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Höchste Hängebrücke Europas Mit hundertzwanzig Schritten über den Abgrund

 ·  Am Freitag wurde Europas höchste Hängeseilbrücke in der Schweiz eröffnet. Auf 3000 Meter Höhe führt sie über eine 500 Meter tiefe Schlucht. Was zahlreiche Touristen fröhlich stimmt, erhält von Bergfans und Naturschützern kritische Stimmen.

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© REUTERS Vergrößern Innerhalb von fünf Monaten wurde die Brücke in 3000 Meter Höhe gebaut.

Die Spaßgesellschaft hat in den Schweizer Alpen ein neues Ziel. Auf mehr als 3000 Meter Höhe sollen künftig Touristen und andere Schaulustige aus Nah und Fern am Titlis über Europas höchste Hängeseilbrücke wandern. Am Freitag wurde sie eröffnet. Organisiert vom deutschen Botschafter Peter Gottwald, war auch das diplomatische Corps aus Bern dabei. Ein Pater des Klosters Engelberg bat um den Segen von oben. Erbaut wurde die neue Sehenswürdigkeit von ortsansässigen Spezialunternehmen in nur fünf Monaten. Die Baugenehmigung zu erhalten habe länger gedauert, sagen die Verantwortlichen.

Vom Südwandausgang an der Bergstation geht es nun auf schmalem Pfad 100 Meter bis zur Gletschersesselbahn Ice Flyer. Den Besuchern wird dabei der Nervenkitzel geboten, auf schwankendem Grund 500 Meter senkrecht in die Tiefe zu blicken. „Zum Überqueren brauchst Du Nerven so stark wie die Drahtseile, an denen sie hängt“, wirbt die Titlis-Homepage im Internet für das Brücken-Erlebnis an der Steilwand. Am Eröffnungstag trug ein Schneesturm das seine dazu bei, dass die 120 Schritte auf dem ein Meter breiten Weg nicht alltäglich waren. Beim Tanz der zum Festtag aufgehängten Luftballons war man gut beraten, sich von Zeit zu Zeit an den Geländern zu beiden Seiten der Brücke festzuhalten.

Für altgediente Bergfans ein Graus

Das Hochgebirge in der Zentralschweiz mit 3000 Besuchern am Tag ist schon lange nicht mehr nur ein Dorado für Skifans. Angebote wie „Gletscherpark“, „Gletschergrotte“ und „Snowtubing“, also das Schlittenfahren auf einem reifenartigen Untersatz, zeigen, wohin die Entwicklung am Berg geht. Jetzt kommt das umgerechnet gut eine Million Euro teure Bauwerk mit seinen Schwingungen hinzu, das an fünf Zentimeter dicken Tragseilen hängt und bei dem 30 Tonnen Stahl verbaut wurden.

Für altgediente Bergfans mag die Abenteuer-Brücke ein Graus sein, einige Umweltschützer sprechen von einem weiteren Beispiel für die zum Konsumgut degenerierte Bergwelt. Aber die Region um Luzern, Vierwaldstättersee und Titlis ist vor allem für Besucher aus Asien zu einem festen Programmpunkt ihrer Europareise geworden. Vielleicht tröstet auch ein Blick in die Geschichte. Vor 100 Jahren nahm in diesem Ski- und Wandergebiet die Bergseilbahn von Engelberg zur Gerschnialp ihren fahrplanmäßigen Betrieb auf. Für die Leute jener Zeit war das wohl ein ähnlich touristisches Spektakel wie die neue Hängebrücke hoch oben am Berg.

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