04.01.2007 · Dass 2006 warm war wie kaum ein anderes Jahr, haben alle gespürt. Ein Blick in die Statistik der Meteorologen zeigt aber auch, dass dies keine Ausnahme mehr ist. Durchschnittstemperaturen von über 9 Grad im Jahr haben wir seit Jahren.
Von Peter BadenhopDie Engländer sind nicht zu schlagen. Der Wetterdienst Meteogroup hat dieser Tage verkündet, das Jahr 2006 sei das wärmste seit fast 350 Jahren gewesen. Seit 1659, als im Königreich mit systematischen Wetteraufzeichnungen begonnen wurde, hätten die Meteorologen keinen so hohen Jahresmittelwert errechnet. Mit 10,9 Grad steht das vergangene Jahr im golfstromumspülten Inselreich demnach nun einsam an der Spitze, das bisherige Rekordjahr 1990 brachte es nur auf 10,67 Grad.
Von Werten wie diesen ist Deutschland noch weit entfernt - eines der wärmsten Jahre seit mehr als 100 Jahren war 2006 aber dennoch. 9,5 Grad haben die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach als Jahresdurchschnittswert ermittelt, 1,3 Grad mehr als der langjährige Mittelwert von 8,2 Grad. Das ist eine Menge, aber noch ein gutes Stück entfernt vom Rekordjahr 2000 mit seinen 9,9 Grad. 2006 belegt den fünften Rang in der Statistik des Wetterdienstes - und die reicht im Gegensatz zum Zahlenwerk Ihrer Majestät nur 105 und nicht 347 Jahre zurück, nämlich bis ins Jahr 1901. Abgesehen von den zwölf Monaten nach der Jahrtausendwende waren lediglich jene der Jahre 1994 (9,7 Grad), 1934 (9,6) und 2002 (9,6) noch wärmer als die gerade vergangenen.
Hitzewelle von früher sind Normalität geworden
Ein sehr erhellendes Licht wirft diese Statistik (siehe Grafik) übrigens auf den vielbeschworenen Klimawandel: Seit Aufzeichnungsbeginn hat die Jahresmitteltemperatur insgesamt 19 Mal Werte von neun Grad oder mehr erreicht. Zwischen 1901 und 1950 allerdings nur sechsmal, seit 1999 dagegen praktisch jedes Jahr - wenn man die Jahre 2004 und 2005 mit ihren nur minimal geringeren Mittelwerten (8,97 beziehungsweise 8,99 Grad) gelten lässt. Während Jahresmitteltemperaturen mit einer Neun vor dem Komma in den ersten zwanzig Jahren des vergangenen Jahrhunderts die absolute Ausnahme waren (lediglich 1911 mit 9,1 Grad), sind sie inzwischen zur Normalität geworden.
Als bemerkenswert werden die Meteorologen das vergangene Jahr allerdings weniger wegen seiner klimatologischen Relevanz in Erinnerung behalten, als vielmehr wegen der ungewöhnlichen Bandbreite der "Wetterereignisse", wie es im Offenbacher Behördendeutsch heißt. Gemeint sind die ungewöhnliche Kälte (mit 1,5 Grad im Mittel der kühlste März seit zehn Jahren) und vor allem die enormen Schneemassen zu Beginn des Jahres, der heißeste und sonnigste Juli aller Zeiten (21,8 Grad und 335 Stunden Bestrahlung), ein ungewöhnlich feuchter, kühler und sonnenarmer August, der sehr warme September (16,8 Grad) und der endlose Herbst, der in manchen Teilen Deutschlands den Winter immer noch auf Distanz hält und als der mit Abstand wärmste seit 1901 in die Annalen der Meteorologie eingehen wird.
Besonders heißer Ort: Bernburg an der Saale
Die höchste Temperatur des Jahres kann übrigens Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt für sich reklamieren: 38,9 Grad, gemessen am 20. Juli. Am kältesten war es auf der Zugspitze am 12. März mit minus 25,9 Grad, die kälteste Temperatur im Flachland wurde am 23. Januar in Ueckermünde, Mecklenburg-Vorpommern, mit minus 23,6 Grad registriert.