02.06.2004 · Quallen aus wärmeren Gegenden, nur wenig Plankton im Wasser: Die Besatzung der „Polarstern“ hat in der Antarktis deutliche Hinweise auf den Klimawandel entdeckt.
Winzige Quallen unter dem Meereis der Antarktis können nach Ansicht des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes (AWI) Anzeichen eines Klimawandels sein. Ein Team habe die so genannten Salpen bei der jüngsten Expedition des Forschungsschiffes „Polarstern“ erstmals unter der Eisdecke gefunden, berichtete ein Sprecher des AWI am Mittwoch. Normalerweise kämen diese Quallen nur in wärmerem Wasser vor, hieß es. Die „Polarstern“ war am Mittwoch von einer knapp siebenmonatigen Fahrt in die Antarktis zurückgekehrt.
Bereits seit 30 Jahren beobachten internationale Polar- und Meeresforscher, daß die Salpen mit warmen Strömungen aus
dem Indischen Ozean immer näher an die Antarktis herankommen. In den 100 Jahren zuvor seien die Quallen dagegen nie so weit südlich entdeckt worden, sagte der Biologe Ulrich Bathmann. Nun müsse geklärt werden, warum das wärmere Wasser bis an die Grenze des antarktischen Kontinents ströme.
Weniger Plankton im antarktischen Wasser
Ein Hinweis auf einen Klimawandel kann laut Bathmann auch sein, daß sich nahe der Antarktis weniger Plankton im Wasser befinde als früher festgestellt. Dies sei offenbar darauf zurückzuführen, daß durch ausbleibende Starkwinde und Stürme weniger Eisenstaub in den antarktischen Ozean gelange. Plankton benötigt Eisen für das Wachstum.
Die jüngste Expedition der „Polarstern“ habe erneut den großen Einfluß der Antarktis auf das Wettergeschehen auch in nördlichen Breiten gezeigt, sagte der stellvertretende AWI-Direktor Heinz Miller. Offen sei jedoch weiter die Frage, ob die beobachteten Veränderungen „Ausdruck menschlichen Handelns oder ein natürliches Phänomen“ sind. Diese Frage solle unter anderem im Mittelpunkt der 28. Internationalen Antarktiskonferenz Ende Juli in Bremen stehen.