05.09.2006 · An der südafrikanischen Küste ist die Zahl der Haiattacken gestiegen. Erst vor drei Wochen wurde einem Rettungsschwimmer ein Fuß abgebissen. Umweltschützer, Surfer und Anwohner streiten darüber, wie die Gefahr abgewehrt werden kann - mit skurrilen Vorschlägen.
Von Eva-Maria MagelAuch erfolgreiche Schutzprojekte haben ihre Nachteile. So rückt der weiße Hai, den meisten eher aus Horrorfilmen bekannt, Wassersportlern und Schwimmern mittlerweile unangenehm nah. Seit 15 Jahren wird der große weiße Hai an der südafrikanischen Küste nicht mehr gejagt. Nun fürchten die Surfschulen und die Tourismusindustrie um die Reputation der bei Surfern so beliebten False-Bay-Strände in der Kapregion. Die Zahl der Haiattacken ist gestiegen.
Vor allem der jüngste Fall ruft Freunde und Feinde der Haie auf den Plan. Dem 24 Jahre alten Rettungsschwimmer Achmet Hassiem wurde am Sunrise Beach von Muizenberg vor drei Wochen der Fuß abgebissen. Die Anteilnahme der Öffentlichkeit war groß, denn Hassiem war im Gegensatz zu den meisten anderen Haiopfern nicht zum sportlichen Vergnügen im Wasser unterwegs. Seither diskutieren Hai- und Umweltschützer, Surfer und Anwohner darüber, wie die Gefahr abgewehrt werden kann.
Die Antwort des südafrikanischen Meeresbiologen Michael Farquhar fällt kurz und bündig aus: Haie und Menschen, sagt er, passen einfach nicht zueinander: „Entweder man entfernt die Haie, oder man entfernt die Leute.“ Die Leute aber wollen nicht von den Stränden lassen. Nicht nur das Surfen ist ein Wirtschaftsfaktor in der Region. Mittlerweile gehören auch die Meeresbewohner zu den Touristenattraktionen. Früher sprach man von den „Big Five“, den großen Wildtieren: Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden. Heute spricht man im südafrikanischen Naturtourismus von den „Big Seven“: Das „Whale-Watching“, etwa am Strand von Hermanus, zieht auch in den nächsten Wochen wieder Walbeobachter an. Und als siebtes Wildtier sind Haie mittlerweile eine fast ebenso große Attraktion - die zudem noch gruseliger ist. Manche sehen sich die Tiere vom Strand aus an. Aber immer mehr Leute buchen „shark-diving tours“, um die Tiere aus der Nähe zu sehen. Einheimische behaupten nun, diese Provokationen führten dazu, daß immer mehr Haie ankommen.
Haibeobachter gefordert
Nach der jüngsten Attacke wird nun nach Lösungen gesucht. Gefordert werden zum Beispiel noch mehr Haibeobachter, die vor heraufziehender Gefahr warnen. Vor allem der vorbeiziehenden Wale wegen kritisieren Tierschützer die an anderen Küstenteilen erfolgreich eingesetzten Hainetze oder Sonaranlagen. Außerdem seien die weißen Haie - im Gegensatz zu lokalen kleinen Haiarten - Migranten, die sich nicht von ein paar Unterwasserzäunen aufhalten ließen. Daß es plötzlich „Mörderhaie“ wie im Kino gebe, halten nicht nur Haischützer für Humbug.
Ein recht umstrittener Haifreund, Theo Ferreira, einst Haijäger, sagt immerhin, daß es in der Tat mehr junge Haie gebe und daß die Größe der erwachsenen Tiere seit Anfang der neunziger Jahre von durchschnittlich 3,20 Meter auf etwa vier Meter zugenommen habe. Sein Vorschlag allerdings, die Haie mit Fischöl zu locken und dann ein Seil um ihren Schwanz zu schlingen, um sie aufs Meer hinauszuschleppen, dürfte wenig praktikabel sein. Daß bislang so wenige Surfer die weit weniger umständliche Methode der „shark shields“ genannten elektronischen Bandagen benützen, die Haiattacken immerhin um 80 Prozent reduzierten, sei ihrer Eitelkeit geschuldet. In der Tat sind die Beinschützer nicht besonders kleidsam, werden aber mittlerweile auch von einigen Surfschulen eingesetzt. Wie also kann man Sportler und Haie in der False Bay schwimmen lassen? Vorschläge dazu will am 12. September eine Arbeitsgruppe aus Repräsentanten der Stadt Kapstadt, des südafrikanischen Umweltministeriums und des World Wide Fund for Nature vorstellen.
Bis dahin wird Achmet Hassiem seinen Dienst wohl noch nicht angetreten haben. Das öffentliche Interesse hat ihm immerhin dank großer Unterstützungsaktion eine High-Tech-Prothese beschert. Möglichst bald wolle er wieder in den Dienst zurückkehren, sagt der junge Mann, der nach dem anfänglichen Schock offenbar zur Kaltblütigkeit des Berufssretters zurückgefunden hat. Er sieht die derzeitige Diskussion gelassen. Haie, sagt er, seien nun einmal so. Da könne man nichts machen. Den Haizahn allerdings, den die Ärzte aus dem amputierten Teil seines Beines zogen, will er behalten: „Er hat meinen Fuß, ich habe seinen Zahn. Das ist fair, so sind wir quitt.“
so ein idiot.....
christian rohloff (elvisthe)
- 05.09.2006, 23:33 Uhr
Hai gegen Mensch
Anja W. (Shawana)
- 12.09.2006, 13:44 Uhr