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Fernstraße durch die Serengeti Tierwanderung ins Ungewisse

09.09.2010 ·  Die Serengeti darf nicht sterben - jetzt aber bedroht ein Bauprojekt der tansanischen Regierung den Nationalpark. Eine Fernstraße, die mitten durch den Norden der Serengeti verlaufen soll, könnte das Ende der Tierwanderungen bedeuten.

Von Carl-Albrecht von Treuenfels
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Gibt es diese Bilder bald nicht mehr? Wie sich die großen Gnu- und Zebraherden im Norden Tansanias in den Marafluss stürzen, um – von Krokodilen bedroht – am anderen Ufer zu neuen Weidegründen zu gelangen? Vielleicht gehört der Anblick bald der Vergangenheit an. In der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) befürchtet man jedenfalls schon das schlimmste. Erst nahm der tansanische Präsident Jakaya Kikwete in Seronera im Herzen des Serengeti-Nationalparks fünf Spitzmaulnashörner im Rahmen einer großen Umsiedlungsaktion aus Südafrika in Empfang und wies auf die Bedeutung des großen Schutzgebietes hin – dann wurden Pläne der Regierung bekannt, eine Straße durch den Norden der Serengeti zu bauen.

Seitdem hat die tansanische Regierung Mühe, die Wellen der Erregung unter Naturschützern, auch im eigenen Land, zu glätten. Bei der ZGF, die seit Jahrzehnten mit einem großen Programmbüro als „Nachlassverwalterin“ von Bernhard und Michael Grzimek („Serengeti darf nicht sterben“) in enger Zusammenarbeit mit den tansanischen Behörden von Seronera aus für das Schutzgebiet tätig ist, gehen täglich Proteste ein – und Aufforderungen zum Widerstand gegen das Projekt.

Eine Fernstraße quer zu den Wanderzügen der Gnus

Die geplante Fernstraße ist Teil eines von 2002 bis 2012 angelegten Programms zur Verbesserung des Verkehrs. Es handelt sich um ein 53 Kilometer langes Teilstück durch den Nordteil der Serengeti, das die Verkehrsachsen aus dem Osten des Landes mit seinen Hafenstädten am Pazifik mit dem westlichen Straßennetz in Richtung Viktoriasee verbinden soll. Die Straße, wie viele Verkehrsverbindungen in Tansania zunächst als Schotterpiste projektiert, würde quer zu den großen Wanderzügen von Gnus, Zebras und Antilopen verlaufen, die sich zweimal jährlich von Süden nach Norden bis nach Kenia und zurück bewegen.

Mehr als zwei Millionen Tiere, davon allein 1,3 Millionen Gnus, folgen in einem wiederkehrenden Rhythmus dem Regen, der das Gras in der weiten Steppenlandschaft zu unterschiedlichen Zeiten wachsen lässt. Solch riesige Tierwanderungen gibt es sonst nirgendwo auf der Erde. Jedes Jahr ziehen sie Zehntausende Safaritouristen in ihren Bann – die wiederum für Deviseneinnahmen und Arbeitsplätze sorgen. Daher gibt es auch im Tourismus erheblichen Widerstand gegen das Straßenbauprojekt.

Die Unesco ist besorgt

Die Serengeti wird seit 1981 von der Unesco als Weltnaturerbe geführt. Daher war die Straßenplanung auf der 34. Sitzung des World Heritage Committee vor wenigen Wochen in Brasilia ebenfalls ein wichtiges Thema. Die Delegierten, zu denen auch Vertreter der Internationalen Naturschutzunion gehören, wiesen in einer Erklärung darauf hin, dass eine Straßenquerung der Serengeti das Ende der großen Wildmigration bedeuten würde – mit der Folge, dass die Tierbestände im Nationalpark als Folge von Wasser- und Nahrungsmangel um bis zu 70 oder 80 Prozent zurückgehen könnten. Fragmentierung und Veränderung von Lebensräumen, Bodenerosion, Verkehrsunfälle, vermehrte Wilderei, Übertragung von Krankheiten, Einführung fremder Arten – das sind nur einige der genannten Folgen. Schon 1996 sei einmal ein derartiger Straßenbau in Erwägung gezogen worden. Doch eine von der Weltbank in Auftrag gegebene Umweltverträglichkeitsprüfung kam damals zu dem Ergebnis, dass die negativen Effekte zu groß seien.

Die tansanische Regierung scheint dennoch an dem Projekt festzuhalten. Immerhin will sie das Ergebnis einer abermaligen Umweltverträglichkeitsprüfung abwarten. Es ist ein Geheimnis, wer diese Prüfung durchführt. Von indischen und chinesischen Firmen ist die Rede.

Versprechen des Präsidenten

Das Straßenprojekt ist ein Versprechen des Präsidenten, der sich im Oktober wieder zur Wahl stellt. Die vielen Kritiker der Serengeti-Durchschneidung hoffen, dass sich Kikwete, der immer den Naturschutz als sein großes persönliches Anliegen darstellt, nach der Wahl für eine südliche Umgehung der Serengeti entscheidet. Die Alternativtrasse wäre verkehrstechnisch sogar vorteilhafter. Vielleicht wäre es für die Regierung sogar leichter, für die Südumgehung internationale Kapitalhilfe zu finden. Die Chinesen aber, die im Osten Afrikas zunehmend wirtschaftlich Fuß fassen, würden, so fürchten die Freunde der Serengeti, auch die nördliche Trasse bauen.

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