16.04.2010 · Die Aschewolke aus Island legt Europa lahm: 20.000 Flüge fallen am Freitag aus. Am Abend schließt der Münchner Flughafen als letzter deutscher Airport. Auch am Samstag wird sich die Lage nicht entspannen. Die Fluggesellschaften müssen mit einem Schaden von über 120 Millionen Euro rechnen.
Die Lage an den Flughäfen in Europa wird sich nach Vorhersagen der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol auch am Samstag nicht entspannen. Die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilten die Luftsicherheitsexperten in Brüssel mit. Darauf deuteten alle Wetterdaten hin. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen. Das sagte der Chef der Luftraumüberwachung bei Eurocontrol, Brian Flynn.
Auch der gesamte deutsche Luftraum wird nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mindestens bis Samstagabend gesperrt bleiben. Im ungünstigsten Fall werde es auch am Sonntag keine Flüge geben. Die Entscheidung treffe letztlich das Bundesverkehrsministerium.
Wegen der Aschewolke sind am heutigen Freitag nach Angaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol zwei Drittel der knapp 30.000 Flüge in Europa ausgefallen. In Deutschland kam der Flugverkehr nahezu ganz zum Erliegen, am Abend wurde auch der Luftraum über dem Münchner Airport geschlossen. Die Entscheidung zur Sperrung erfolge aufgrund der Wetterlage, sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS). Rettungshubschrauber dürften starten und landen, ihnen sei eine Sondergenehmigung eingeräumt worden, denn bis zu einer Flughöhe von 1000 Fuß sei der Flugverkehr derzeit noch möglich. Weitere Entwicklungen müssten abgewartet werden.
Die DFS rechnete derweil mit längeren Auswirkungen des für Europa bislang einmaligen Vorfalls. Selbst wenn sich die Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull sofort verflüchtige, werde es dauern, bis sich der Betrieb normalisiere, sagte die Sprecherin. Allein nach dem Streik der Lufthansa-Piloten habe es vier Tage gedauert, bis sich die Lage normalisiert habe. Nun handele es sich jedoch um ein europaweites Ereignis. Wann die von Nord nach Süd ziehende Aschewolke Deutschland überquert haben wird, steht der Sprecherin zufolge noch nicht fest.
„Wenn der Vulkan weiterhin aktiv bleibt, könnte es auch am Wochenende zu Problemen kommen“, sagte unterdessen der Meteorologe Karsten Kürbis vom privaten Wetterdienstes MeteoGroup Deutschland. Ein beständiger Wind von Nordwest nach Südost könnte den Rauchschleier des ausgebrochenen Vulkans über das gesamte Bundesgebiet treiben. Auch nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) muss vermutlich noch länger mit massiven Beeinträchtigungen gerechnet werden.
Der Regierungsflieger mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Bord ist nach Lissabon umgeleitet worden. Wie ein Regierungssprecher am Freitag mitteilte, sollte der Airbus mit Merkels Delegation und den begleitenden Journalisten an Bord gegen 15.30 Uhr Ortszeit in der portugiesischen Hauptstadt landen. Ursprünglich war Merkel auf der Rückkehr von ihrer einwöchigen Reise in die Vereinigten Staaten am Nachmittag in Berlin erwartet worden. Die Entscheidung zur Landung in Lissabon sei aufgrund der Witterungsumstände und der für den europäischen Luftraum geltenden Regeln getroffen worden, teilte die Bundesregierung weiter mit. Die Deutsche Botschaft in Lissabon bereite derzeit die Unterbringung der Bundeskanzlerin und aller Mitreisenden vor. Merkel und ihre Delegation könnten aufgrund der notwendigen Ruhepause für die Crew frühestens am Samstagmittag weiterreisen.
