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Entlaufene Kuh Yvonne Lieber im Wald als vom Eis

Die entlaufene Kuh Yvonne trotzt ihren Herdentier-Genen - und macht Zangberg zur Sommertier-Metropole. Nach langer Hatz haben die Bayern nun ihre Taktik geändert. Man geht nicht mehr zu Yvonne in den Wald, sondern lässt Yvonne aus dem Wald kommen.

© Alex Westhoff Vergrößern „Ernst” wartet auf „Yvonne”

Ernst macht sich gut. Er ahnt wohl, dass er eine Mission hat, dass viel Hoffnung in ihn gesetzt wird. „Des is guuuud“, sagt Hans Wintersteller mit gedämpfter Stimme, ein stolzes Lächeln huscht über sein Gesicht. Der Bart des Österreichers ist auch am 15. Tag im und am Wald akkurat getrimmt. Man muss in diesen Tagen leise sein auf Posten auf dem Bilderbuch-Bauernhof oberhalb von Zangberg. Alte Holzgiebel, gepflegter Rasen. Und prächtig quellen die Geranien aus den Töpfen.

Wintersteller koordiniert die Suche nach einem Stück Fleckvieh in diesem Flecken Oberbayerns. „Weiter so, Ernst“, sagt Wintersteller. Ernst macht sich gut, weil er regelmäßig muht. Das muss sie doch hören, die Yvonne. Und kann Yvonne diesem Lockvogel mit den schwarzen Locken und Nasenring widerstehen, der einst auf großen Schauen auftrat? „1000 Kilo geballte Erotik“, titelte ein Boulevardblatt. Allerdings etwas vorschnell. Denn Ernst ist kastriert, also kein wilder Stier, sondern ein gutmütiger Ochse. „Lendenlahmer Lockstier soll Waldkuh Yvonne bezirzen“, lautete eine andere Schlagzeile. Ernsts Anziehungskraft auf Kühe sei ungebrochen, sagt Wintersteller. „Heute Nacht haben wir gute Chancen.“ Der Ernst habe im übrigen auch schon Witterung aufgenommen.

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Yvonne gilt als Gefahr

Yvonne ist Österreicherin, sie wurde vor sechs Jahren auf einem Hof in Kärnten geboren. Im Mai wurde sie dann an einen Bauern in Aschau verkauft, auf dessen Weiden sie sich für die Schlachtung noch ein paar Kilogramm anfressen sollte. Doch beim Verladen in ihrer neuen bayerischen Heimat büxte sie aus. Das ist knapp drei Monate her. Seitdem streift sie durch die Wälder. Weil sie mit Klugheit und Raffinesse alle Verfolger narrt und allen Einfangversuchen trotzt, ist sie zu einer öffentlichen Kuh geworden, an deren Schicksal Menschen und Medien Anteil nehmen: „Die Kuh, die ein Reh sein will“, „Die Waldkuh“, „Die Problemkuh“. Als Projektionsfläche von Konflikten mit beinahe politischer Dimension. Als Symbolfigur für die Arbeit des Guts Aiderbichl, das Hunderte Tiere vor der Schlachtbank rettet, auf seinen Gnadenhöfen aufnimmt – und seinen Mitarbeiter Hans Wintersteller mit der Rettung Yvonnes beauftragt hat.

Tiere im Sommerloch © dpa Vergrößern Seit drei Monaten streift „Yvonne” durch die Wälder

Die Salzburger Tierschutz-Initiative hat Yvonne gekauft. Und zwar in dem Moment, als die Kuh zum Abschuss freigegeben wurde, nachdem sie eine Landstraße überquert und sich dabei von Polizeibeamten hat beobachten lassen hat. Yvonne gilt als Gefahr für den Straßenverkehr. Die Initiative begründet ihren großen Einsatz für Yvonne damit, die Leute beim Umgang mit Nutztieren zum Umdenken bewegen zu können. „Das ist die klügste Kuh, die ich jemals kennengelernt habe“, sagt Wintersteller, der eigentlich Gutsverwalter in der Aiderbichl-Zentrale ist.

Der kräftige Mann mit der zupackenden Art ist häufiger im Einsatz, wenn irgendwo Tiere ausreißen, etwa vor den Toren des Schlachthofs. Doch Einsatzleiter („Immer positiv denken“), Kuhdetektiv („Diese Kuhfladen hier sind noch frisch“), Kuhpsychologe („Yvonne muss wieder Vertrauen fassen“) und Pressesprecher über 15 Tage war er noch nie. Sein Handy klingelt im Akkord. Seit Ernst, eskortiert von fünf Fernsehteams, in Zangberg Quartier bezogen hat, hat Wintersteller etwa 40 Interviews gegeben. „Yvonne is a Wahnsinn. Die is irrsinnig g’scheit“, sagt Wintersteller. Er und seine Mitstreiter haben Yvonne im 24-Stunden-Schichtdienst schon einige Male aufgespürt im dunklen Zangberger Tann. Doch der Zugriff wollte in dem Dickicht aus Buschwerk und Hochwald nicht gelingen. Und immer wenn ein Schütze mit Betäubungspfeil mit auf der Pirsch war, hat sich Yvonne ganz verzogen.

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