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Mähnenrobben in Chile Enger die Robben nie liegen

In diesen Wochen herrscht viel Betrieb auf den Felsen am Reñihué-Fjord an der chilenischen Pazifikküste: Die Mähnenrobben erwarten Nachwuchs. Nicht überall haben sie es in Südamerika so gut wie hier.

© Carl-Albrecht von Treuenfels Vergrößern Gegen Ende des Jahres rücken die Mähnenrobben im Süden Chiles enger zusammen, weil Junge erwartet werden.

Es passt immer noch eine irgendwo dazwischen. Die Mähnenrobben im Reñihué-Fjord an der chilenischen Pazifikküste, 120 Kilometer südöstlich der Hafenstadt Puerto Montt, nehmen nicht viel Rücksicht aufeinander, wenn sie es sich auf den glatten Steinen des Ufers unterhalb der Waldkante bequem machen. Die wenigen guten Liegeplätze, auf denen sich die Ohrenrobben (auch als Südliche Seelöwen bekannt) nach der Fischjagd im Wasser ausruhen, sind immer dicht besetzt. Besonders in diesen Wochen, denn in Kürze werfen die bei trockenem Fell hellbraunen weiblichen Tiere ihr Junges - und kurz darauf sorgen die mit bis zu 300 Kilogramm doppelt so schweren dunkleren Bullen dafür, dass die Robbenmütter knapp ein Jahr später wieder Nachwuchs in die Welt setzen.

Bei der Geburt wiegt das Robbenkind elf bis 14 Kilogramm, nimmt aber dank der fettreichen Muttermilch schnell zu. Zwischen sechs und zwölf Monaten bleibt es von der Mutter abhängig, frühestens nach vier Jahren wird es geschlechtsreif. Nicht überall an der südamerikanischen Atlantik- und Pazifikküste, wo sie von der Südspitze des Kontinents auf der westlichen Seite nordwärts bis nach Peru und auf der östlichen Seite bis nach Uruguay verbreitet sind, haben sie es so gut wie im Reñihué-Fjord. Der nämlich liegt im Pumalin-Park, dem mit mehr als 300 000 Hektar größten privaten Naturschutzgebiet Lateinamerikas.

Die Fischzüchter sind keine Freunde der Seelöwen

Der Amerikaner Douglas Tompkins hat ihn mit seiner „Fundación Pumalin“ 1994 mit dem Ziel gegründet, ihn eines Tages einem größeren staatlichen Nationalpark anzugliedern. Als wichtige Schutzmaßnahme für die Meerestiere, die an der Küste des Parks leben, hat Tompkins eine Konzession zur Errichtung einer Lachsfarm erworben und so dafür gesorgt, dass im Fjord keine Lachszucht erfolgt.

Die kommerziellen Fischzüchter sind keine Freunde der Seelöwen, die vornehmlich von Tintenfischen und Fischen (gelegentlich auch von Pinguinen und den Jungen anderer Robben) leben und daher zuweilen in die von Netzen geschützten Zuchtanlagen für Lachse eindringen und damit Schäden anrichten. Obwohl die Seelöwen unter Naturschutz stehen, werden sie von Lachsfarmern deshalb oft verfolgt und getötet.

Millionenfache Abschlachtung im vergangenen Jahrhundert

Unter den 14 Arten der Familie der Ohrenrobben (darunter sind neben neun Seebärenarten fünf Seelöwenarten) tragen nur die Mähnenrobben ihren speziellen Namen. Sie verdanken ihn dem massig wirkenden haarigen Hals und Nacken der männlichen Tiere, die, wenn ihr Fell getrocknet ist, besonders eindrucksvoll aussehen.

Noch größer als die Südlichen Seelöwen sind die an der nordamerikanischen und sibirischen Pazifikküste lebenden Stellerschen Seelöwen. Ihre Bullen werden über drei Meter lang und können mehr als 1000 Kilogramm wiegen. Die Kalifornischen Seelöwen, bevorzugt in Tiergärten und auch in Zirkussen gehalten, rangieren größenmäßig mit den Galápagos-, den Australischen und den Neuseeland-Seelöwen im Mittelfeld.

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Im vergangenen Jahrhundert wurden Seelöwen wie auch die Seebären zu Millionen abgeschlachtet: als vermeintliche Konkurrenten zur Fischerei und zur Gewinnung von Tran und Fellen. Heute sind die meisten Populationen geschützt, und die Bestände haben sich wieder erholt. Doch die zunehmende Verschmutzung und Verkehrserschließung der Küstengewässer sowie die Aquakulturen schränken den Lebensraum immer mehr ein.

Im Reñihué-Fjord gehts lebhafter zu, als im Wattenmeer

Anders als Seehunde oder See-Elefanten sind die Ohrenrobben (so genannt wegen ihrer noch vorhandenen Ohrmuscheln) an Land recht beweglich. Im Gegensatz zu den Hundsrobben sind ihre hinteren mit Schwimmhäuten versehenen Gliedmaßen voll ausgebildet, so dass sie sich vom Boden erheben und recht schnell in einer Art Watschelgang vorwärtsbewegen können. Daher geht es an den Liegeplätzen der Seelöwen wie am chilenischen Reñihué-Fjord auch immer lebhafter zu als auf den Seehundbänken im Wattenmeer der Nordsee.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 16.12.2012, 17:20 Uhr