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Freitag, 17. Februar 2012
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London Fuchs, du hast die Stadt erobert

14.02.2007 ·  In London gibt es mittlerweile mehr als 10.000 Rotfüchse. Die meisten Bewohner stören sich nicht groß daran, sondern haben sogar Mitleid mit den struppigen Zuwanderern. Claudia Bröll berichtet aus der britischen Hauptstadt.

Von Claudia Bröll, London
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In London sind die Füchse überall. Sie bevölkerten schon den Garten von Downing Street Nummer 10, dem Amtssitz des Premierministers, als bei den Nachbarn in Nummer 11 gebaut wurde. In den ehrwürdigen Houses of Parliament sollen die Abgeordneten einmal auf einen Fuchs getroffen sein, der auf einem Aktenschrank ein Nickerchen hielt. Selbst der britischen Königin, die Anhängerin des Landlebens und der Tiere ist, statteten die Füchse einen Besuch ab: Einige der wertvollen rosaroten Flamingos Ihrer Majestät fielen ihnen zum Opfer.

In den meisten Großstädten der Welt kennen Kinder Füchse nur aus dem Bilderbuch. In London kennen sie „Vulpes vulpes“ auch aus dem wirklichen Leben. In der britischen Hauptstadt leben mehr als 10.000 Rotfüchse, so viele wie in kaum einer anderen Metropole der Welt. Sie treiben sich in Gärten herum, ernähren sich aus Mülleimern und erschrecken neu in die Stadt gezogene Bewohner mit ihren martialischen Brunftschreien.

Unterwegs mit Gewehr und Nachtsichtglas

Die Füchse kamen in den dreißiger Jahren nach London, als sich die Stadt in die ländlichen Gebiete ausdehnte. Wegen des Mangels an natürlichen Feinden und wegen der vielen Essensabfälle in der Stadt nimmt ihre Zahl seitdem so zu, dass von einer Plage die Rede ist. Schädlingsbekämpfer mit einer Spezialisierung auf Füchse können sich über Aufträge nicht beklagen. Ihre Methoden allerdings sind umstritten. Bruce Lindsay-Smith, Fuchsjäger aus Surrey, jagt seit mehr als 25 Jahren Füchse in der Stadt. Bei manchen Einsätzen erlege er ein ganzes Rudel, erzählt er. Ein paar Mal hat er sich vor den Kadavern für Zeitungen ablichten lassen. „Das ist ein Job wie jeder andere auch“, beteuert er. Seine Auftraggeber sehen das anders. Sie wollen lieber ungenannt bleiben.

Mit Gewehr und Nachtsichtglas legt sich Lindsay-Smith nachts auf die Lauer. Meist dauert es nicht lang, bis er den Fuchs ins Visier nimmt. „Normalerweise brauche ich nur einen Schuss. Der Fuchs ist schon tot, bevor er zu Boden fällt.“ Eine andere Methode bestehe darin, das Tier in einen Käfig mit Hasen- oder Hühnerteilchen zu locken und aus nächster Nähe in den Kopf zu schießen. Lindsay-Smith betreibt kein illegales Geschäft. Seit 2004 gibt es in Großbritannien ein Verbot der Fuchsjagd - das bezieht sich jedoch nur auf die Hetzjagd mit Hunden. Auch die Füchse zu vergiften ist untersagt. Wer einen Waffenschein besitzt, darf nach wie vor auf die Jagd gehen.

„Wichtiger Teil der britischen Tierwelt“

Tierschützer verdammen diese Praktiken. „Einen Fuchs zu erschießen löst das Problem nicht. Ein paar Wochen später ist ein neuer Fuchs da“, sagt John Bryant von Animal Welfare. Er vertreibt Füchse auf sanfte Art, errichtet etwa Gatter, die nur den Weg aus dem Grundstück erlauben, aber nicht zurück. Oder er nutzt Wasserpistolen. Das Wichtigste sei, herauszufinden, warum sich Füchse in einem Garten so wohl fühlten. Der Grund könnten überfüllte Mülleimer, überwucherte Gärten oder dunkle Unterschlüpfe sein.

Aus Sicht von Tierschützern sind die Füchse selten eine Gefahr für den Menschen. Laut einer Studie töten Füchse weniger als eine von hundert Katzen im Jahr, meist junge Kätzchen. In den vergangenen fünf Jahren passierte es im ganzen Land zweimal, dass ein Fuchs schlafende Kinder im Haus biss. Viele Londoner haben sich mit den ungebetenen Mitbewohnern arrangiert. In einer Umfrage der BBC nannten 82 Prozent die Füchse einen „wichtigen Teil der britischen Tierwelt“. Ulrike Hotopp aus Hackney entdeckt immer wieder bis zu einem halben Meter tiefe Löcher in ihrem Garten.

Die Gartenkräuter seien wegen der Fuchs-Ausscheidungen ungenießbar. Dennoch empfindet die Londonerin beim Anblick der Tiere eher Mitleid als Ärger. „Das Fell ist so dreckig, dass man die rote Farbe und das weiße Lätzchen gar nicht mehr erkennen kann. Man sieht ihnen an, dass sie nichts Vernünftiges zu fressen bekommen. Mit dem Reineke Fuchs aus dem Bilderbuch haben diese armen Geschöpfe nichts gemein.“

Quelle: F.A.Z., 14.02.2007, Nr. 38 / Seite 9
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