Heftige Unwetter haben am Freitagmorgen in Nordrhein-Westfalen und dem Südwesten Deutschlands zu schweren Schäden sowie überfluteten Straßen und Kellern geführt. Tennisballgroße Hagelkörner zerbeulten in Krefeld zahllose Fahrzeuge. Autoscheiben und Dachfenster seien zu Bruch gegangen, teilte die Polizei mit.
„Die Gegend um Düsseldorf war von den Hagelschauern besonders betroffen“, berichtete Meteorologe Michael Beisenherz vom Wetterdienst meteomedia. Auch am Nachmittag seien weitere Unwetter vor allem im Westen Deutschlands zu erwarten. Am Wochenende werde sich die Lage etwas stabilisieren.
Schwere Sturmböen, Straßen unpassierbar
In Hessen wüteten schwere Sturmböen vor allem im Rhein-Taunus-Kreis. Dort warf ein Gewittersturm nach Angaben der Polizei auf der Bundesstraße 54 mehrere Bäume um. Die Straße war bei Bad Schwalbach auf einer Länge von acht Kilometern unpassierbar. Autofahrer saßen zwischen den umgestürzten Bäumen fest und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Verletzt wurde niemand. Die Räumarbeiten dauerten bis in die Morgenstunden. Die Strecke soll noch voraussichtlich noch bis Dienstag gesperrt bleiben.
Heftige Unwetter überfluteten auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland Straßen und Keller. Betroffen waren vor allem Eifel, Hunsrück, die Westpfalz und Teile von Rheinhessen. Die Bundesstraße 424 im Zweibrückener Stadtteil Ixheim musste nach Angaben der Polizei in Kaiserslautern auf einer Länge von fast sechs Kilometern gesperrt werden, weil sie mit Schlamm bedeckt war. Bei Bullay an der Mosel lösten sich wegen der starken Niederschläge Erdmassen an einer Bahnstrecke. Die Gleise seien jedoch nur „geringfügig“ verschmutzt worden, so dass die Züge langsam weiter fahren konnten, teilte die Polizei in Trier mit.
Wolkenbruchartige Regenfälle führten auch im Südwesten von England zu einer Sturzflut. Am schwersten waren der Süden der Grafschaft Somerset betroffen, berichtete die Feuerwehr am Freitag. Dort seien am Donnerstagabend Dutzende Häuser evakuiert und die Bewohner in Sicherheit gebracht worden. Verletzt wurde niemand.
Meteorologischer Sommeranfang
Wetterbestimmend ist derzeit das Hoch „Otto“. Es beschert in den nächsten Tagen vor allem dem Norden Deutschlands Sommerwetter. Wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte, bleibt es im Norden und Osten heiter und trocken. Im übrigen Bundesgebiet hält sich der Sonnenschein jedoch in Grenzen: Nach teils freundlichem Beginn sammeln sich vielerorts dichte Quellwolken, die vor allem im Westen und Südwesten ab Nachmittag Schauer und Gewitter bringen. Die Höchstwerte steigen auf 26 bis 32 Grad. In der kommenden Nacht lassen Schauer und Gewitter nach, in Richtung Norden und Osten ist es vielfach klar. Die Temperaturen halten sich zwischen 13 und 19 Grad, am Alpenrand und im Norden können sie auf 12 Grad zurückgehen.
Für Meteorologen beginnt der Sommer am 1. Juni. Die Sonne erreicht aber gewöhnlich erst am 21. Juni am Wendekreis des Krebses bei 23 Grad, 26 Minuten nördlicher Breite ihren höchsten Stand über der Nordhalbkugel. Dieser Tag ist der astronomische Sommeranfang.
Ein Jahreszeitenwechsel mitten im Monat wäre für die Meteorologen aber schon aus Gründen der Statistik unpraktisch. Für langfristige Wetter- und Klimavergleiche sind Monatsmittelwerte wichtig. So hat die Weltorganisation für Meteorologie, eine Unterorganisation der UN, den Wechsel der Jahreszeiten dem Deutschen Wetterdienst zufolge jeweils um etwa drei Wochen auf die Monatsanfänge vorverlegt. Klimatologisch zählt der Juni nach Ansicht der Wetterkundler ohnehin mehr zum Sommer als zum Frühling. Genauso sei der März schon dem Frühling und nicht mehr dem Winter zuzurechnen.
