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Protestbewegung : Bürger gegen Naturparks und Reservate

In der Dorfgemeinschaft Veldrom-Kempen-Feldrom im Kreis Lippe regt sich Widerstand gegen den Nationalpark Teutoburger Wald. Bild: dapd

Meist sind es Bauvorhaben wie Landebahnen oder Stuttgart 21, die die Deutschen auf die Straße treiben. An diesem Wochenende aber sammeln sich im Teutoburger Wald Bürger, deren Wut sich gegen etwas anderes richtet: Naturschutzprojekte.

          Meist animiert der Neubau von Schweineställen oder Bundesstraßen die zunehmend geruchs- und lärmempfindlichen deutschen Bürger zum Protest. An diesem Wochenende aber sammelt sich im Teutoburger Wald eine Protestbewegung, die sich gegen in ihren Augen überdimensionierte Naturschutzprojekte richtet. Die Naturschutzverbände und Ökopolitiker seien oft „nicht ehrlich“, begründet Ralph Gerdes das Vorhaben.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Er will die Protestierer aus ganz Deutschland an diesem Samstag in Schlangen nahe Detmold empfangen. Für die Errichtung von Naturparks (wie derzeit auch ebendort, im Teutoburger Wald) werde mit Argumenten geworben, die nicht zutreffend seien - zum Beispiel mit steigenden Touristenzahlen. Tatsächlich seien diese meist sogar zurückgegangen, sagt der FDP-Kommunalpolitiker, weil dort Auflagen den Zugang zur Natur erschweren.

          Die Flächen von Nationalparks wurden stark ausgeweitet

          In den vergangenen 20 Jahren wurden die Naturschutzflächen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt stark ausgeweitet. Die Flächen der Nationalparks nahmen um 48 Prozent zu, die der Naturschutzgebiete um 174 Prozent, die der Biosphärenreservate wurden fast verdreifacht. Vogel- und Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiete sind auf vier Millionen Hektar gewachsen. Die meist involvierten Naturschutzverbände wie Nabu oder Bund verfügen oft über jährlich dreistellige Millionenbudgets und sind damit selbst lukrative Unternehmungen geworden.

          Die Kosten für Naturschutzprojekte würden den Steuerzahlern in der Regel nicht offen mitgeteilt, sagt Ralph Gerdes. Diese betrügen im Falle des Teutoburger Walds mehr als 200 Millionen Euro für die Umwandlung land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen. „Es wird immer allgemein gesagt, Naturschutz sei etwas Gutes, es wird aber nicht klar begründet, warum konkret“, sagt Gerdes. So heiße es, Naturparks müssten wegen des Verlustes an Artenvielfalt ausgeweitet werden. „Aber im Teutoburger Wald retten wir nicht den Artenverlust in Brasilien.“

          Die „Funktionärsriege“ der „Naturschutzverbände wie Bund und Nabu“ habe sich auch für den nun geplanten Nationalpark schon mit „Posten in der Nationalpark-Koordinierungsstelle versorgt“. Die Bürgerbewegung fürchtet, dass die Holzwirtschaft zurückgedrängt oder die Begehbarkeit des Waldes eingeschränkt wird. Acht Bürgerbewegungen, die solche Erfahrungen schon gemacht haben, im Bayerischen Wald, in Brandenburg oder Mecklenburg, kommen nun zusammen. Am Schaalsee zum Beispiel kämpft eine Bürgerinitiative seit Jahren gegen die Naturschutzbehörde, deren Amtsführung sie als autoritär und gängelnd beschreibt.

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