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Spanische Hotelruine Das Monstrum im Nationalpark

03.05.2009 ·  Ein Mahnmal für verfehlte Umweltpolitik: Niemand wollte sehen, dass das Luxushotel „El Algarrobico“ mitten im Naturschutzgebiet nahe dem spanischen Carboneras liegen würde. Der illegale Bau wartet schon drei Jahre auf die Abrissbirne.

Von Leo Wieland, Carboneras
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Das weiße Ungeheuer thront über einer blauen Bucht an der Sonnenküste. Es rührt sich aber nicht mehr. Seine Kranarme drehen sich seit drei Jahren nicht mehr. Die Betonmischer sind verstummt, die Fensterlöcher blicken blind auf den Strand von Carboneras. Und drinnen, wohin die frische Brise vom Meer nicht reicht, riecht es modrig. Wer beseitigt dieses Monstrum nur? Spaniens berühmteste Bauruine hätte ein Luxushotel namens „El Algarrobico“ werden sollen. 20 terrassierte Stockwerke wuchsen im Naturschutzgebiet von Cabo de Gata an der Costa del Sol bei Almería den Berg hinan, 411 Zimmer, der Badestrand ist kaum 30 Meter entfernt.

75.000 Kubikmeter Zement und Millioneninvestitionen sind in das Projekt geflossen, bis es der Bezirksrichter Jesús Rivera am 23. Februar 2006 für „illegal“ erklärte. Zugleich verlangte er von der Staatsanwaltschaft zu untersuchen, ob sich die Politiker - vom Bürgermeister in Carboneras bis zur Junta von Andalusien (alle Mitglieder der Sozialistischen Partei) - der Rechtsbeugung und des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht haben.

Ein ziemlich „derbes Manöver“

Die Mühlen der spanischen Justiz mahlen langsam, und Einsprüche ziehen die Lösung in die Länge. Schon jetzt aber ist „El Algarrobico“ ein Lehrstück über die Bausünden an der schon fast zubetonierten Mittelmeerküste, über die inzwischen geplatzte Immobilienblase und über das einst so einträgliche Wechselspiel von Spekulation und Vetternwirtschaft.

Der Boden war noch billig, als der Plan Mitte der Achtziger reifte. Das Bauunternehmen Azata kaufte ihn hektarweise und versprach Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Cristóbal Fernández, seit 1983 Bürgermeister von Carboneras, zählte zu den wichtigsten Förderern des großen Hotels. Aber auch die andalusische Regierung war begeistert und erteilte im Sommer 1988 die Baugenehmigung.

Dass gleichzeitig von der Madrider Zentralregierung ein Küstenschutzgesetz verabschiedet wurde, das einen Mindestabstand von 100 Metern zur Wasserlinie verfügte, wurde offenbar übersehen. Ebenso wenig wollte man sehen, dass der Bauplatz im Naturpark lag. Der Bürgermeister sagte einfach, er liege außerhalb.

Außerdem spielte es keine Rolle, dass die Zone schon 1994 unter der Kategorie C 1 (“inkompatibel mit urbanistischer Nutzung“) fiel. Eine anonyme Hand mit einem Kugelschreiber soll auf den Dokumenten aus C 1 einfach D 2 und damit aus Brachland „Bauland“ gemacht haben. Das sei, so rügte Richter Rivera, doch ein ziemlich „derbes Manöver“ gewesen.

Umweltministerin hält das Projekt für legal

Die Bauarbeiten begannen schließlich im Jahr 2003, nachdem Sevilla die nötigen Genehmigungen erteilt und die Junta sogar 2,5 Millionen Euro als Subvention für die Infrastruktur beigetragen hatte. Im Sommer 2006 sollten die ersten Gäste einziehen. Doch dann hatte unvermittelt die Umweltorganisation „Salvemos Mojácar“ (so heißt die nächste größere Stadt) mit einer einstweiligen Verfügung Erfolg. Richter Rivera stoppte die Bauarbeiten.

Seitdem ist guter Rat teuer. Das Bauunternehmen will, sollte es enteignet werden, entschädigt werden. In der andalusischen Politik drehte sich der Wind, spätestens als Greenpeace den Rohbau einmal mit 20.000 Quadratmetern grünen Tuches verhüllte. Nur die Umweltministerin in Sevilla, Fuensanta Coves, verteidigte das Projekt noch lange als „hässlich, aber legal“. Und Bürgermeister Fernández versichert noch heute: „Mir gefällt es.“

Nun möchte die Junta die Ruine abreißen lassen. Die Madrider Regierung soll für ein Entschädigungspaket, das auf 200 Millionen Euro geschätzt wird, einen Beitrag von 40 Millionen aus der Staatskasse offeriert haben. Wer den Rest aufbringt, ist noch nicht klar. So oder so dürfte es den Steuerzahler teuer zu stehen kommen.

Man müsste den ganzen Berg abreißen

Der Sprecher des Unternehmens Azata, Antonio Baena, versteht derweil noch immer die Welt nicht: „Man hat uns alle Genehmigungen gegeben, dazu Subventionen und Kredite, weil das Hotel als Bau im Interesse der Allgemeinheit und der regionalen Wirtschaftsentwicklung angesehen wurde.“

Den ursprünglichen Zustand der Landschaft könne man ohnehin nicht wiederherstellen: „Es gibt Mauern, die bis zu drei Meter tief in den Fels reichen. Wer das Hotel abreißt, muss den ganzen Berg abreißen.“

Bis es so weit ist, wird „El Algarrobico“ eine bescheidene moribunde Touristenattraktion bleiben. An Wochenenden kommen die Strandläufer, setzen sich mit dem Rücken zu Sonne und Meer, blicken auf das Ungeheuer und genießen den einzigartigen Anblick.

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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.

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