13.12.2004 · 15 Jahre nach dem Tankerunglück der „Exxon Valdez“ droht wieder eine schwere Öl-Katastrophe vor Alaska: Nach dem Auseinanderbrechen eines Frachters vor der Aleuten-Inselgruppe sind Tausende Seelöwen, Robben und Vögel in Gefahr.
Fünf Tage nach dem Frachterunglück des malaysischen Frachters „Seledang Ayu“ haben die amerikanischen Behörden erste Schritte eingeleitet, um die Tierwelt der Aleuten-Inselgruppe vor Alaska vor einer drohenden Ölpest zu bewahren. Die Küstenwache habe in Verbreitungsgebieten von Lachsen drei Sperren angebracht, die die Fische vor dem Öl schützen sollten, teilte eine Sprecherin der Küstenwache mit.
Weitere Ausleger sollen in Lachs-Gebieten in einer anderen Bucht angebracht werden. Schlechtes Wetter und Wellen von bis zu 3,70 Meter Höhe behinderten aber weiterhin die Arbeit der Tierschützer.
Gutachter sollen Ausmaß des Schadens bestimmen
Unterdessen trafen zehn von ursprünglich 26 Crew-Mitgliedern des malaysischen Frachters „Selendang Ayu“ in Dutch Harbor in Alaska ein. Dort sollten sie von Ermittlern der amerikanischen Transportsicherheitsbehörde NTSB befragt werden.
Zudem sollen Gutachter das Wrack untersuchen, um das Ausmaß des Schadens und die Menge des ausgelaufenen Öls zu bestimmen. Die amerikanische Küstenwache hofft, ein Team aus der Luft auf die „Selendang Ayu“ abseilen zu können, sobald sich das Wetter bessert.
1,8 Millionen Liter Schweröl
Der malaysische Frachter hatte am Mittwoch an der Westküste von Unalaska, einer der Aleuten-Inseln, Schiffbruch erlitten. An Bord waren rund 1,8 Millionen Liter Bunkeröl und Diesel. Beim Auseinanderbrechen des Frachters wurde offenbar ein Tank beschädigt, der rund 530.000 Liter faßt.
Die Küstenwache ging davon aus, daß dieses Öl zumindest teilweise ins Meer gelangt ist. An der Küste von Unalaska, rund 1.300 Kilometer südwestlich von Anchorage, wurden Ölklumpen von der Größe eines Tennisballs angespült.
Erinnerung an die „Exxon Valdez“
In den Gewässern leben unter anderem Seelöwen, Robben und Seeotter. Außerdem sind zahlreiche Seevögel bedroht. Nach Angaben des zuständigen Offiziers Darrel Wilson gehe die Küstenwache mit äußerster Vorsicht vor, um weitere Opfer zu vermeiden.
Das Unglück ereignete sich nur einige hundert Kilometer östlich von der Stelle, an der die Havarie des Öltankers „Exxon Valdez“ im Jahr 1989 die schlimmste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten ausgelöst. Etwa 250.000 Seevögel, 2.800 Otter, 300 Seehunde, 250 Seeadler und 20 Wale starben damals an dem ölverseuchten Wasser.