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Solarenergie Mehr Licht - mehr nicht

17.12.2004 ·  Es werde Licht - in allen Regionen Chinas. Bis 2009 soll Strom in die entlegendsten Dörfer gebracht werden - zum Beispiel mittels Solartechnik. Doch oft prallen dadurch Moderne und Tradition aufeinander.

Von Petra Kolonko, Shangnanyao
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Im Bergdorf Shangnanyao in der südwestchinesischen Provinz Yunnan begann in diesem Sommer eine neue Zeit. Es kamen Fachleute von der Kreisverwaltung, der Provinzregierung, sogar Besucher aus Deutschland über den gewundenen Waldweg in das Dorf auf 3170 Meter Höhe. Zwischen den ärmlichen Bauernhäusern aus dunklem Holz bauten sie ein steinernes Häuschen mit strahlendem weißen Verputz. Von dort ziehen sich Elektrokabel in jeden der zwanzig Bauernhöfe. Endlich gibt es Strom in Shangnanyao, endlich wird das Leben für die zwanzig Familien in dem abgelegenen Bergdorf ein wenig einfacher.

In Shangnanyao leben Familien der Yi-Nationalität, einer der vielen ethnischen Minderheiten in Chinas Südwesten. Die Yi haben ihre eigene Sprache und Schrift, die Dorfbewohner verstehen kein Hochchinesisch. Frauen und Mädchen tragen noch die traditionelle Tracht ihrer Nationalität, lange bunte Röcke und bestickte Jacken. Die älteren Frauen tragen ein hohes Gestell auf dem Kopf, das mit einem Samttuch bedeckt ist und sich auch als Sitzgelegenheit verwenden läßt.

Ärmliche Ausstattung der Häuser

Sie wohnen, wie Generationen ihrer Vorfahren, in Häusern, die aus Holz und Lehm gebaut sind, umgeben von gestapeltem Unterholz, das als Brennmaterial verwendet wird. Die Ausstattung ihrer Häuser ist ärmlich. Drinnen riecht es rauchig von den offenen Feuerstellen, die Wärme spenden und als Kochstellen dienen. Die Yi-Familien leben vom Anbau von Kartoffeln und Weizen. Ein paar Schweine und Hühner laufen herum, aber es reicht nur zur Selbstversorgung.

Die Kinder müssen bis zur nächsten Schule im Dorf am Fuß des Berges drei Stunden durch den Wald laufen. 280 Yuan (etwa 28 Euro) kostet das Schulgeld im Jahr. Das ist fast ein ganzes Jahreseinkommen in diesem Dorf und kann nur durch den Verkauf des Hausschweins aufgebracht werden.

„Licht-Programm“ der Regierung

Hunderte von Bergdörfern in Yunnan, die zu weit vom Stromnetz entfernt liegen, werden zur Zeit mit Solarenergie-Anlagen ausgestattet. Die Elektrifizierung ist Teil des „Licht-Programms“ der chinesischen Regierung. Bis zum 1. Oktober 2009, dem 55. Gründungstag der Volksrepublik China, sollen alle Dörfer mit Strom versorgt sein. Bis zum Jahr 2002 war der erste Teil des Programms, „Strom in die Kreise“, abgeschlossen. Jetzt verfolgt man das Programm „Strom in die Dörfer“ und nutzt dabei Solar- oder Windenergie. Besonders in den unterentwickelten westlichen Provinzen Chinas sollen erneuerbare Energien genutzt werden.

Zur Freude der Umweltschützer in den Industrieländern hat sich die Volksrepublik China verpflichtet, in Zukunft mehr auf erneuerbare Energien zu setzen. Bislang kommt Chinas Strom zu 82 Prozent aus der Kohle und zu 16,5 Prozent aus der Wasserkraft. Zu Beginn dieses Jahres hat die chinesische Regierung angekündigt, sie wolle bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind-, Solar- und kleinen Wasserkraftanlagen gewinnen.

