Home
http://www.faz.net/-guq-74tkn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Nestbau Zigarettenstummel schützen vor Parasiten

Vögel arbeiten alte, abgerauchte Zigaretten in ihre Nester ein - und schützen sie so vor Parasiten. Das hat eine Studie an der mexikanischen Nationaluniversität Unam ergeben.

© dpa Vergrößern Nikotin gegen Schädlinge: Hausgimpel verbauen Zigarettenstummel in ihren Nestern

Zigarettenstummel in Vogelnestern halten Parasiten fern. Das zeigt eine Untersuchung mexikanischer Forscher, die in der britischen Zeitschrift „Biology Letters“ erschienen ist. Das Team um Isabel López-Rull von der Nationaluniversität Unam in Mexiko-Stadt nahm in der Studie Nester von Haussperlingen und Hausgimpeln unter die Lupe. Beide Arten sind in Städten verbreitet.

In fast allen Nestern fanden die Wissenschaftler Zellulose von Zigarettenstummeln. Je größer das Gewicht der eingebauten Zellulose war, desto weniger Schädlinge fanden sie in den Nestern. Die Forscher vermuten, dass das Nikotin, das die Vögel über die eingebauten Stummel in ihre Nester bringen, viele Parasiten abschreckt.

Mehr als 50 Nester untersucht

López-Rull hatte in der Brutsaison des Jahres 2011 mehr als 50 Nester von Haussperlingen (Passer domesticus) und Hausgimpeln (Carpodacus mexicanus) auf dem Universitätsgelände untersucht. Dabei fand sie heraus, dass diese umso weniger Außenparasiten, also etwa Federlinge und Milben, enthielten, je mehr die Vögel alte, aufgerauchte Zigaretten im Nest verbaut hatten.

Während der zweiten Brut des Jahres bauten die Forscher kleine klebrige Wärmefallen in die Nester, die elektrisch auf 37 Grad geheizt wurden und so Parasiten anlocken und fangen sollten. Jeweils eine dieser Fallen in jedem Nest wurde mit dem Stummel einer gerauchten Zigarette kombiniert, die andere mit dem Filterteil einer ungerauchten Zigarette. Dabei zeigte sich, dass an den Fallen mit gerauchten Zigarettenteilen im Schnitt nur höchstens die Hälfte an Parasiten klebten - unabhängig vom Brutstadium des Nestes.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kellerskopf in Wiesbaden Weltmeister der Zersetzung

Rund 1000 Pilzarten wachsen auf dem Kellerskopf im Norden Wiesbadens. Dort übernehmen sie eine fundamentale Aufgabe: Sie bewahren den Wald vor dem Absterben. Mehr Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden

26.09.2014, 20:25 Uhr | Rhein-Main
Zigarettenkippen als Energiespeicher

Südkoreanische Forscher haben eine Methode entwickelt, aus den nikotinverfärbten Stummeln Kohlefasern für Superkondensatoren herzustellen. Mehr

08.09.2014, 12:50 Uhr | Wissen
Tierethik Schreien Fische stumm?

Tiere soll man nicht quälen. Weil auch sie den Schmerz spüren. Aber wo fängt das an? Über die Rechte von Tieren wird seit Jahren immer heftiger gestritten. Dabei wissen wir nicht einmal, was Schmerzen wirklich sind. Mehr Von Jörg Albrecht

20.09.2014, 08:00 Uhr | Wissen
Skulpturen in 3D

Forscher digitalisieren gerade die Skulpturensammlung im Liebighaus. Die dreidimensionalen Bilder sollen die Forschung erleichtern. Wertvolle Skulpturen müssten nicht mehr um die Welt geschickt werden. Mehr

26.07.2014, 07:00 Uhr | Wissen
Rotmilan Im Schwebeflug zwischen Wald und Flur

Der Rotmilan hat in Europa seine Heimat. Doch sich wandelnde Kulturlandschaften bedrohen den Bestand. In Deutschland hat man die Gefahren erkannt und erste Maßnahmen ergriffen. Mehr Von Diemut Klärner

28.09.2014, 00:49 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.12.2012, 17:54 Uhr