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Südafrika Der Elefant als Plage

02.03.2007 ·  Fast schon explosionsartig haben sich die Elefanten vor allem im Kruger-Nationalpark vermehrt. Nun will Südafrika wieder mit dem Abschießen ganzer Herden beginnen. Eine Methode, die einem Massaker gleicht.

Von Thomas Scheen
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Um der explosionsartig gestiegenen Elefantenpopulation speziell im Kruger-Nationalpark Herr zu werden, will die südafrikanische Regierung das umstrittene Abschießen ganzer Herden („Culling“) in beschränktem Umfang wieder genehmigen. Wie Umweltminister Marthinus van Schalkwyk mitteilte, würden alle Optionen zur Reduzierung der gegenwärtig landesweit auf 20.000 Tiere geschätzten Elefantenpopulation geprüft: von einer Vergrößerung der bestehenden Nationalparks über die Umsiedlung ganzer Herden, der Verabreichung von Verhütungsmitteln bis hin zu „Culling“. „Das ist etwas, das ich lieber nicht in Betracht gezogen hätte“, sagte van Schalkwyk, „aber wir müssen uns das ,Culling' als Alternative offenhalten.“

Dabei ist „Culling“ die mit Abstand brutalste Methode, Elefantenpopulationen zu dezimieren. Den Tieren wird dabei aus Hubschraubern heraus mit großkalibriger Explosivmunition in die Köpfe geschossen; zuerst der Leitkuh, damit die Herde die Orientierung verliert, dann den Bullen, zum Schluss den Kälbern.

Bei durchschnittlichen Herdengrößen von 50 Tieren und mehr kommt „Culling“ einem Massaker gleich. Rund 14.500 Elefanten waren zwischen 1967 und 1994 auf diese Weise geschossen worden, bevor die Regierung das „Culling“ nicht zuletzt nach massiven Protesten von Tierschutzorganisationen und aus Sorge um Südafrikas Image einstellte.

Der Park wird zur Wüste

Südafrika beherbergt rund 20.000 Elefanten, von denen 14.000 in dem 20.000 Quadratkilometer großen Kruger-Nationalpark leben. Nach Ansicht der Wildschutzbehörde sind das eindeutig zu viele. Der Kruger-Park kann den Angaben zufolge lediglich 7000 Elefanten ernähren.

Die etwa 14.000 Elefanten aber, von denen jeder täglich bis zu 200 Kilogramm Nahrung benötigt, stellten eine direkte Bedrohung sowohl für den biologischen Haushalt des Parks als auch für die Lebensgrundlage anderer großer Tiere dar, wie etwa dem Spitzmaulnashorn („black rhino“). Sollte sich die Elefantenpopulation mit der gegenwärtigen Geschwindigkeit von sieben Prozent jährlich weitervermehren, würde der Kruger-Park in wenigen Jahren über weite Strecken einer Wüste ähneln.

Verhütungsmittel sind noch umstrittener

Die Hoffnungen, die Elefantendichte im Kruger-Park durch das Niederreißen der Grenzzäune zu dem moçambiquanischen Limpopo-Transfrontier-Park zu reduzieren, haben sich bislang nicht erfüllt. Ursprünglich wollte Südafrika 1000 Elefanten im Kruger-Park einfangen und nach Moçambique umsiedeln. Das Projekt wurde aber wegen fehlender finanzieller Mittel gestoppt, nachdem ganze 111 Tiere nach Moçambique gebracht worden waren.

Rund 1000 andere Kruger-Elefanten wechselten aus freien Stücken in den Limpopo-Park, doch mehr werden es nach Ansicht der südafrikanischen Wildlife-Behörde nicht werden. Limpopo verfüge nicht über ausreichend Wasser, um mehr Dickhäutern eine Lebensgrundlage zu bieten.

Da das Verabreichen von Verhütungsmitteln noch umstrittener ist als das „Culling“, weil niemand zu sagen vermag, wie sich vermeintliche Unfruchtbarkeit auf das empfindliche Sozialsystem der Herden auswirkt, geht am massenhaften Töten vorerst wohl kein Weg vorbei.

Lukrativen Safari-Tourismus nicht gefährden

Doch nicht nur in Südafrika werden Elefanten so langsam zum Problem, auch der nördliche Nachbar Botswana hat seine Not mit den Dickhäutern. 60.000 Elefanten sind nach Ansicht des botswanischen Umweltministeriums eine Zahl, mit der Mensch und Natur leben können. Botswana beherbergt aber 150.000 Elefanten, nachdem auch dort das „Culling“ in den neunziger Jahren eingestellt worden war.

Trotz der extrem hohen Population und dem damit einhergehenden Druck auf den natürlichen Kreislauf will Botswana das „Culling“ vorerst nicht wieder erlauben. Die Regierung fürchtet sich vor Kampagnen mächtiger Tierschutzorganisationen aus Amerika und Europa, die dem lukrativen Safari-Tourismus in Botswana empfindliche Einbußen beibringen könnten.

Im Gegensatz zu Südafrika aber verfügt Botswana über Platz und sucht sein Heil deshalb in einer Vergrößerung der bestehenden Schutzgebiete, um den Elefanten Raum zu geben. Die Regierung in Gaborone plant einen neuen, 287.000 Quadratkilometer großen Nationalpark, der sich über fünf Länder erstrecken soll: Angola, Namibia, Botswana, Sambia und Zimbabwe. Der nach den beiden wichtigsten Flüssen in der Region benannte Kavango-Sambesi-Park existiert bislang aber nur als Absichtserklärung der beteiligten Länder.

Quelle: F.A.Z., 02.03.2007, Nr. 52 / Seite 10
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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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