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Tierschutz Walfang-Kommission bald ohne Walfänger?

17.06.2003 ·  Japan droht der Internationalen Walfang-Kommission wegen der "Berlin Initiative" mit Austritt, Walfangnation Norwegen bleibt gelassen.

Von Peter-Philipp Schmitt
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FRANKFURT, 17. Juni. Die "Berlin Initiative", die einen verstärkten Schutz von Meeressäugern vorsieht, hat für die Walfangnation Norwegen zunächst keinerlei Auswirkungen. Das sagte der norwegische Delegationsleiter, Botschafter Odd Gunnar Skagestad, am Dienstag in Berlin. "Wir werden nach wie vor nicht zulassen, daß internationale Inspekteure auf unseren Schiffen mitfahren. Und wir werden uns sicherlich auch nicht finanziell an einem neuen Schutzausschuß beteiligen." Einen Austritt aus der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) schloß Skagestad allerdings aus, auch wenn eine solche politische Entscheidung letztlich nicht er, sondern seine Regierung in Oslo zu treffen habe. Die Walfangnation Japan hingegen drohte am zweiten Tag der 55. Jahrestagung der IWC damit, sich aus der Organisation zurückzuziehen, und boykottierte bereits wichtige Debatten. Auch an dem Empfang der Gastgeberin, Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne), nahm Japan nicht teil.

Am Montag abend hatte die IWC die "Berlin Initiative" verabschiedet, 25 der insgesamt 50 Mitgliedsländer stimmten für die Resolution, 20 dagegen. Vier Länder (Costa Rica, Gabun, Kenia, Senegal) konnten sich an der Entscheidung nicht beteiligen, da sie kein Stimmrecht hatten: Sie hatten ihre Mitgliedsbeiträge nicht rechtzeitig bezahlt. Grenada lehnte das Verfahren als "illegal" ab. Auch die dänische Delegation - Vertreterin der Faröer-Inseln und Grönlands - sprach von "juristischen Bedenken", weil die Resolution nicht mit den Statuten der 1946 gegründeten IWC in Einklang zu bringen sei, stimmte letztlich aber doch dagegen. Hauptelement der "Berlin Initiative" ist zunächst nur die Einrichtung eines Schutzkomitees. Es soll eng mit dem Wissenschaftsausschuß der Kommission zusammenarbeiten und Empfehlungen zum Schutz der Wale abgeben. Neu ist vor allem, daß sich die IWC nicht mehr nur mit den sogenannten großen Walarten, sondern auch mit kleinen Meersäugern wie Delphinen und Tümmlern befassen soll, die zu Zehntausenden als Beifang in Fischernetzen sterben. Auch Themen wie die Verschmutzung der Meere, Schiffslärm und Klimawandel sollen künftig behandelt werden.

Der norwegische Delegationsleiter Skagestad bedauerte, daß es überhaupt zu einer Abstimmung kam. Durch das Votum werde der Riß in der IWC nur noch weiter vertieft. Seit Jahren stünden sich zwei mehr oder weniger festgefügte Blöcke gegenüber. "Das Ergebnis der Abstimmung hat daher auch niemanden überrascht." Norwegen hatte zunächst versucht, eine Entscheidung mit einem entsprechenden Geschäftsordnungsantrag zu verhindern. Für Skagestad lenkt die "Berlin Initiative", die manche fälschlicherweise als "epochemachend und historisch" bezeichneten, von den wirklich wichtigen Themen der Kommission in Berlin ab. Zudem befürchtet Norwegen, daß die IWC immer weniger eine Walfang-, dafür aber zu einer reinen Walschutzorganisation wird und sich so von ihren ursprünglichen Aufgaben und Zielen entfernt.

Am zweiten Tag der noch bis Donnerstag dauernden Tagung wurde unter anderem über "humane" Tötungsmethoden gesprochen. Kritisiert wird vor allem das "aboriginal whaling", die Jagd auf Meeressäuger durch Ureinwohner etwa auf den Faröern, an den Küsten Alaskas und Grönlands sowie Japans. Besonders blutig, wenn auch nicht besonders "inhuman" ist der Walfang auf den Faröern: Boote treiben die Tiere in Strandnähe, wo man sie mit einem tiefen Schnitt im Nacken hinter dem Blasloch dadurch tötet, daß man die Wirbelsäule durchtrennt und die Blutversorgung zum Gehirn unterbricht. Abermals debattiert wurde auch über zwei neue Walschutzzonnen im Südpazifik (eingebracht von Australien und Neuseeland) und im Südatlantik (Brasilien und Argentinien). Bei den Abstimmungen war eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Wie in den vergangenen Jahren wurden beide Vorschläge abgelehnt, weil sie wissenschaftlich nicht zu begründen seien. Zwei Schutzgebiete hat die Walfang-Kommission bisher ausgewiesen: den Indischen (1979) und den Südlichen Ozean (1994), der den Kontinent Antarktis umgibt.

Das wichtigste Thema der IWC in den verbleibenden zwei Tagen ist das sogenannte Revised Management Scheme (RMS), das den notwendigen Schutz für alle Walarten sicherstellen, gleichzeitig aber die Jagd auf gesunde und große Walbestände nach vorgegebenen Quoten erlauben soll. Die RMS sollte das 1982 beschlossene und 1987 in Kraft getretene Moratorium ablösen. Bisher aber konnten sich die Mitgliedsländer der IWC nicht endgültig einigen. Die Walfangnationen Norwegen und Japan lehnen vor allem eine internationale Kontrolle ab.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2003, Nr. 139 / Seite 9
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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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