Europas größte Stadt, ist nicht als Fahrradparadies bekannt. Das will Bürgermeister Boris Johnson, begeisterter Radler, nun ändern und in den kommenden zehn Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau von Fahrradwegen stecken. In der „Mayor’s Vision for Cycling in London“ entwerfen die Stadtväter eine Metropole, in der das Fahrrad zum selbstverständlichen Fortbewegungsmittel geworden ist - auch für Geschäftsleute in Anzügen, für Einwanderer aus fahrradfernen Gesellschaften und für ältere Menschen. Die Pedale sollten nicht mehr allein den jungen Kämpfern in Allwetterjacken gehören, sondern allen Beweglichen unter den mehr als acht Millionen Londonern, sagte der Bürgermeister.
Zur Hauptschlagader des neuen Londoner Fahrrad-Organismus wird ein 24 Kilometer langer „Cycle Superhighway“, der - in weitem Abstand zu den Hauptstraßen - die westlichen Vororte mit der Innenstadt und dem östlich gelegenen Bankenviertel verbindet. Fahrradwege, die bestehenden Straßen abzuringen sind, werden parallel zu den einschlägigen Tube- und Buslinien ausgewiesen. Der Fahrradfahrer der Zukunft wird die Wahl zwischen schnellen Linien und entspannten „Quietways“ haben, die durch kleinere Straßen führen.
Initiativen begrüßen das Vorhaben
Teil der Bürgermeister-Vision ist auch der Ausbau des Leihräderangebots, das Johnson vor drei Jahren mit Hilfe eines Sponsors - einer Londoner Großbank - eingeführt hat. Schon heute stehen in der Stadt mehr als 8000 Fahrräder an etwa 600 „Docking Stations“ bereit. Auch wenn das komplizierte Kreditkartenbezahlsystem den Einstieg in die Welt der „Boris Bikes“ erschwert, sieht man vor allem im Sommer viele Londoner auf den robusten blauen Rädern. Johnson will die Zahl der Räder nun auf 11000 erhöhen und um eine batteriegetriebene Flotte ergänzen. Die jüngste Generation von „E-Mountain-Bikes“, die sogar Treppen steigen kann, will Johnson der Polizei zur Verfügung stellen. Weil immer mehr Kriminelle per Fahrrad flüchteten, wäre ihnen die Polizei mit dem neuen Gerät „einen Schritt voraus“.
Fahrradinitiativen zeigten sich erstaunt vom Ausmaß des Vorhabens. „Dieser Plan enthält alles, was wir seit Jahren fordern“, sagte der Fahrrad-Historiker Carlton Reid, der die Kampagnen-Seite „Bike Biz“ verantwortet. Obwohl sich Johnson seit Jahren für mehr Fahrräder in der Stadt einsetzt, erboste er Aktivisten, als er 2012 den typischen Londoner Radler als „rastahaarigen, lycra-verpackten Raser“ bezeichnete. Johnson behauptete sogar, die tödlichen Radunfälle - durchschnittlich 15 pro Jahr - seien zumeist auf Fehler der Radfahrer zurückzuführen. Später nahm er das zurück - er hatte die Statistik falsch gelesen.
Wo waren denn früher die Fahrradwege?
joachim tarasenko (truthful)
- 10.03.2013, 19:04 Uhr
Und die Senioren?
Joachim Arnold (arnie39)
- 10.03.2013, 15:09 Uhr
In Europas größter Stadt?
Andreas Koerner (follow22)
- 10.03.2013, 12:59 Uhr
radler- statt auto-zentrierte Stadtverkehrssystem - eine
revolutionäre Machtfrage
Rüdiger Kalupner (Ruediger_Kalupner)
- 09.03.2013, 17:49 Uhr
Wettbewerbsverzerrung
Gerhard Finsterbusch (bahlsen)
- 09.03.2013, 17:47 Uhr