Vorwurf: Immer mehr Treibhausgase

Deutschland, das auf diesem Sektor führend in der Welt ist, sieht hier gute Chancen der Zusammenarbeit. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei seinem China-Besuch Anfang Dezember die Förderung der erneuerbaren Energie ausdrücklich als zukunftsträchtiges Projekt der Zusammenarbeit mit China hervorgehoben. Umweltschützer beklagen aber auch, daß China durch sein rasantes Wirtschaftswachstum immer mehr Treibhausgase verursacht und schon jetzt auf Platz zwei hinter den Vereinigten Staaten liegt.

Dies geht aus dem ersten Nationalen Bericht Pekings über Emissionen an Treibhausgasen hervor, der bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Buenos Aires vorgelegt wurde. Darin werden für die Volksrepublik für 1994 bei stark steigender Tendenz 2,67 Milliarden Tonnen Kohlendioxyd angegeben. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur in Paris stiegen die Emissionen Chinas bis 2002 wegen des rasanten Wirtschaftswachstums jedoch schon auf 4,08 Milliarden Tonnen. Das entspricht 3,2 Tonnen je Einwohner. Als wichtigste Quelle der Emissionen nennt der Bericht die Verfeuerung fossiler Brennstoffe, vor allem Kohle, den Bergbau sowie die Energieerzeugung. Fachleute bezeichnen es daher als vordringlich, daß China noch mehr auf umweltfreundliche Techniken setze.

Scheitern an der chinesischen Realität

Dabei steht Peking schon heute nicht allein: Zur Zeit werden mit deutschen Entwicklungshilfegeldern Wind- und Solarenergieanlagen aus dem Dorf-Elektrifizierungsprogramm in den Provinzen Qinghai, Gansu und Tibet gefördert. In Yunnan sind die Deutschen an der umweltfreundlichen Elektrifizierung in siebzehn abgelegenen Dörfern beteiligt. Dorfanlagen wie die in Shangnanyao haben nur eine kleine Kapazität. Im Normalfall reicht der Strom aus einer solchen Solaranlage für zwei Lampen und einen Fernseher oder ein anderes kleines Gerät in einem Haushalt, sagt Frank Haugwitz, der das Erneuerbare-Energie-Programm der deutschen Entwicklungsgesellschaft GTZ in China betreut. Die GTZ bildet Betreiber und Trainer aus, damit die Dorfbewohner ihre Anlagen ohne Hilfe warten können.

Einige der in Deutschland von Entwicklungshelfern wohlausgedachten Pläne scheitern aber auch an der chinesischen Realität. So hat die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Mitfinanzierer der Vorhaben, den Preis für den Solarstrom eigentlich auf zwei Yuan pro Kilowattstunde festgelegt. Das ist mehr als das Vierfache dessen, was der städtische Stromnutzer für Strom aus dem Festnetz zahlt.

Erzieherischer Gedanke der Deutschen

In Shangnanyao und anderen Dörfern scheinen die Bauern aber trotzdem den normalen Strompreis von 0,5 Yuan zu bezahlen. Offensichtlich glauben die chinesischen Behörden nicht an eine Preisdifferenzierung. Auch die von der KfW festgesetzte einmalige Gebühr von 400 Yuan (etwa 40 Euro) pro Haushalt für die Installation der elektrischen Leitungen und des Stromzählers läßt sich anscheinend nur schwer durchsetzen. Erzieherischer Gedanke der deutschen Entwicklungshelfer war, daß die Bauern durch die Bezahlung ein Gefühl der Verantwortung für die Anlage entwickeln sollten.

Doch Chinas Bauern, die sich lange daran gewöhnt haben, daß letztlich der Staat alles besitzt und über alles entscheidet, zeigen sich gegenüber solchen Erziehungsprogrammen resistent. Für die Bauern ist das Geld ein Vermögen. Viele wollen oder können nicht bezahlen. Ein örtlicher Beamter sagt, da müsse noch eine bessere Lösung gefunden werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2004, Nr. 295 / Seite 7
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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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