Der Zustand des deutschen Waldes hat sich insgesamt leicht verschlechtert. Vor allem Buchen sind von der Entwicklung betroffen. Im vergangenen Jahr hatten 28 Prozent aller Laub- und Nadelbäume deutliche Schäden an den Kronen, wie das Bundesagrarministerium in Berlin mitteilte – eine Steigerung von 5 Prozent. Dagegen ging der Anteil mit leichten Schäden von 39 auf 35 Prozent zurück. 37 Prozent der Bäume zeigten der Erhebung zufolge keine Schäden, im Vorjahr waren es noch 38.
Bei Buchen, der am häufigsten auftretenden Laubbaumart, hatte etwa jeder zweite Baum deutliche Schäden an der Krone, so viel wie nie zuvor. 2010 waren es noch 33 Prozent gewesen. Hauptgrund dafür sei eine üppige Bildung von Bucheckern, wie das Ministerium erklärte: „Dieser natürliche Prozess dient der Fortpflanzung, bremst aber den Holzzuwachs und führt zu einer vermehrten Baumkronen-Verlichtung.“
Im Frühjahr zu trocken
Im vergangenen Jahr hätten mehr als 90 Prozent der fortpflanzungsfähigen Buchen Bucheckern getragen. Dies ermögliche viele Erbgut-Neukombinationen, was positiv für die Anpassungsfähigkeit der Wälder, etwa an Klimaveränderungen, sei. Allerdings könne dieser Aspekt den schlechten Zustand der Buchen nicht allein erklären. Eine Rolle gespielt haben dürfte auch die angespannte Wasserversorgung. In weiten Teilen Deutschlands sei es zu Jahresbeginn im Januar und Februar und dann auch in mehreren Frühlingsmonaten zu trocken gewesen.
Bei Eichen sank der Anteil stark beschädigter Baumkronen um zehn Prozentpunkte auf 41 Prozent. Das lag vor allem daran, dass es weniger Schäden durch Schmetterlingsraupen und kaum Mehltau- Befall gegeben habe. Bei Fichten gab es nur eine leichte Steigerung auf 27 (Vorjahr: 26) Prozent. Der vielerorts verregnete Sommer hatte dafür gesorgt, dass eine drohende Massenvermehrung von Borkenkäfern noch aufgehalten wurde, wie die Experten erläuterten. Bei Kiefern war der Anteil mit deutlichen Kronenschäden mit 13 Prozent konstant.
Wie dicht Laub oder Nadeln in der Krone eines Baumes sind, gilt als ein Indikator für den Gesundheitszustand. Bei den Stichproben wird es als „deutlicher“ Schaden eingestuft, wenn mehr als ein Viertel der Krone licht ist. Rund ein Drittel der Landesfläche Deutschlands ist mit Wald bedeckt. Die wichtigsten Arten sind die Nadelbäume Fichte (28 Prozent) und Kiefer (24 Prozent), gefolgt von den Laubbäumen Buche (15 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Diese vier Hauptarten machen rund drei Viertel der Waldfläche aus, teilte das Ministerium mit.
Der Mythos über die Existenz eines 100% gesunden Waldes
Herbert Sax (H.Sax)
- 03.02.2012, 16:01 Uhr
