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Hitzewelle „Deutschland hat Fieber“

21.07.2006 ·  Die Deutschen schwitzen bei extremer Sommerhitze - und es soll in den nächsten Tagen noch heißer und schwüler werden. Damit könnten die Marken des Rekordsommers 2003 erreicht werden.

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Rekordtemperaturen, Ozon-Höchstwerte, Waldbrände und Hitzetote: In vielen europäischen Ländern wird die Hitzewelle zur Plage. Die Deutschen schwitzen bei extremer Sommerhitze - und es soll in den nächsten Tagen noch heißer und schwüler werden. „Deutschland hat Fieber“, sagte der Wetterexperte Jörg Kachelmann. „Der Sommer 2006 liefert sich im Augenblick ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Rekordsommer 2003.“

Die Meteorologen messen Rekordtemperaturen. Der bisherige Hitzerekord in diesem Jahr ist am Mittwoch mit 38,6 Grad Celsius in Nordrhein-Westfalen aufgestellt worden. Kalkar war mit dieser Rekordmarke die heißeste Stadt Deutschlands, wie der Wetterdienst Meteomedia und der Deutsche Wetterdienst übereinstimmend mitteilten. Auf Rang zwei lag nach Messungen von Meteomedia Marl - ebenfalls in Nordrhein-Westfalen - mit 38,1 Grad. Meteorologen sprachen in den vergangenen Tagen mancherorts bereits von einem Sahara-Sommer mit Tagestemperaturen jenseits der 30 Grad und kühlen Nächten.

Ozonbelastung zu hoch

Besonders im Westen war es aber eher schwül. In Köln, Aachen und Solingen wälzten sich nachts viele wegen tropischer Temperaturen schlaflos in den Betten. (Damit Sie besser schlafen, gibt FAZ.NET Tipps für heiße Nächte)

Die Hitzewelle dauert an

„Problematisch ist es, daß sich in Orten mit Tropennächten die Ozonkonzentration kaum abbaut“, sagt Kachelmann. Die Ozonbelastung erreichte in weiten Teilen Deutschlands ihre bisherige Jahreshöchststände. Im Saarland wurden schon 214 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft gemessen, in Freiburg waren es 221. Der Schwellenwert liegt bei 180 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Das aggressive Gas kann die Atemwege reizen und die Lunge schädigen. Vor Anstrengungen im Freien wurde gewarnt. „Schwindel, Schwächeanfälle und Sonnenstich“, hieß es bei vielen Hilfsorganisationen: „Wir haben derzeit mehr Einsätze wegen Kreislaufproblemen oder Hitzeerschöpfungen als bei kühleren Temperaturen“, sagte ein Sprecher vom Arbeiter-Samariter-Bund in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.

Kernkraftwerk gedrosselt

In vielen Bundesländern stieg mit der Hitzewelle auch der Wasserkonsum. Der Energiekonzern E.ON hat wegen der andauernden Hitzewelle die Stromerzeugung in seinem Kernkraftwerk an der Unterweser heruntergefahren. Das Wasser der Unterweser, mit dem das AKW gekühlt wird, sei zu warm geworden. Die Stromversorgung werde aber in keiner Weise beeinträchtigt, sagte ein E.ON-Sprecher.

Auch die Waldbrandgefahr ist fast überall in Deutschland unverändert hoch. Beste Stimmung herrscht allerdings bei Urlaubern in Wassernähe. An den Nordseestränden setzte ein Run auf Schatten spendende Strandkörbe ein. „Alle sind gut gelaunt, bei diesem Superwetter gibt es einfach keine Nörgler“, sagte eine Sprecherin aus Büsum. Mittelmeerflair herrschte sogar am Elbstrand von Hamburg: Der Fluß ist zurzeit 25,5 Grad warm, und immer mehr Menschen nutzen die Elbe als Badeparadies.

Große Teile Europas betroffen

Vielerorts in Europa aber stöhnen die Menschen unter der Hitze, über ein Dutzend Hitzetote wurden gemeldet. Allein in Frankreich sind bereits neun Menschen möglicherweise Opfer der andauernden Hitzewelle geworden. Das teilte Gesundheitsminister Xavier Bertrand mit. „Zum gegenwärtigen Stand könnten neun Todesfälle auf die Hundstage zurückgehen“, sagte der Minister. Im August 2003 waren in Frankreich knapp 15 000 Menschen als Folge einer dreiwöchigen Hitzewelle mit Temperaturen von 40 Grad gestorben. In Spanien und Kroatien kämpfen die Feuerwehren weiter gegen Waldbrände.

Vor allem die südspanische Region Cádiz kommt nicht zur Ruhe: Beim vierten Waldbrand in acht Tagen mußten die Behörden 1500 Wohnungen und ein Hotel mit 700 Gästen evakuieren. Im Südosten Englands wurde für Mittwoch ein Temperaturrekord erwartet. Der bislang heißeste Tag auf der britischen Insel war der 12. August 2003 mit 38,5 Grad. Für Mittwoch wurden 39 Grad vorhergesagt. Auf den Straßen schmilzt der Teer, vielerorts sind Streuwagen im Einsatz, damit Fußgänger und Fahrradfährer nicht „kleben“ bleiben.

Hitzewelle auch in den Vereinigten Staaten

Hohe Temperaturen herrschen aber nicht nur in Europa. Seit drei Tagen hat eine Hitzewelle auch die Vereinigten Staaten von der Ost- bis zur Westküste fest im Griff. In New York und Washington wurden Temperaturen von über 40 Grad gemessen.

In vielen Großstädten brachten die Behörden Duschköpfe an Hydranten an, damit sich die Menschen auf der Straße erfrischen können. Zahlreiche Todesfälle wurden mit der extremen Hitze im ganzen Land in Verbindung gebracht.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP
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