02.02.2005 · Untersuchungen in der Schweiz entlasten die EU: Offenbar entstehen in den europäischen Ländern deutlich weniger ozonschädigende Emissionen als bisherige Messungen gezeigt haben.
Die europäischen Emissionen des Ozon abbauenden Trichlorethans sind laut neuen Forschungsergebnissen deutlich geringer als bisher angenommen. Sie werden auf 300 bis 3.400 Tonnen pro Jahr geschätzt. Eine kürzlich publizierte europäische Meßreihe hatte sie noch auf rund 20.000 Tonnen pro Jahr beziffert. Der Umwelttechniker Stefan Reimann von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und sein internationales Team publizierten ihre Forschungsergebnisse, die der europäischen Meßreihe klar widersprechen, im Wissenschaftsmagazin „Nature“.
Seit Mitte der neunziger Jahre haben die weltweiten Trichlorethan-Emissionen laut einer Schätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen von 700.000 auf weniger als 20.000 Tonnen pro Jahr abgenommen. Umso größer war deshalb die Überraschung, als europäische Messungen im Jahr 2000 allein für Europa die Emissionen auf 20.000 Tonnen pro Jahr schätzte, wie die Empa am Mittwoch mitteilte. Damit wäre das Montreal-Protokoll, das die Verwendung von Trichlorethan in Europa seit 1996 verbietet, in Frage gestellt worden.
EU-Meßreihe nur über wenige Tage
Trichlorethan wurde bis Anfang der neunziger Jahre in großen Mengen in der Industrie zur Reinigung von Metallteilen und als Lösemittel eingesetzt. Auf Grund ihrer Langlebigkeit gelangt die Substanz bis in die Stratosphäre und trägt dort zum Abbau der Ozonschicht über den Polgebieten bei.
Reimann hat nun mit seinem Team im Rahmen eines EU-Projekts die Meßreihen analysiert und ist zum Schluß gekommen, daß sich die Emissionen aus Europa lediglich noch auf 300 bis 3.400 Tonnen pro Jahr belaufen. Den großen Unterschied erklärt er mit den nur viertägigen Messungen der europäischen Meßreihe. Wahrscheinlich seien in Europa während dieser kurzen Periode außergewöhnliche Ereignisse aufgetreten, die die damaligen Messungen beeinträchtigt haben könnten.
Der Empa-Forscher stützt sich dagegen auf mehrjährige Meßreihen, die Schwankungen in den Trichlorethan-Konzentrationen auch langfristig berücksichtigen. Die von der Empa abgeschätzten Emissionen sind allerdings immer noch beträchtlich, da Trichlorethan seit 1996 verboten ist. Wissenschaftler diskutieren als mögliche Quellen den illegalen Gebrauch kleinerer Mengen aus gehorteten Lagern oder Emissionen aus Abfalldeponien.