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Knut des Tages Kalinga - rein gewaschen vom Geruch der Menschen

18.06.2007 ·  Es war eine Tragödie. Nur die menschlichen Wildhüter konnten das Elefantenbaby aus dem tiefen Graben retten, in den es gestürzt war. Einmal in Kontakt mit Menschen geraten, werden die Tiere von der Herde verstoßen. Doch bei Kalinga kam es anders.

Von Dieter Hoß
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Man muss ein ziemlicher Dickkopf sein, um das Unmögliche zu wagen. Noch größer muss der Dickkopf sein, wenn man auf das Unmögliche praktisch keinen Einfluss hat. Der Leiter des Wildparks Chandka im Osten Indiens ist offenbar dickköpfig genug. Und er hat geschafft, was bisher noch niemand geschafft hat: Er hat einer Elefantenfamilie zu neuem Glück verholfen.

Es ist das vollkommen unverhoffte glückliche Ende einer tierischen Tragödie, die Ende Mai ihren Lauf nahm. Kalinga, das niedliche Elefantenbaby, war in einen Graben gerutscht und wusste sich nicht mehr zu helfen. Auch das Muttertier und der Rest der Elefantenherde war ratlos. Selbst die starken und vielseitig verwendbaren Rüssel nutzten wohl wenig, und so taten die Tiere, was sie in solchen Fällen tun: sie zogen weiter. Ob sie es schweren Herzens tun oder gleichgültig ihren Instinkten folgen, das wissen wohl nur die Elefanten allein.

Rein gewaschen und wieder angenommen

In vollkommen freier Wildbahn wäre Kalinga wohl verloren gewesen. Doch im Nationalpark kümmerten sich die Wildhüter um den kleinen Dickhäuter in Not. Doch dieser Kontakt zu den menschlichen Helfern besiegelte eigentlich auch das Schicksal Kalingas. Wilde Elefanten akzeptieren ihre Artgenossen nicht mehr, wenn sie einmal mit Menschen in Kontakt gekommen sind. Nach Angaben von Experten soll noch nie ein Jungtier wieder gnädig aufgenommen worden sein - da sind die Dickhäuter unerhört dickfellig. Kalinga stand also eine Zukunft in menschlich kontrollierten Großgehegen oder Zoos bevor.

Doch nun ist die Gewissheit die Dickhäuter-Kenner erschüttert. Denn das Wunder ist geschehen: Die Elefantenmutter hat ihr Junges nach kurzem Zögern wieder angenommen! Die Fachwelt steht kopf. Dabei hört sich der Trick, den der dickköpfige Wildpark-Leiter anwendete gar nicht so ungewöhnlich an: Er ließ Kalinga zu einer Wasserstelle bringen, wo sich die Herde des Muttertieres regelmäßig mit kühlem Nass versorgt. Es klappte nicht beim ersten Mal, doch nach drei Tagen war es soweit: Offenbar rein gewaschen vom Geruch der Menschen nahm die Herde das Jungtier wieder auf. Mutter und Junges sind sogar wieder so dicke miteinander, dass die Elefantin ihr Kind mit Muttermilch versorgt.

40 Tage lang waren Mutter und Kind getrennt gewesen - ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen. Glücklicherweise geriet Kalinga dennoch nicht in Vergessenheit. Das allerdings dürfte eher das kleinere Wunder gewesen sein, sitzt in den dicken Köpfen der Elefanten bekanntlich doch ein sehr gutes Gedächtnis.

Knut - es kann nicht nur einen geben! Auch andere Tiermütter haben knuddelige Babys. Ebenso verdient Menschliches abseits der großen Geschehnisse manchmal unsere Aufmerksamkeit. Nicht nur Ereignisse wie ein Besuch im Berliner Zoo können ans Herz gehen. FAZ.NET wird daher in loser Folge so lange den „Knut des Tages“ ausrufen, bis der kleine Eisbär erwachsen geworden ist. Dann - und nur dann - könnte er sogar selbst zum Knut des Tages werden.

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