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Neue Tierseuche Schmallenberg-Virus gefährdet Lämmer und Kälber

01.02.2012 ·  Ein neuartiges Virus beschäftigt Forscher, Bauern und Behörden gleichermaßen: Erkrankte Tiere zeigen nur milde Symptome, aber die Nachzucht wird vom Erreger zugrunde gerichtet.

Von Henrike Rossbach, Berlin
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© dapd Vom Schmallenberg-Virus sind hauptsächlich Jungtiere betroffen.

Niemand weiß genau, woher es kommt und welche Schäden es noch anrichten wird: Das Schmallenberg-Virus, das Rinder, Schafe und Ziegen befällt und im Sommer entdeckt worden war, hält Bauern, Behörden und Forscher in Atem. Bislang sei der Erreger in Deutschland in 186 Betrieben entdeckt worden, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut am Mittwoch mit. Betroffen seien 172 Schafhalter, sieben Rinder- und sieben Ziegenhalter in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg und Thüringen. Auch aus den Niederlanden, aus Belgien, Großbritannien und Frankreich wurden Fälle gemeldet.

Erkrankte Tiere zeigen nur milde Symptome. Kühe etwa geben weniger Milch. Auch Fieber und Durchfall können auf eine Infektion hinweisen. Bei Schafen und Ziegen dagegen ist die Krankheit kaum zu bemerken. Das Tückische aber ist: Infiziert sich ein trächtiges Muttertier, kann das Lamm oder Kalb mit schweren Missbildungen auf die Welt kommen, als Früh- oder Totgeburt. Die Jungtiere haben steife, verrenkte Gelenke, Wasserköpfe oder schwere Hirnschäden und sind nicht lebensfähig.

Für Menschen ungefährlich

Bislang wurden vor allem missgebildete Schafe und Ziegen geboren - das liegt aber daran, dass die Tragezeit bei Rindern länger ist. Weil die Infektionen im Sommer und Herbst begannen, rechnen die Fachleute damit, dass im Frühjahr auch zahlreiche Kälber mit Fehlbildungen geboren werden. Für den Menschen ist das Virus nach bisherigen Erkenntnissen ungefährlich.

Erste Tests auf Antikörper in den Tierbeständen zeigen, dass die Krankheit regional schon weit verbreitet ist. An einem Massentest werde noch gearbeitet, sagte Thomas Mettenleiter, der Präsident des Loeffler-Instituts, am Mittwoch in Berlin. Vorbeugen können Landwirte kaum. Das Virus wird durch Insekten übertragen - im Frühling werden die Bauern ihre Tiere kaum vor Stechmücken schützen können, und einen Impfstoff wird es noch länger nicht geben.

Verlust der Nachzucht

Zwar gibt es keine Restriktionen, was den Verkauf von genesenen Muttertieren oder deren Fleisch angeht. Der Verlust der Nachzucht verursache aber erhebliche Schäden bei den betreffenden Viehhaltern, sagte Karin Schwabenbauer, im Bundeslandwirtschaftsministerium für die Tiergesundheit zuständig. Die einzige gute Nachricht: Einmal erkrankte Tiere werden immun. Wie lange dieser Schutz aber anhält, ist unbekannt.

Entschlüsselt wurde das Virus - das nach dem Ort im Sauerland benannt ist, wo der erste Nachweis gelang - im November. Am ehesten verwandt ist es mit einem Erreger, der in Afrika, Asien und Australien vorkommt. Das Landwirtschaftsministerium will eine Meldepflicht für das neue Virus einführen. Darüber entscheidet der Bundesrat im März.

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