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Antarktis Eisberg B15A wieder in Bewegung

23.03.2005 ·  Vor wenigen Tagen haben Meeresströmungen die größte Eisinsel der Welt wieder langsam in Fahrt kommen lassen. Möglicherweise stößt der Berg in einem einzigartigen Naturschauspiel zweier Eisgiganten auf die „Drygalski-Zunge“.

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Der größte Eisberg der Welt, die gewaltige Eisinsel B15A, ist wieder in Bewegung gekommen. Der mehr als 3000 Quadratkilometer große Tafeleisberg war im Januar im McMurdo-Sund auf der dem Pazifik zugewandten Seite der Antarktis auf Grund gelaufen und hatte Eisbrechern und Versorgungsschiffen den Weg zu den am Sund angesiedelten amerikanischen, italienischen und neuseeländischen Polarstationen versperrt.

Die Eisinsel schnitt gleichzeitig Hunderttausenden Pinguinen, die an den tiefgefrorenen Küsten des McMurdo-Sunds brüten, den Weg zum offenen Wasser und damit zur Nahrungssuche ab. Vor wenigen Tagen, also kurz vor dem Beginn des Herbstes auf dem Südpolarkontinent, haben Meeresströmungen die Eisinsel aber wieder langsam in Fahrt kommen lassen. Das stellten Wissenschaftler der europäischen Weltraumagentur Esa jetzt bei der Auswertung von Satellitenbildern fest.

Beeindruckendes Naturschauspiel

Nach einer ersten Berechnung hat der Eisberg nun Kurs in Richtung Norden genommen, treibt auf tiefere Gewässer zu und beendet damit allmählich seine Blockade des McMurdo-Sunds. Möglicherweise steht nun ein beeindruckendes Naturschauspiel bevor. Die Eisinsel treibt auf die sogenannte Drygalski-Eiszunge zu. Sie ist der schwimmende Wurmfortsatz des aus dem Victoria-Land kommenden David-Gletschers und reicht von der Küste etwa 70 Kilometer weit ins Ross-Meer. Sie wurde im Jahre 1902 vom britischen Polarforscher Scott entdeckt und später nach seinem deutschen Kollegen Erich von Drygalski benannt. Die Eiszunge ist mehr als 20 Kilometer breit, und ihr Eis ist bis zu 200 Meter dick.

Bei dem Zusammenstoß der beiden Eisgiganten wird wahrscheinlich ein großes Stück der mindestens 4000 Jahre alten Eiszunge abbrechen und gemeinsam mit B15A ins offene Meer nach Norden driften. Nun hoffen die Forscher, daß es noch vor dem Einsetzen der Polarnacht zu diesem Zusammenstoß kommt, denn dann könnten sie das seltene Ereignis auf den Bildern polarumlaufender Satelliten verfolgen. In der Dunkelheit der Polarnacht dagegen bliebe den Kameras der Satelliten der Blick auf die Antarktis verborgen.

Quelle: hra., F.A.Z., 24.03.2005, Nr. 70 / Seite 7
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