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Riesige Gletscherzunge abgebrochen Da hat es Knacks gemacht

26.02.2010 ·  In der Antarktis ist ein riesiger Eisberg von der Größe Luxemburgs von einem Gletscher abgebrochen und treibt nach Norden in Richtung Australien. Er könnte die Ozeanzirkulation durcheinanderbringen und auch die Kaiserpinguine.

Von Ulf von Rauchhaupt
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Bis vor kurzem schob sich das Eis des Mertz-Gletscher über die Gestade des George V-Landes 100 Kilometer weit hinaus auf den antarktischen Ozean südlich Australiens. Seit zwei Wochen ist es nur noch ein 20 bis 30 Kilometer langer Stummel, wie australische Wissenschaftler am Mittwoch bekanntgaben. Der Großteil der Gletscherzunge treibt nun als ein flacher Eisberg von der Fläche Luxemburgs nach Nordwesten und könnte dort die Ozeanzirkulation durcheinanderbringen.

Das Abreißen der Eiszunge kam nicht unerwartet. In den neunziger Jahren hatte sich an ihrer Westseite ein Riss gebildet, der sich stetig verlängerte, seit 2002 erschien ein zweiter Riss auf der Ostseite. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden Risse getroffen und die Zunge vom Mertz-Gletscher abgetrennt hätten. Australische und französische Forscher riefen daher 2007 eine Projekt mit dem sinnigen Akronym „Cracice“ ins Leben (für „Cooperative Research into Antarctic Calving and Iceberg Evolution“), um das Ereignis genauer zu verfolgen. Denn die Ablösung eines solch riesigen Eisfläche kommt in der Antarktis nur alle paar Jahrzehnte einmal vor.

So brach 1987 etwa ein gut doppelt so großes Stück vom Ross-Schelfeis ab und trieb als Eisberg mit der Bezeichnung „B9“ im Meer bis er zerbrach. Ein 97 Kilometer großes Fragment von B9, der Eisberg B-9B, lief fünf Jahre später 100 Kilometer östlich des Mertz-Gletschers auf Grund, löste sich aber vor kurzem. Zwischen dem 10. und 13. Februar, so die Cracice-Wissenschaftler am Polarforschungszentrum in Hobart auf der australischen Insel Tasmanien, hat dieser B-9B nun die angeknackste Zunge des Mertz-Gletschers gerammt und abgebrochen.

Mehr als 700 Milliarden Tonnen Eis

Das abgebrochene Stück besteht aus mehr als 700 Milliarden Tonnen Eis. Sein weiteres Schicksal wird von den Polarforschern nun neugierig verfolgt werden. Denn zusammen mit B-9B treibt es auf die Adélie-Senke zu, ein Küstenbassin, wo starke Winde beständig neues Oberflächeneis entstehen lassen. Dadurch steigt dort der Salzgehalt und damit die Dichte des Meerwassers, welches daraufhin absinkt. Dieser Prozess ist ein wichtiger Antrieb der globalen Ozeanzirkulation und dürfte in der Adélie-Senke durch die Präsenz der nun freigesetzten riesigen Eismassen beeinflußt werden.

Zudem wird befürchtet, dass die Kaiserpinguin-Kolonien nahe der französischen Forschungsstation Dumant d'Urville beeinträchtigt werden könnten. Die Kolonie war durch den Film „Die Reise der Pinguine“ berühmt geworden.

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Jahrgang 1964, verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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