19.07.2007 · China erwägt, zur Reinhaltung der Luft zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking Fahrverbote zu erlassen. Im vergangenen November wurden die Auswirkungen eines solchen Verbots bereits getestet - mit überraschenden Ergebnissen.
Von Horst RademacherBei der stets unvollständigen Verbrennung von Kraftstoffen in Ottomotoren entstehen unweigerlich Stickoxide. In höheren Konzentrationen sind sie oft der Auslöser von Smog, vor allem in solchen Ballungsgebieten, die wie Los Angeles, Peking oder die chilenische Hauptstadt Santiago in einem Becken liegen.
Katalysatoren helfen zwar, einen Teil der Stickoxide abzubauen, bevor sie aus dem Auspuffrohr entweichen. Bei hohem Verkehrsaufkommen und ungünstigen Wetterlagen reichern sich diese Schadstoffe aber dennoch in der Luft an. Drastische Fahrverbote, so haben nun Messungen von Satelliten ergeben, können die Konzentration von Stickoxiden innerhalb weniger Stunden erheblich verringern.
Durchgreifende Fahrverbote
Für die Zeit der Olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr erwägt die Stadtverwaltung Pekings, zur Reinhaltung der Luft und zur Vermeidung von Staus durchgreifende Fahrverbote zu erlassen. Diese Maßnahme hat sie während des afrochinesischen Gipfeltreffens im vergangenen November zum ersten Mal erprobt. Drei Tage lang wurde dabei das Fahren von etwa 800.000 der 2,82 Millionen in Peking zugelassenen Kraftfahrzeuge untersagt.
Eine Gruppe von Forschern der Harvard-Universität und des niederländischen Wetterdienstes unter Leitung von Yuxuan Wang hat nun die aus den Fahrverboten resultierende Verbesserung der Luftqualität untersucht. Sie analysierte dazu die Messdaten eines von holländischen und finnischen Forschern entwickelten Ozonmessgerätes an Bord des Nasa-Satelliten „Aura“, mit dem auch die Konzentration an Stickoxiden in der Luft registriert werden kann. Aura umkreist die Erde auf einer polaren Bahn in siebenhundert Kilometer Höhe und überfliegt Peking dabei jeweils kurz nach Mitternacht sowie am frühen Nachmittag.
Überraschende Erfolge
Wie die Forschergruppe in den „Geophysical Research Letters“ schreibt, ging schon wenige Stunden nach Inkrafttreten des Fahrverbotes in Peking die Stickoxid-Konzentration um etwa 40 Prozent zurück. Dieser Rückgang hielt für die Dauer der Einschränkungen an und stieg anschließend wieder auf die für den Herbst in Peking üblichen Werte. Überraschend war, so Wang, dass der Rückgang so schnell erfolgte und derart stark war.
Nach den gängigen Modellrechnungen hatten die Atmosphärenforscher für die Reduzierung des Fahrzeugverkehrs um etwa ein Drittel einen Rückgang um lediglich zwanzig Prozent erwartet. Während der Olympischen Spiele im August kommenden Jahres wird sich zeigen, ob es sich bei den Messergebnissen um einen Einzelfall handelte oder ob die Modelle zum Einfluss des Verkehrs auf die Schadstoffkonzentration in der Luft korrigiert werden müssen.
Berlin?
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 20.06.2007, 18:54 Uhr