05.05.2009 · Sie werden mit Metallhaken über das Eis gezogen, ihnen wird der Schädel eingeschlagen und zum Teil bei lebendigem Leib das Fell abgezogen. Damit soll nun Schluss sein: Von 2010 an ist der Handel mit Robbenprodukten in der EU verboten.
Der Handel mit Robbenprodukten in der Europäischen Union wird von 2010 an verboten. Das Europaparlament hat am Dienstag in Straßburg mit großer Mehrheit für ein entsprechendes europaweites Einfuhr- und Handelsverbot gestimmt. Nach der formalen Zustimmung der EU-Regierungen kann das Verbot im kommenden Jahr in Kraft treten. Ausnahmen sollen für die arktischen Ureinwohner gelten, die Robben nicht-kommerziell jagen. Sie sollen weiterhin Robbenprodukte verkaufen dürfen.
Dieser Beschluss werde in Kanada in diesem Jahr etwa 250.000 Jungrobben das Leben retten, sagte Rebecca Aldworth von der kanadischen Tierschutzgesellschaft Humane Society International. In Erwartung eines Handelsverbots seien seit Beginn der Robbenjagdsaison im März erst etwa 60.000 Robben getötet worden. „Das EU-Parlament hat den letzten Sargnagel in das Geschäft der Robbenjäger gehämmert“, freute sich der Internationale Tierschutzfonds IFAW.
Grausame Tötungsmethoden
Bis zum 15. Mai dürfen in Kanada Robben für kommerzielle Zwecke gejagt werden, wobei Tierschützer seit Jahren die grausamen Tötungsmethoden anprangern. Die Tiere werden mit einem Metallhaken über das Eis gezogen, ihnen wird häufig der Schädel eingeschlagen und zum Teil bei lebendigem Leib das Fell abgezogen. Auch in Grönland und Namibia werden Robben gejagt, insgesamt werden pro Jahr nach EU-Schätzungen etwa 900.000 Robben getötet. Kanadische Robbenfellimporte in die EU erzielen pro Jahr etwa 4,2 Millionen Euro, wobei die beiden wichtigsten Importländer 2006 Dänemark und Italien waren. Verwendet werden die Felle für die Herstellung von Pelzen, Mänteln und Mützen.
Als „längst überfällig“ bezeichnete die deutsche grüne Abgeordnete Heide Rühle das Verbot. In den Vereinigten Staaten, Belgien und den Niederlanden sei der Verkauf von Fell-Produkten, Ölen und Robbenfleisch längst verboten.
Auch Deutschland will auf nationaler Ebene mit einem Importverbot gegen Tierquälerei vorgehen. In Deutschland schwankt nach Angaben des internationalen Tierschutzfonds IFAW der Umsatz mit Robbenprodukten zwischen 200.000 und einer Million Euro pro Jahr.