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Geruchssinn : Frauen riechen anders

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Für Frauen entscheidet der Duft über Zuneigung, Nähe und Bindung. Männer dagegen, so die traurige Erkenntnis der Wissenschaft, haben einen lückenhaften Geruchssinn. Aber es gibt auch Gegenbeispiele.

          Den anderen nicht riechen zu können, bedeutet im Volksmund, ihn nicht zu mögen. Auch der Umkehrschluss trifft zu, zumindest für Frauen. Das fand der Kasseler Psychologe Harald Euler heraus. Vermissten sie ihren Geliebten, riechen sie an seinem Pullover, seinem Kopfkissen oder seinem Pyjama, um sich über seine Abwesenheit hinwegzutrösten.

          Euler spricht vom "bisher weitgehend unbeachteten Phänomen des Geruchs-trosts". Er hatte 208 Kasseler Studentinnen und 71 Studenten, die in heterosexuellen Beziehungen leben, nach ihrer geruchlichen Neigung befragt. Vier von fünf Frauen gaben an, dass sie während der Abwesenheit des Partners an dessen getragener Kleidung riechen. Zwei Drittel der Frauen haben schon einmal im Pyjama oder im T-Shirt des Freundes oder Ehemannes geschlafen, wenn dieser fehlte.

          Keine Nasenmenschen

          Männer sind nicht solche Nasenmenschen. Für die Hälfte der Männer ist nach den Worten des Wissenschaftlers "das Riechen an der Kleidung ihrer Partnerin ein völlig unbekanntes Phänomen", und nur "weniger als 40 Prozent gehen schon einmal mit dem Frauen-Pyjama ins Bett". Frauen nehmen nach Eulers Studie die Witterung auf, um sich den Partner in Erinnerung zu rufen und um ihm in Gedanken nah zu sein. Männer schnupperten am Pulli der Partnerin, "weil das gut riecht". Sehr selten nur suchten Männer Trost im Geruch der Frau. Das trage sich meist dann zu, wenn die Männer einem manischen Lebensstil verfallen und unsicher seien, ob sie die geliebte Frau halten könnten.

          Das hat schon die Forschung erkannt und nutzt den besonderen Geruchssinn von Frauen, wie hier beim Deodorant-Testen
          Das hat schon die Forschung erkannt und nutzt den besonderen Geruchssinn von Frauen, wie hier beim Deodorant-Testen : Bild: AP

          Eulers Erkenntnisse decken sich mit Schnüffeltests an der University of Pittsburgh. Über die Ursachen des geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Riechverhaltens stellt Euler nur Mutmaßungen an. Evolutionsbedingt sei der Geruchssinn der Frauen besser ausgeprägt. Bei Männern sei er dagegen häufiger "lückenhaft".

          Alles hängt am Liebesstil

          Euler vermutet, dass die Natur die Frau in ihrer Rolle als Mutter mit dem besseren Geruchssinn ausgestattet habe, denn sie müsse olfaktorisch feststellen, ob die Nahrung für das Kind genießbar sei. Zudem, sagt der Wissenschaftler, "treffen bei Mann und Frau zwei verschiedene Liebes- und Bindungsstile aufeinander". Bei Frauen sei Nähe, also Streicheln und Zärtlichkeit, sehr viel direkter an Liebe und Sex gebunden als bei Männern. Auch dies bedinge die Evolution. Frauen seien über Jahrtausende in der Erziehung der Kinder schon immer auf soziale Unterstützung und damit auf die Nähe anderer angewiesen. Männer seien dagegen aus ihrer Entwicklungsgeschichte heraus an Sex eher der Fortpflanzung wegen interessiert und weniger wegen der Partnerbindung oder der Suche nach Nähe.

          Frauen und Männern sei jedoch gemein, dass der Geruch des Partners Glücksgefühle freisetze, Zufriedenheit hervorrufe und Nähe erzeuge - zumindest sofern der eine den anderen riechen kann.

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