http://www.faz.net/-gum-735f7

China : Zahl der Lungenkrankheiten steigt gefährlich an

  • Aktualisiert am

Schlechte Prognose: Um das Jahr 2030 herum werden jedes Jahr drei Millionen Chinesen an einer Lungenkrankheit sterben. Bild: dpa

Mehr als die Hälfte der chinesischen Männer raucht, viele Frauen sind beim Kochen gefährlichen Schadstoffen ausgesetzt. Experten warnen: Immer mehr Chinesen leiden an lebensgefährlichen Lungenleiden.

          Tödliche Lungenkrankheiten nehmen in China einem Experten zufolge in einem alarmierenden Ausmaß zu. Der starke Zigarettenkonsum, Smog in Städten, Luftverschmutzung daheim oder am Arbeitsplatz, veraltete Diagnosen und mangelnde Behandlung machen sogenannte chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) zu einem wachsenden Gesundheitsproblem. Um 2030 herum werden jedes Jahr drei Millionen Chinesen an einer solchen Krankheit sterben – eine Million mehr als schon heute, wie das britische Magazin „Nature“ berichtet.

          „Wir sehen erst die Spitze des Eisbergs von COPD in China“, sagte Don Sin, ein Spezialist für Atemwegserkrankungen an der Universität von British Columbia im kanadischen Vancouver, dem Fachblatt. „In 30 Jahren wird die Zahl explodieren“, warnte der Forscher, der seine Vorhersagen auf gegenwärtige Trends und Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stützt.

          Typische Symptome der Erkrankung sind Husten, Atemnot und Auswurf. COPD wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt. In frühen Stadien ist die Prognose – etwa bei Verzicht auf das Rauchen – relativ gut.

          Die Ursachen sind vielfältig: Mehr als die Hälfte aller chinesischen Männer raucht – insgesamt 300 Millionen Menschen. Zigaretten sind günstig und Rauchen ist gesellschaftlich weit verbreitet. Eine Studie aus 2007, die in sechs Städten durchgeführt wurde, ergab, dass sogar 41 Prozent der Ärzte rauchen. 2011 wurden landesweit weitreichende Rauchverbote etwa in Restaurants oder öffentlichen Plätzen erlassen, doch sie werden häufig ignoriert.

          Zwar ist Rauchen unter Chinesinnen weniger verbreitet, doch auch viele Frauen in China haben ein COPD-Lungenleiden. Viele sind dem Qualm passiv ausgesetzt. Auch kochen Frauen besonders auf dem Land auf Öfen, die Schadstoffe ausstoßen. 70 Prozent aller Haushalte in China kochen und heizen mit Holz, Kohle, Ernteresten oder Tierdung. Die Brennstoffe setzen Partikel und Qualm mit Kohlenmonoxid, Formaldehyd und freien Radikalen frei.

          Durch Chinas Wirtschaftsboom sind in der Industrie auch zunehmend mehr Fabrikarbeiter – Männer wie Frauen – giftigen Stoffen in der Luft ausgesetzt. Der Bericht nennt etwa Baumwoll- und Seidenfabriken, Baugewerbe oder Getreideverarbeitung, die solche Schadstoffe freisetzen. Deren Konzentration in den Häusern übersteige die Grenzwerte um ein Vielfaches.

          Zudem bleiben die Lungenkrankheiten häufig zunächst unentdeckt, so dass lebensverlängernde Behandlungen zu spät ansetzen. Nun werde versucht, die Diagnosetechniken zu verbessern sowie preisgünstige Medikamente und Behandlungen zu erforschen.

          Drei Faktoren tragen nach Angaben der Wissenschaftler ebenfalls zu einem erhöhten COPD-Risiko bei: Rund 1,5 Millionen Chinesen leiden demnach auch unter Tuberkulose. Außerdem hätten Kinder in vielen Gebieten häufig Lungenentzündungen und seien unterernährt.

          Quelle: DPA

          Weitere Themen

          Ende des chinesischen Traums

          Expats : Ende des chinesischen Traums

          Die Zukunft, so heißt es, entsteht in China. Trotzdem wollen immer weniger Expats dort arbeiten. Überwachung, Smog, teure Lebenshaltungskosten – und nun sollen auch noch die letzten freien Zugangsmöglichkeiten zum Internet wegfallen.

          Feuerwerksexplosion in Kuba Video-Seite öffnen

          Dutzende Verletzte : Feuerwerksexplosion in Kuba

          Feuerwerkskörper explodieren unkontrolliert direkt neben Menschen, die Straßen sind voller Qualm. Während eines beliebten kubanischen Festivals sind an Weihnachten Dutzende verletzt worden, darunter auch viele Kinder. Wie es dazu kommen konnte, ist noch unklar.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Haushaltsstreit : Kein Ende des „Shutdowns“ in Sicht

          Die Haushaltssperre in Amerika gilt nun auch am Montag. Republikaner und Demokraten gingen ohne Kompromiss auseinander. Für fast eine Million Staatsbedienstete beginnt die Woche mit einem Zwangsurlaub.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.