Er hätte seine helle Freude gehabt: Benjamin Franklin, einer der ersten, die sich in Experimenten mit elektrischen Entladungen auseinandersetzten, hätte am vergangenen schwülen und gewittrigen Wochenende ganze Versuchsreihen ausführen können: Allein am Samstag zählte der Deutsche Wetterdienst (DWD) 205999 Blitze. Es gebe zwar keine „Blitzstatistik“, aber diese Zahl „ist schon eine ziemliche Hausnummer“, sagte Tanja Dressel vom DWD am Montag.
Die meisten Blitze ereignen sich in den Wolken. Bei diesen „Wolke-Wolke-Blitzen“ sieht der Beobachter nur ein Leuchten am Himmel, der Blitz erreicht die Erde aber nicht. Nur etwa zehn Prozent seien sogenannte Erdblitze, sagte Dressel. Blitzarten und ihre Entstehung sind auf der ganzen Welt ein großes Forschungsthema. „Wir können sagen, dass sie mal positiv, mal negativ aufgeladen sind, und dass Eis und Wasserteilchen sowie die Ladung der Erdoberfläche eine Rolle spielen. Hundertprozentig sagen, wie die einzelnen Blitzarten entstehen, können wir aber nicht“, sagte Dressler.
Am Freitag waren drei Frauen auf einer Golfanlage in Waldeck in Nordhessen durch Blitzschlag ums Leben gekommen, eine weitere überlebte schwer verletzt. Die Spielerinnen hatten vor dem Sommergewitter in einem Holzunterstand Schutz gesucht, in den der Blitz einschlug. Ausschlaggebend für Art und Umfang der Verletzungen durch direkten oder indirekten Blitzschlag ist, welche Körperteile getroffen werden und wie groß die Stromstärke ist, die durch den menschlichen Körper fließt. Wird etwa das Gehirn getroffen, kann es zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand kommen. Besonders gefährlich ist ein Blitzschlag für Nerven- und Muskelgewebe: Die hier gesammelten Mengen an Flüssigkeit bieten sich als „Leitsystem“ für Blitze geradezu an. Reversible Folgen eines Blitzschlags können Krämpfe, Seh-, Gehör- und Bewusstseinsstörungen, Lähmungen der Gliedmaßen, Herzrhythmusstörungen und Depressionen sein.
Eichen soll man weichen, Buchen soll man suchen – von solchen Spruchweisheiten hält Tanja Dressel wenig. „Baum ist Baum und daher bei Gewitter generell zu meiden “, sagte die Meteorologin. Zudem solle, wer auf freiem Feld von einem Gewitter überrascht werde, nicht auch noch einen Regenschirm aufzuspannen, weil dieser leitet. Wichtig sei es, so Dressel, dass der Körper eine möglichst kleine Angriffsfläche bietet. Man solle sich hinhocken und klein machen, auf keinen Fall aber flach hinlegen.
Am sichersten als Zuflucht seien immer noch das Haus und das Auto. Beide funktionierten in der Regel als „Faradayscher Käfig“. So hat am Sonntagmorgen auch ein 23 Jahre alter Mann einen Blitzeinschlag unverletzt überstanden. Wie die Polizei in Fulda mitteilte, hatte der Mann an einem Teich im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geangelt und die Nacht in seinem Auto verbracht. Am Morgen schreckte er durch einen Knall aus dem Schlaf – der Blitz hatte das Auto getroffen. Dabei zerbarsten die Scheiben der Beifahrertür. Zudem wurde die Elektronik des Wagens zerstört.
