21.03.2005 · Nach Vorhersagen der UN werden sich die Wasservorräte in den nächsten Jahren verringern, während der Bedarf weiter wächst. Fachleute warnen vor zunehmendem „Wasserstreß“.
Fachleute sprechen von Wasserstreß: Mit wachsender Bevölkerung steigt auch die Nachfrage nach Trinkwasser. Die Vorräte waren schon immer höchst ungleich verteilt, denn schon die Regenhäufigkeit ist in einigen Teilen der Welt wie dem nördlichen Afrika oder der Arabischen Halbinsel großen Schwankungen unterworfen.
Die natürlichen Ursachen des Wassermangels verschlimmert der Mensch noch. Bevölkerungswachstum, Verstädterung, Industrialisierung und intensive landwirtschaftliche Nutzung führen zu hohem Wasserverbrauch und zu vielen Abwässern.
Allein für die künstliche Bewässerung von Böden werden rund 70 Prozent des auf der Welt verfügbaren Süßwassers verwendet; mehr als die Hälfte davon geht verloren, weil es wegen ineffizienter Techniken versickert und verdunstet. Um neue Acker- und Weideflächen zu erschließen, werden Wälder abgeholzt. Die Folgen sind Bodenerosion, Überschwemmungen, Trockenheit und Dürre. So verwandeln sich jedes Jahr etwa 1,6 Millionen Hektar Land in Wüsten.
Wassermangel in Afrika und Asien
Das zeitigt verheerende Folgen: So müssen sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert 20 Entwicklungsländer mit einem theoretischen Wasservorrat von knapp 500 Kubikmetern pro Kopf und Jahr bescheiden. Das ist nach Meinung der Vereinten Nationen zu wenig: Wassermangel herrsche bei weniger als 1000 Kubikmeter Süßwasser aus regenerierbaren Quellen pro Person und Jahr.
Legt man diese eine Million Liter zugrunde, dann leiden sogar 30 Länder vor allem in Afrika und Asien unter Wassermangel. Im Jahr 2025 sollen es bereits 40 Länder sein - je nachdem, mit welchen Projektionen gerechnet wird. Unter Wasserknappheit - die bei weniger als 1666 Kubikmeter pro Kopf und Jahr herrscht - werden weit mehr Menschen leiden.
Verschmutztes Grundwasser in Deutschland
Selbst in Ländern, in denen an Wasser noch kein Mangel herrscht, läßt seine Qualität zu wünschen übrig. Weite Landstriche in Europa und in den Vereinigten Staaten sind versalzen und versauert. Das Grundwasser ist mit Nitrat belastet, verursacht durch Massentierhaltung und die dadurch anfallende Gülle. So fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bund und Länder müßten die europäische Wasserrahmenrichtlinie in die Tat umsetzen.
Etwa die Hälfte des Grundwassers in Deutschland sei in alarmierendem Zustand. Vor allem die Landwirtschaft belaste das Wasser. Im Durchschnitt betrage die Überdüngung 80 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr. Zudem verschmutzten Pestizide das Grundwasser. Die Selbstreinigungskraft des Grundwassers werde vielerorts überfordert.
1,1 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser
Doch nicht nur Giftstoffe, Säuren und Salze verunreinigen die Gewässer, auch Viren und Bakterien von Fäkalien und Mülldeponien. Rund 80 Prozent der Krankheiten und Todesfälle in Entwicklungsländern hängen mit verschmutztem Wasser zusammen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben schon heute 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser. Zumindest ihre Zahl soll bis 2015 halbiert werden.
So lautet eines der Ziele des „Millenniumsgipfels“ aus dem Jahr 2000. Auch weil in den vergangenen fünf Jahren nicht allzuviel geschah, werden die Vereinten Nationen am „Weltwassertag 2005“, der an diesem Dienstag begangen wird, die internationale Dekade „Wasser zum Leben“ ausrufen.
Wasservorrat schrumpft
Insgesamt, so befürchten die UN, wird sich der vorhandene Wasservorrat in den nächsten zehn Jahren um ein Viertel verringern: von durchschnittlich 3000 auf 2300 Kubikmeter pro Kopf und Jahr. Der Wasserverbrauch wird zugleich um mindestens 40 Prozent (bis 2025) wachsen.
Der Nahe und Mittlere Osten sowie große Teile Afrikas sind wohl am stärksten betroffen: In diesen Regionen wird sich die Bevölkerung in den nächsten 50 Jahren verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen. Daraus werden sich, wie Fachleute schon seit Jahren voraussagen, Konflikte ergeben: Besonders kritisch ist die Situation im Jordan-Becken, in der Nil- und der Euphrat-Tigris-Region.
Infektionskrankheiten aus der Wasserleitung
In Deutschland sind die Schwierigkeiten mit Wasser vergleichsweise gering. Jedes Jahr stecken sich Tausende Menschen in Krankenhäusern mit Keimen an. In den Leitungssystemen können sich Bakterien wie Legionellen vermehren, die in sehr geringen Konzentrationen auch im Trinkwasser vorhanden sind. Martin Exner, Leiter des Hygieneinstituts der Universität Bonn, sagt, daß zwischen 25000 und 30000 Legionelleninfektionen pro Jahr in Deutschland aufträten. Zudem stammten mindestens 40 Prozent aller Pseudomonas-Infektionen aus dem wasserführenden System.
Auch in Haushalten können solche Infektionen auftreten. Bakterien finden in Installationssystemen oder beispielsweise Whirlpools gute Wachstumsbedingungen. Besonders anfällig sind aber verzweigte Rohrsysteme in großen Gebäuden wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hotels. Daher werden in Kliniken oft Filter verwendet, die das Wasser an Duschen oder Wasserhähnen reinigen.