Heftige Überschwemmungen haben im ostindischen Bundesstaat Bihar mindestens 3,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Wie der britische Sender BBC berichtete, fielen den Fluten am Fluss Kosi bislang mindestens 55 Menschen zum Opfer.
Nach einem Besuch im Überschwemmungsgebiet sprach Indiens Premierminister Manmohan Singh von einer „nationalen Katastrophe“. Die Regierung habe ein Soforthilfepaket in Höhe von 10 Milliarden Rupien (155 Millionen Euro) verabschiedet, erklärte Singh. Nach Medienberichten sind jedoch noch immer mehr als eine Million Menschen von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Zehntausende kämpften ums Überleben.
Viele Inder sind vom Wasser eingeschlossen
Etwa zwei Millionen Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, nachdem die Regierung wegen des steigenden Wasserpegels eine Evakuierung der Krisenregion angeordnet hatte. Die Armee warf mit Helikoptern Lebensmittel und Medikamente für die von den Wassermassen Eingeschlossenen ab. Die Flut hat viele Straßen und Eisenbahnschienen weggespült, Wasser- und Stromversorgung sind vielfach ausgefallen.
Premierminister Manmohan Singh, Innenminister Shivraj Patil und die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, trafen in Bihar ein, um die Rettungsbemühungen zu überwachen. Mehr als 400 Boote waren im Einsatz, um Menschen vor den Fluten zu retten. Die Armee stellte Hubschrauber und Bodentruppen zu Verfügung.
Deiche und Flutsperren wurden weggespült
Das Dorf Yadav im besonders stark betroffenen Bezirk Saharsa wurde durch die Fluten zu einer Insel inmitten von schlammigem Wasser. „Wir haben nichts zum Kochen, also weichen wir Getreide in diesem Dreck ein und versuchen zu überleben“, sagte ein dort lebender Bauer. Im örtlichen Bahnhof warten tausende Flutopfer in der Hoffnung, einen Platz in einem der wenigen noch fahrenden Züge zu ergattern. „Wir wollen nur raus. Wir wollen diesen Fluch hinter uns lassen“, sagte eine Frau, deren Ehemann vermisst wird.
Der Fluss Kosi war in der vergangenen Woche nach heftigen Monsun-Regenfällen über die Ufer getreten. Er verläuft an der Grenze zu Nepal, wo Behördenangaben zufolge ebenfalls zahlreiche Deiche und Flutsperren weggespült wurden. 50.000 Menschen seien dort vor den Fluten geflohen, die gesamte Infrastruktur sei zusammengebrochen. Die Behörden Nepals und Indiens sind sich uneinig, wer für den Hochwasserschutz in der Region verantwortlich ist.
In ganz Indien starben durch die Folgen des Monsunregens seit Juni dieses Jahres rund 800 Menschen. Die indischen Behörden erwarten, dass die Zahl der Flutopfer noch deutlich ansteigen könnte, da viele Gebiete bislang nicht zugänglich seien. Auch sagten Meteorologen weitere Regenfälle voraus.
