07.11.2004 · Das Waldsterben ist in den vergangenen Jahren aus dem Bewußtsein gerutscht. Zu unrecht: Dem deutschen Wald geht es so schlecht wie seit langem nicht mehr. Vor allem Buchen leiden, so Bundeslandwirtschaftsministerin Künast.
Der deutsche Wald ist nach den Worten von Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Die Grünen) so krank wie seit Jahren nicht mehr. Der Klimawandel mache den Bäumen zu schaffen, sagte Künast am Wochenende. Vor allem den Buchen gehe es schlecht. Stark zugesetzt habe den Bäumen die extreme Trockenheit des Jahres 2003. Schadstoffe und Insektenplagen hätten das Problem noch vergrößert. Künast will in Kürze den neuen Waldzustandsbericht vorstellen.
Künast sagte auf einem Landesparteitag der hessischen Grünen in Marburg: „Eine einfache Lösung wird es nicht geben.“ Dringend notwendig seien eine weitere konsequente Umweltschutzpolitik und Reformen im Agrarbereich. Die FDP-Forstexpertin Christel Happach-Kasan sprach von einer „dramatischen Situation“. Sie warf Rot-Grün vor, die nötigen Antworten auf das drängende Problem schuldig zu bleiben.
Buchen sind am meisten betroffen
Die „Welt am Sonntag“ berichtete am Wochenende bereits Details aus dem neuen Waldschadensbericht. Demnach sei zwar der Waldbestand in Deutschland seit 1987 von 2,28 Milliarden Kubikmeter auf 2,63 Milliarden Kubikmeter Holz und damit um 17 Prozent gewachsen. Doch das Ausmaß der Schäden sei „angesichts der bisher waldgünstigen Witterung des Jahres 2004 auch für Experten überraschend“.
Der Anteil der Bäume, deren Laub- und Nadelverlust (Kronenverlichtungen) die höchsten Schädigungsstufen erreicht, sei in diesem Jahr auf bedrohliche 31 Prozent gestiegen. „Dies ist die bisher - im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr - größte Zunahme und gleichzeitig auch der höchste Stand seit Beginn der Zeitreihe“, heißt es nach Angaben der Zeitung in dem Schadensbericht.
Keine Baumart sei so stark betroffen wie die Buche. Über die Hälfte der Bäume, bei den älteren sogar 65 Prozent, wiesen deutliche Kronenverlichtungen auf. Auf Rang zwei der am meisten geschädigten Bäume rangiere die Eiche. Immerhin 45 Prozent des gesamten Bestandes seien nicht mehr gesund. Ihr folge die Fichte mit 35 Prozent Kronenverlichtungen.
Erholung dürfte Jahre dauern
Das Ministerium von Künast warnt den Angaben zufolge: „Es muß damit gerechnet werden, daß es vermutlich mehrere Jahre dauern wird, bis der Kronenzustand auf das ursprüngliche Ausgangsniveau der letzten Jahre zurückfindet; dies setzt jedoch voraus, daß es nicht erneut zu gravierenden Streßsituationen für die Wälder kommt.“ Den Streß verursachen verschiedene Faktoren. Dazu zählen etwa Hitze und Trockenheit sowie Ozon.
Außerdem hätten kontinuierliche Schadstoffeinträge den Boden stark versauern und damit instabil werden lassen. Gefahr drohe außerdem von Insekten. Borkenkäfer etwa könnten sich in trockenen, heißen und windstillen Sommern explosionsartig vermehren. Wenn die Monate März bis Juni im kommenden Jahr ebenfalls trocken und warm sind, werden die Käfer ausfliegen und millionenfach über die Bäume herfallen, hieß es.