Ein Umsatzverlust von 120 Millionen Euro allein am Freitag
Europas Luftfahrtindustrie droht wegen der umfassenden Flugverbote ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro am Tag. Das teilte der Verband der europäischen Fluggesellschaften AEA (Association of European Airlines) am Freitag in Brüssel mit. „An einem normalen Tag würden unsere Mitglieder mit Umsätzen von 200 Millionen Euro rechnen“, sagte Sprecher David Henderson. Den jüngsten Zahlen von Eurocontrol zufolge würden Europas Fluglinien einen Umsatzverlust von 120 Millionen Euro allein am Freitag hinnehmen müssen. Der Flughafenbetreiber Fraport spricht nach ersten Einschätzungen selbst von Verlusten in Höhe von 2,5 bis 3 Millionen Euro pro Tag allein am Frankfurter Flughafen.
Henderson wies aber darauf hin, dass die Schlussrechnung über die Verluste und Schäden durch die Aschewolke weitaus komplexer sein werde, da sich die Fluggesellschaften beispielsweise auch um gestrandete Transit-Passagiere würden kümmern müssen, etwa mit Hotelbuchungen.
Reisende haben bei Flugausfällen ein Recht auf Erstattung des Ticketpreises sowie umfassende Information und Betreuung durch ihre Fluggesellschaft. Da es sich bei der Aschewolke am europäischen Himmel um ein Naturereignis handelt, besteht jedoch kein Anspruch auf zusätzliche Entschädigungen. Unter Umständen können auch Pauschalreisen wegen der Flugashe storniert werden. Dies hängt nach Angaben der Verbraucherzentrale Thüringen von der Länge der gebuchten Reise ab und von dem Termin, zu dem die Reise verzögert angetreten werden kann. Kündigungen sind demnach etwa bei kurzen Reisen möglich, wenn sich der Reiseantritt wegen mehrtägiger Verzögerung nicht mehr lohnen sollte. Bei Beeinträchtigungen von längeren Reisen kann der Reisepreis demnach anteilig gemindert werden. Pauschalreisende, die am Urlaubsort auf ihren Rückflug warten, werden von der jeweiligen Reiseleitung betreut und bis auf weiteres in ihrem Hotel untergebracht, wie die Unternehmen TUI, Thomas Cook, DERTOUR, Meier“s Weltreisen und ADAC Reisen mitteilten.
Der Vulkan unter einem Gletscher war am Mittwoch ausgebrochen. Die Lava brachte das Gletschereis über dem Vulkan zum Schmelzen und ließ Rauch und Asche kilometerhoch aufsteigen. Der Wind treibt sie über die britischen Inseln auf das europäische Festland. Falls Flugzeuge durch die Aschewolken fliegen, können die sehr harten und scharfen Partikel gefährliche Schäden verursachen. Sie können unter anderem Flugzeugtriebwerke verkleben und zum Stillstand bringen sowie Sensoren zur Flugdatenermittlung beeinträchtigen. Außerdem zerkratzen die Aschepartikel die Cockpitscheiben, so dass die Piloten keine Sicht mehr haben.
Informationen der deutschen Flughäfen:
Flughäfen Berlin
Flughafen Bremen
Flughafen Düsseldorf
Flughafen Dresden
Flughafen Frankfurt
Flughafen Hamburg
Flughafen Hannover
Flughafen Köln/Bonn
Flughafen Leipzig/Halle
Flughafen München
Flughafen Nürnberg
Flughafen Stuttgart
Das ist doch bestimmt der Feinstaub von den bösen Autos...
Christoph Schwiers (C.Schwiers)
- 15.04.2010, 14:04 Uhr
@IPCC und @Regierung
Michael Scheffler (Striesner)
- 15.04.2010, 16:18 Uhr
immer diese Flugzeuge OHNE Umweltplakete
Ulrich Zielke (Zielke_de)
- 15.04.2010, 16:19 Uhr
Europäischer Luftraum teilweise geschlossen / Lava-Asche-Wolke
Peter Schlutius (peter.schlutius)
- 15.04.2010, 17:13 Uhr
Ja sowas
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 15.04.2010, 18:21 Uhr