Die Panda-Bären brüllten vor Angst, als vor einem Jahr ein Erdbeben der Stärke 8,0 die Provinz Sichuan im Südwesten Chinas erschütterte. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer von dem wichtigen Panda-Reservat Wolong entfernt.
Bis heute ist nicht klar, wie viele der etwa 140 Pandas, die dort in der Wildnis überlebt hatten, bei dem Erdbeben umgekommen sind - und wie viele mit dem Schrecken davonkamen. Aber auch die unverletzten Tiere sind wohl nicht außer Gefahr: Das Erdbeben hat einen Teil ihrer Hauptnahrung zerstört. Gewaltige Flächen der in den Bergen und Wäldern Sichuans wachsenden Bambuspflanzen wurden von Erdrutschen weggefegt oder unter Geröll begraben.
Erhebliche Teile des Reservats zerstört
Zum Jahrestag des Erdbebens an diesem Dienstag überwiegt naturgemäß die Trauer um die mehr als 80.000 Todesopfer und das Mitgefühl mit den Angehörigen. Die Regierung versprach in einem am Montag veröffentlichten Weißbuch einen besseren Katastrophenschutz. In den Berichten zum Jahrestag wird aber auch wieder danach gefragt, welche Auswirkungen die Zerstörung auf das vom Aussterben bedrohte Nationaltier Chinas hat. In der Erdbebenprovinz leben die meisten der etwa 1600 Pandas, die überhaupt noch in freier Wildbahn zu finden sind. Kleinere Populationen gibt es noch in den Provinzen Gansu und Shaanxi.
In Chinas Kinos läuft seit dem Wochenende eine Disney-Produktion, in der als putziger Hauptdarsteller das Panda-Baby Pang Pang über die Leinwand tapst. Pang Pang wurde von seiner Mutter getrennt und freundet sich in dem Film mit einem armen Bauernjungen an, der ebenfalls seine Eltern verloren hat. Die Filmarbeiten in Wolong waren vor einem Jahr durch das Erdbeben unterbrochen worden. Der Drehort lag nur etwa zehn Kilometer vom Epizentrum entfernt. Vier Tage lang war das Filmteam in den Bergen gefangen. Ein zehn Jahre altes Weibchen, das als Mutter des Panda-Jungen aufgetreten war, wurde tödlich verletzt. Ein erheblicher Teil des Reservats war bei dem Erdbeben zerstört worden, insgesamt sollen 6000 Hektar an Bewuchs verschüttet worden sein. Mehr als zwei Milliarden Yuan (215 Millionen Euro) sollen nun investiert werden, um das Reservat in seinen alten Zustand zurückzuversetzen.
Ohne Bambus weniger Nachwuchs
Auch die mit 128 Tieren größte Panda-Zuchtstation der Welt, die auf dem Gebiet des Reservats lag, hat das Erdbeben nicht überstanden. Sie wird zehn Kilometer vom alten Standort entfernt vollständig neu errichtet. Mit den Arbeiten soll in diesem Mai begonnen werden. In der Station wurde nicht nur das Panda-Weibchen tödlich verletzt. Fünf Pfleger und Angestellte kamen ums Leben. Die Zucht- und Rettungsstation beherbergt normalerweise 60 Prozent der auf der ganzen Welt in Gefangenschaft lebenden Pandas. Die meisten Bären wurden vorübergehend an anderen Orten untergebracht. Im kommenden Jahr wollen die Panda-Schützer auch ein modernes Gesundheitszentrum in der nahe gelegenen Stadt Dujiangyan neu aufbauen.
Die Regionalregierung plant außerdem die Umsiedlung von Anwohnern aus dem Reservat, um neue Flächen zum Anbau von Bambus zu gewinnen. Denn nicht nur die überlebenden Tiere sind ihrer Nahrungsgrundlage beraubt. Die Bambusknappheit könnte sich auch auf den Nachwuchs auswirken. In diesem Jahr könnten in der Wildnis merklich weniger Pandas geboren werden. „Wilde Pandas müssen Energie ansammeln, bevor sie in der Zeit zwischen März und Juli in höhere Regionen wandern, um sich dort fortzupflanzen“, sagt der Reservatsleiter Zhang Hemin. „Aber ein großer Teil der Bambuspflanzen wurde beim Erdbeben verschüttet.“ Nach Ansicht von Fachleuten wird es mindestens fünf Jahre dauern, bis sich die Vegetation erholt hat.
