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Artenschutz Frankreich trauert um eine Bärin

05.11.2004 ·  Aufregung in Frankreich: Die letzte Pyrenäen-Bärin Cannelle ist einem Jäger zum Opfer gefallen. „Ein großer Verlust für die Artenvielfalt in Europa“, bedauerte Präsident Chirac. Und Umweltminister Lepeltier reiste sogar an den Tatort.

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Bärenmutter „Cannelle“ war in den französischen Pyrenäen mit ihrem fast einjährigen Jungen unterwegs, als sie einer Gruppe von Jägern bei einer Treibjagd auf Wildschweine in die Quere geriet. Die Bärin, in die Enge getrieben, fühlte sich bedroht, biß einen Jagdhund, bewegte sich auf einen Jäger zu und wurde erschossen, „in Notwehr“, wie es hieß.

Der gewaltsame Tod der etwa 15 Jahre alten Bärin bewegt die Franzosen, bis in die Pariser Staatsspitze hinauf. „Ein großer Verlust für die Artenvielfalt in Frankreich und in Europa“, bedauerte der um ein umweltfreundliches Image bemühte Präsident Jacques Chirac. Umweltminister Serge Lepeltier reiste an den Tatort nicht weit von Urdos im Tal von Aspe, um sich zu informieren. Dies sei eine „ökologische Katastrophe“, zürnte der Minister.

Ureinwohner der Pyrenäen

„Cannelle“ war die letzte „echte“ Pyrenäen-Bärin. Durch ihren Tod würden jahrelange Bemühungen um Wiedereinführung dieser fast ausgestorbenen Tierart in ihrem Stammgebiet zunichte gemacht, klagen Naturschützer. Die Zukunft des Pyrenäen-Bären sei nun „ernsthaft gefährdet“, befürchten sie ebenso wie Minister Lepeltier. Schützenhilfe bekommen die Franzosen auch aus Deutschland. Trotz der extremen Bedrohung der Pyrenäen-Braunbären habe es Frankreich bislang versäumt, in den entsprechenden Gebieten ein absolutes Jagdverbot zu verhängen, kritisierte die Umweltorganisation Pro Wildlife aus München.

Der tödliche Schuß aus dem Jagdgewehr wird ein Nachspiel vor Gericht haben. Umweltschützer wollen eine Klage wegen „Tötung geschützter Tierarten“ einreichen. Der Täter zeigte sich bereits reumütig. Er gestand, „in seinem Inneren ein gewisses Schuldgefühl“ zu verspüren. Er habe alles versucht, um einen tödlichen Schuß zu vermeiden.

Sorge um das Bärenjunge

Frankreich bewegt nun die Frage, wie das Bärenjunge ohne die Fürsorge seiner Mutter überleben kann. Doch die Experten sind optimistisch. Das etwa zehn Monate alte Jungtier sei bereits der Muttermilch entwöhnt. In dieser reich bewaldeten Gegend gebe es für den Allesfresser genügend Futter, „Eicheln, Beeren und Früchte, um sich Winterspeck anzufressen“, sagt der Bärenspezialist Jean-Jacques Camarra. Die größte Gefahr für das etwa 20 Kilogramm schwere Tier seien Hunde, die es zu Tode beißen könnten. Nach dem Angriff verschwand das Junge spurlos. Prompt verhängte die Präfektur ein Jagdverbot in der Region - so kann das Bärenkind ungestört auf Futtersuche gehen.

Im Tal von Aspe lebt jetzt nur noch ein Bär, der im Rahmen des Bärenprogramms Mitte der 90er Jahre aus Slowenien importiert wurde. Durch die Wälder der französischen Pyrenäen streifen noch etwa 15 dieser wieder eingeführten „Symbol-Tiere“, davon vier Weibchen im fortpflanzungsfähigem Alter. Das ist zu wenig, um nach Ansicht von Camarra die Art zu erhalten. Erforderlich wären mindestens acht bis neun Weibchen. „Man hat uns eine Diskussion über die Wiedereinführung der Bären versprochen. Aber wie lange sollen wir noch warten? Bis sie alle ausgestorben sind?“, fragt er. Etwas besser sieht es im Nachbarland Spanien aus. Dort leben noch etwa 60 Bären, und in Schweden sind es sogar 1.200.

Demonstration pro Bär in Paris

Nicht besonders traurige Zuschauer dieses Dramas sind die Schafzüchter der Region, die um den Bestand ihrer Herden fürchten. Ihnen machen die Wölfe genug zu schaffen, die gelegentlich über ihre Tiere herfallen. Von Bären wurden derartige Angriffe aber bislang kaum gemeldet. Dennoch haben Pyrenäen-Bewohner bereit gegen Bären protestiert. An diesem Wochenende wollen nun die Tierschützer in Paris auf die Straße gehen, um für den Fortbestand von Wolf und Bär zu demonstrieren.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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