01.02.2005 · Nach Erkenntnissen deutscher Meeresforscher sind in der Nordsee deutliche Belege für den Klimawandel zu finden: Wassertemperatur und Salzgehalt sind angestiegen, Fauna und Flora verändern sich.
Die Nordsee ist in den vergangenen 40 Jahren wärmer und salziger geworden. Das haben Langzeituntersuchungen des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven ergeben. Durch die Veränderungen habe sich auch die Tier- und Pflanzenwelt stark verändert, teilten die Wissenschaftler der Biologischen Anstalt Helgoland des AWI mit.
Die Anzeichen für den raschen ökologsichen Wandel seien eindeutig. Die Wassertemperatur sei um 1,1 Grad Celsius angestiegen, gleichzeitig habe sich der Salzgehalt leicht erhöht, besagen die Forschungsergebnisse. Daß sich bei Helgoland Meereis bildet, war bis in die vierziger Jahre hinein ein Phänomen, daß etwa alle zehn Jahre zu beobachten war. In den letzten 60 Jahren aber trat Meereis auf der Nordsee nur noch einmal, im Jahr 1963, auf.
Hummer und Kabeljau sind selten geworden
Nach den Erkenntnissen der Helgoländer Forscher sind einige heimische Tierarten wie Hummer und Kabeljau spürbar seltener geworden, einige Algenarten und die europäische Auster sind ganz aus dem Gebiet verschwunden. Andere Arten wie der Taschenkrebs haben ihre Bestände dagegen vergrößert. Generell lasse sich eine Trend erkennen, wonach ursprünglich in südlicheren Breiten heimische Arten aus den atlantischen Regionen häufiger in der Nordsee auftreten. Die höheren Temperaturen lassen dies inzwischen offenbar zu.
Ursache für die Veränderungen ist nach Angaben der Wissenschaftler der weltweite Klimawandel. Zudem seien verschiedene Tierarten vom Menschen eingeschleppt worden und hätten einige Lebensräume in Nordsee bereits deutlich verändert. Da sich auch Zeiten und die Stärke der Kieselalgenblüte deutlich verändert haben, glauben die Forscher des AWI, daß sich eine tiefgreifende Veränderung des Ökosystems Nordsee abzeichnet. Die Kieselalge ist deshalb so bedeutend, weil sie die Basis für die Nahrungsversorgung im Meer darstellt.
Einzigartige Langzeitdaten
Seit 1962 haben Wissenschaftler beinahe täglich das Wasser sowie die Tier- und Pflanzenwelt untersucht. Damit verfügt die Biologische Anstalt Helgolands über einen der weltweit wertvollsten marinen Langzeit-Datensätze. 1873 gab es bereits die ersten Messungen auf Helgoland, 1892 wurde die Biologische Anstalt gegründet, die seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut gehört.