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Jagdfieber Abschuß des Bären verstößt vorerst gegen Naturschutzgesetz

23.05.2006 ·  Galgenfrist für den Braunbären in Bayern: Bevor nicht eine schriftliche behördliche Genehmigung vorliegt, darf aus Naturschutzgründen niemand auf Bärenjagd gehen. Tierschützer kritisierten die Entscheidung für den Abschuß scharf.

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Bürokratische Hürden verhindern derzeit noch den Abschuß des Braunbären in Bayern. Die Jäger könnten nicht aktiv werden, solange keine schriftliche Ausnahmegenehmigung für die Tötung des Tieres vorliege, sagte der Leiter des zuständigen Forstbetriebs Oberammergau, Meinhard Süß, am Dienstag in Grainau. Möglicherweise ist das Tier aber ohnehin schon wieder nach Österreich geflohen. Doch auch dort droht ihm inzwischen der Abschuß.

Ohne die schriftliche Erklärung des zuständigen Ministeriums fehle „jede Grundlage“ für die Tötung des Bären, betonte Süß. „Würde jetzt ein Jäger schießen, dann verstieße er eindeutig gegen das Naturschutzgesetz.“ Stark gefährdete Tiere wie der Braunbär hätten einen besonderen Schutzstatus. Zudem sei der Abschuß nicht nur eine nationale Sache. Auch EU-Recht und das Washingtoner Artenschutzabkommen spielten eine Rolle.

„Seehofer muß Schnappauf bremsen

Am Montag hatte Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) den über Österreich eingewanderten wilden Bären zum Abschuß freigegeben. Auslöser war, daß der Bär seit dem vergangenen Wochenende schon elf Schafe sowie mehrere Hühner und Tauben getötet hatte.

Die Entscheidung, den Braunbären zu töten, hat der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, als „typisch deutsch“ kritisiert. „Wir machen uns weltweit lächerlich“, sagte er. Der Bär könne betäubt und müsse nicht getötet werden. Bayerns Umweltminister müsse seine Abschußanordnung sofort zurückziehen, sagte Weinzierl im niederbayerischen Wiesenfelden. Ansonsten müsse der für Tierschutz zuständige Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) seinen „wild gewordenen Landsmann bremsen“. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) unterstützte dagegen die Entscheidung, den Bären notfalls zu töten, da das Leben der Menschen Vorrang habe. Allerdings befürwortet auch Stoiber eher eine Betäubung des Tieres.

„Theater ist nicht angemessen“

Der Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Priesmeier, kritisierte das Vorgehen in Bayern. „Ich halte das Theater nicht für angemessen“, sagte er in einem Zeitungsinterview. Der Abschuß sei nur zu rechtfertigen, wenn von dem Tier eine unmittelbare Gefahr für Menschen ausginge, sagte Priesmeier.

Auch der Deutsche Tierschutzbund wandte sich strikt gegen einen Abschuß. „Ich halte den Vorgang für ungeheuerlich und empörend“, sagte die Vizepräsidentin des Verbandes, Brigitte Rusche. In Deutschland rege man sich über jeden Elefanten auf, der von armen Bauern in Afrika erschossen werde, um die Ernte zu schützen. „Aber selbst fällt uns nichts Besseres ein, als einen Bären sofort abzuschießen“, kritisierte die Biologin aus München.

Auch Österreich gibt Bär zum Abschuß frei

Derzeit sind zehn bis zwölf Jäger in Oberbayern auf der Suche nach dem Tier. Der Sprecher des Landratsamtes in Garmisch-Partenkirchen, Wolfgang Olexiuk, sagte in einem Fernsehinterview: „Der Bär ist seit gestern Nachmittag nicht mehr gesichtet worden. Heute sind Jäger unterwegs in dem Gebiet, wo er zuletzt aufgetreten ist, und suchen nach Spuren.“ Das Gebiet sei sehr groß und teilweise unwegig, an manchen Stellen gebe es sogar noch Schneefelder.

Unterdessen ist der Bär nun auch in Österreich, wohin der Bär inzwischen geflohen sein soll, zum Abschuß freigegeben worden. Der Bär sei offenbar gefährlich, sagte der zuständige Landrat Anton Steiner, am Dienstag dem ORF-Radio. Allerdings dürfe das Tier nur von einem autorisierten Jäger getötet werden. Der Wildbiologe der Vorarlberger Landesregierung, Hubert Schatz, zeigte am Dienstag Verständnis für die Entscheidung: „Ein Bär, der die menschliche Nähe überhaupt nicht mehr scheut, ist durchaus als Risikobär einzustufen.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von ddp, AP, Reuters, dpa
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