18.04.2010 · "Messverhalten skandalös" / Ramsauer: Sicherheit hat Vorrang / Luftraum zeitweise frei
ufe. FRANKFURT, 18. April. Die Deutsche Flugsicherung hat die Sperrung der Lufträume an sieben deutschen Flughäfen am Sonntagnachmittag gelockert. In Frankfurt, Erfurt, Leipzig, Hahn und Hannover waren bis 20 Uhr eingeschränkte Flugbewegungen möglich, in Berlin-Schönefeld und Berlin-Tegel bis 24 Uhr. Die neun weiteren internationalen Flughäfen in Deutschland blieben gesperrt. Am späten Sonntagabend entschied die Flugsicherung dann, alle deutschen Flughäfen bis mindestens um 14 Uhr an diesem Montag zu schließen. Die Aschewolke über Europa wird auch in den nächsten Tagen zu massiven Blockaden im Flugverkehr führen. Auf den wichtigsten Flughäfen in den europäischen Nachbarländern blieben die Flugzeuge am Sonntag am Boden.
An der angespannten Lage in der europäischen Luftfahrt wird sich nach Einschätzung der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel wohl kurzfristig nichts ändern. Denn die Tätigkeit des isländischen Vulkans hält an, und die Gefahren für den Flugbetrieb sind weiterhin hoch. Durch die in der Luft befindliche Vulkanasche könnten Triebwerke verstopft und Cockpit-Fenster zerstört werden, warnen Fachleute.
Derweil wächst der Druck auf die staatlichen Stellen durch Kritik von Lufthansa und Air Berlin. Die beiden führenden Fluggesellschaften in Deutschland monierten das Krisenmanagement der Behörden und forderten exaktere Messdaten über die Konzentration der Vulkanasche im Luftraum. Ein Sprecher des Lufthansa-Konzerns drohte angesichts des "skandalösen Messverhaltens" mit Regressforderungen. Die Deutsche Flugsicherung wies die Kritik zurück und bekräftigte die Seriosität der Daten, die zur Sperrung des Luftraums führten: "Wir handeln nach Aspekten der Flugsicherheit, nicht nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit."
Bisher hat die mehrtägige Zwangspause bei den internationalen Fluggesellschaften vermutlich zu einem Umsatzausfall von mindestens einer Milliarde Dollar geführt. Jeder weitere Tag, an dem Flughäfen gesperrt sind, schlägt nach Schätzung des Branchenverbandes Iata mit einem Minus von insgesamt 200 Millionen Dollar zu Buche. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte am Sonntag, er sei "kein Panikminister", sondern halte sich bei der Entscheidung für Flugverbote strikt an internationale Vorgaben. Für ihn habe die Sicherheit der Passagiere oberste Priorität. (Siehe Seite 3, Deutschland und die Welt, Wirtschaft, Seite 11, Feuilleton,
Seite 27 und Rhein-Main-Zeitung.)