08.07.2003 · Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ist im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ein Seepferdchen gefangen worden. Eigentlich gelten die Tiere in unseren Breiten als ausgestorben.
Seepferdchen fühlen sich in der rauhen Nordsee offenbar wieder wohl. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ist im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ein kurzschnäuziges Seepferdchen (Hippocampus hippocampus) gefangen worden, wie das Informationszentrum Multimar Wattforum am Montag in Tönning mitteilte.
Eigentlich gelten die Tiere in unseren Breiten als ausgestorben. „Daß es nur zwei Seepferdchen in der Nordsee gibt und diese dann auch noch zufällig in die Netze der Fischer gelangen, ist äußerst unwahrscheinlich“, hieß es in der Erklärung. Der Tönninger Fischer Manfred Sopha hatte das zappelnde Tierchen vor einer Woche vor St. Peter-Ording in seinem Netz zwischen Tausenden von Krabben gefunden und auf dem schnellsten Weg ins Multimar Wattforum gebracht.
Pelle seit 2001 im wattforum
Schon 2001 war dort ein Nordsee-Seepferdchen (“Pelle“) aufgenommen und erfolgreich aufgepäppelt worden. Der Neuankömmling, ein zehn bis zwölf Zentimeter großes Weibchen, wurde nach dem Fundort St. Petra getauft. Jetzt kommt St. Petra zu Pelle ins Becken. „Wer weiß, vielleicht gibt es dann bald kleine Nordsee-Seepferdchen“, meinte Sprecher Claas Hammes.
Der Lebensraum der Seepferdchen, die Nordsee-Seegraswiesen, wurden nach Angaben des Aquarienleiters Birger Kreutz in den 30er-Jahren von einer Pilzinfektion fast völlig vernichtet. „Da diese Tiere keine großen Schwimmer sind, brauchen sie genau solche Wiesen, um Halt zu finden und nicht von den starken Nordseeströmungen verdriftet zu werden.“ Wie sich die Seegraswiesen in den vergangenen Jahren entwickelt hätten, sei ihm nicht bekannt, betonte er. „Der erneute Fang läßt auf alle Fälle die Spekulationen zu, daß die Nordsee für Hippocampus Hippocampus wieder attraktiver geworden ist“, erklärte Kreutz. Pelle und St. Petra sind im Multimar-Wattforum täglich von 09.00 Uhr bis 19.00 Uhr zu besichtigen.