihren Gästen über die Jamaika-Sondierungsgespräche.

          TV-Kritik: Anne Will : Ende eines Schauspiels

          Diese Nacht verkündet der FDP-Vorsitzende das Scheitern der Sondierungsgespräche. Für eine solche Situation gibt es ein im Grundgesetz exakt definiertes Verfahren. Das scheinen aber nicht einmal die Politiker zu verstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.