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Klimawandel in Spanien : Schattenseiten des Sommers

  • -Aktualisiert am

Mit dem Gartenschlauch gegen das Feuer: ein Mann in Nordostspanien Bild: dpa

Vor allem in Spanien ist der Klimawandel längst eine meßbare Tatsache. Er bringt dort nicht nur frühen Wein und Orangen, sondern auch Dürre, Quallen und einen zunehmenden „Feuerterrorismus“ - ohne große Folgen für die Brandstifter.

          Das iberische Frühlingsbeispiel sind die Mandelbäume. Früher blühten sie Anfang März. Jetzt tun sie es wegen der gestiegenen Temperaturen zumeist schon Mitte Februar, Wochen bevor die Insekten, die sie bestäuben sollen, an Ort und Stelle sind. Das Herbstbeispiel ist die Weinernte. Sie begann etwa am „goldenen“ Fluß, dem spanischen Duero, der in Portugal Duoro heißt, früher in der Regel Mitte September. Jetzt werden die Trauben schon in der zweiten Augusthälfte eingebracht. Auch dieser verkürzte Reifeprozeß unter stärkerer Hitze hat seine spezifischen Auswirkungen. Es sei, so sagen die Winzer, schwieriger geworden, das ideale Gleichgewicht bei Zucker, Säure und Aroma zu erreichen, weil der Prozeß der Fotosynthese der Traube gestört werde.

          Daß der Klimawandel vor allem auf der Iberischen Halbinsel keine Erfindung ideologisierter Umweltschützer, sondern eine meßbare Tatsache sei, will die jüngste europäische Studie belegen, die vom britischen Ökologischen und Hydrographischen Zentrum in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München angefertigt wurde.

          Wein- und Olivenanbau auch in England möglich

          Ihre in der Zeitschrift „Global Change Biology“ veröffentlichten Ergebnisse haben in diesem neuen Hitzerekordjahr in Spanien und Portugal besonderes Aufsehen erregt, scheint sie doch alle Schattenseiten der Sommer zu illustrieren, die den Spaniern immer länger vorkommen: Dürre und Wassermangel, Hagel und Platzregen, Versteppung und verheerende Waldbrände, die Nesselquallenplage in dem erwärmten Badewasser an den Mittelmeerstränden und all die anderen zu beobachtenden subtileren neuen Ungleichgewichte im Kreislauf der Natur.

          Schrumpfende Wasserreserven in der Nähe von Madrid
          Schrumpfende Wasserreserven in der Nähe von Madrid : Bild: AFP

          Die Wissenschaftler untersuchten die Entwicklung in insgesamt siebzehn europäischen Ländern und vergaßen nicht, daß inzwischen sogar England regional für den Anbau von Wein und Oliven taugt. Am meisten berührt der Klimawandel nach dieser Darstellung aber die Iberische Halbinsel. Hier habe sich der Sommer im Lauf der vergangenen drei Jahrzehnte um durchschnittlich 23 Tage im Jahr verlängert. Der Frühling beginne nun zwei Wochen früher, der Herbst neun Tage später. Mit den höheren Temperaturen gehe eine Verringerung der Niederschläge einher. Das ist auch dieses Jahr wieder so, nach der „Jahrhundertdürre“ von 2005. Die spanischen Stauseen, die schon im Vorjahr mehr als die Hälfte ihres üblichen Volumens verloren, wurden durch die mageren Schnee- und Regenfälle im Winter nicht aufgefüllt.

          Umstellung auf „wasserintensive“ Früchte

          Kritisiert werden dabei von Fachleuten nicht nur die anhaltende Bauwut an den Küsten, die Wasserverschwendung durch Golfplätze, die gerade in spanischen „Wüstenregionen“ wie Pilze aus dem Boden schießen, und die immensen Verluste durch lecke Leitungen und illegale „private“ Brunnen. Einen besonders wichtigen Anteil an dem gestiegenen Verbrauch hat die Landwirtschaft, die, um EU-Subventionen zu nutzen, etwa in Andalusien und Murcia von Zitrusfrüchten und Oliven auf „wasserintensive“ Früchte wie Mais und Zuckerrüben umgestellt hat.

          Während im katalanischen Nordosten bei Tarragona Orangenplantagen entstehen, hat sich mit Hilfe der Geldspritzen aus Brüssel in den Gewächshäusern des spanischen Südostens einer der effizientesten Lieferanten des europäischen Obst- und Gemüsemarktes entwickelt. Nur das Element für die Bewässerung fehlt zunehmend, und eigennützig besorgte oder auch neidische Nachbarn wie die Regierung von Kastilien-La Mancha sträuben sich immer heftiger gegen die periodisch von der Zentralregierung angeordneten „Umleitungen“ aus dem Tajo- und Segurafluß in die Kanäle gen Süden.

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