20.08.2004 · Afrika hat die schlimmste Heuschreckenplage seit 15 Jahren noch nicht überwunden. Jetzt sind Millionen der gefräßigen Tiere über die Felder im Norden Nigerias hergefallen.
Die in Westafrika wütende Heuschreckenplage hat nun auch im dicht besiedelten Norden Nigerias einen großen Teil der Ernte vernichtet.
„Der Schaden ist enorm, viele Farmen sind komplett leer gefressen“, sagte ein Regierungssprecher des Bundesstaates Zamfara der nigerianischen Zeitung „The Guardian“. Im benachbarten Bundesstaat Kano seien die gefräßigen Tiere bereits vor einer Woche eingefallen. Die nigerianische Regierung hat nach eigenen Angaben bereits Flugzeuge angemietet, um Insektenmittel aus der Luft zu versprühen. Dies sei jedoch erst sinnvoll, wenn auch die Nachbarstaaten mitzögen.
Maurentanien besonders betroffen
Die schlimmste Heuschreckenplage seit 15 Jahren hat sich von Nordafrika mittlerweile über einen großen Teil der Sahelzone ausgebreitet. Am schlimmsten ist Mauretanien betroffen. Dort sollen bereits bis zu 80 Prozent der Ernte zerstört sein. Etwa eine Million Menschen wird nach Schätzungen der Regierung Lebensmittelhilfe brauchen. Das kleine Land Gambia hat mittlerweile den nationalen Notstand ausgerufen, der senegalesische Präsident mußte wegen der Heuschreckenkrise seinen Sommerurlaub abbrechen. Auch Mali, Niger und Nigeria melden den Einfall der Schädlinge. Experten rechnen damit, daß die Tiere weiter nach Westen ziehen und bald auch die sudanesische Krisenregion Darfur erreichen, wo zahlreiche Flüchtlinge ohnehin schon an Hunger leiden.
Die FAO, die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen, hat die Geberländer um 100 Millionen Dollar gebeten, um die Plage zu bekämpfen. Das ist nicht einfach. Besonders wirksam ist das Versprühen entsprechender Chemikalien aus der Luft. Die meisten afrikanischen Staaten können sich die Bekämpfung mit Flugzeugen nicht leisten. Sie setzen stattdessen auf das Umpflügen der Felder, um die im Boden vergrabenen Eier zu zerstören. Manche verzweifelten Bauern zünden Feuer an oder machen Lärm mit selbst gebastelten Instrumenten aus Dosen und Steinen, um die Schwärme am Niederlassen zu hindern.