26.07.2003 · Normal für eine Großstadt sind etwa zwei Ratten pro Einwohner, meint der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband. Also leben in Berlin schätzungsweise zwischen sechs und sieben Millionen Ratten.
Im Dämmerlicht huschen sie von Strauch zu Strauch. Ein weggeworfenes Wurstbrötchen lockt sie an. Zuerst tastet sich eine Ratte langsam heran, dann flitzen vier hinterher. Keine Seltenheit. „Normal für eine Großstadt wie Berlin sind etwa zwei Ratten pro Einwohner“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Schädlingsbekämpfer Verbandes in Berlin, Joachim Folté. Demnach leben schätzungsweise zwischen sechs und sieben Millionen Ratten in der Hauptstadt.
Aber das ist kein Grund zur Panik - die Rattenanzahl sei seit Jahren stabil, beruhigt Uwe Stutzke vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin (Lagetsi). Pro Jahr gingen etwa 4.000 bis 4.500 Aufträge von Privatpersonen oder Firmen zur Bekämpfung der wuseligen Tiere ein. Allerdings seien dies nur die vom Amt registrierten Fälle.
Für die Wanderratte sind Städte das Schlaraffenland
Rattus norvegicus, so der lateinische Name für die weit verbreitete Wanderratte, fühlt sich in menschlicher Nähe wie im Schlaraffenland. Es sei nicht nur das in die Toilette gespülte Essen. Auch die „ein, zwei Nudeln, die durch den Abfluß gedrückt werden“, sammelten sich in den Berliner Kanälen, sagt Folté. Da das Wasser in der Kanalisation langsamer als noch vor Jahren fließe, fänden Ratten „optimale Bedingungen“. Sie kommen gut an ihr Fressen. Außerdem können die Wanderratten auch mehrere hundert Kilometer zur Nahrungssuche zurücklegen.
Doch das ist in Berlin nicht nötig. Die unachtsam zurückgelassenen Essensreste von Grillpartys und Open-Air-Veranstaltungen sorgen für eine willkommene Ergänzung des eh schon breiten sommerlichen Nahrungsangebots der Ratten. Zum Teil müssen die Schädlingsbekämpfer Sonderschichten einlegen, um der nervigen Plage Herr zu werden.
Mülltonnen verschließen
Im privaten Haushalt sollten Essensreste möglichst in verschließbaren Mülltonnen verschwinden. Zudem verhindern geschlossene Kellerfenster und dichte Wände das Eindringen der unliebsamen Gesellen. Experten raten zudem, so genannte Rückstauklappen in die Häuserwände einzubauen. Diese Hilfsmittel für 900 Euro verhindern, daß etwas von außen nach innen gelangt.
Haben sich die Ratten schon eingenistet, dürfen nur geprüfte Schädlingsbekämpfer ans Werk. Diese inspizieren das betroffene Gebiet ganz genau. „Durch Fraß- und Kotspuren kann die Menge und Größe der Tiere ermittelt werden“, sagt der Vorstandschef der deutschlandweit agierenden APC Schädlingsbekämpfungs GmbH, Michael Kahlo. Den haarigen Vierbeinern wird dann vor allem mit Ködern zu Leibe gerückt.