02.08.2011 · Jedes Jahr werden in der Bretagne große Mengen stinkender Grünalgen an die Küste geschwemmt. Umweltschutzverbände werfen dem Staat Untätigkeit vor. Nun haben Bilder von Wildschweinkadavern die Franzosen aufgeschreckt.
Von Michaela Wiegel, Paris38 Wildsäue und Frischlinge sind seit Anfang Juli an einem inzwischen gesperrten Küstenstrich in der Bucht von Saint-Brieuc tot aufgefunden worden. Umwelt- und Tierschützer sind davon überzeugt, dass die Tiere der Grünalgen-Pest zum Opfer gefallen sind. Jedes Jahr zwischen Mai und Oktober werden in der Bretagne große Mengen der stinkenden Algen an die Küste geschwemmt. Beim Verwesen setzen die Algen giftige Gase frei, darunter Schwefelwasserstoff. Die zuständige Präfektur der Côtes d’Armor hat eine vollständige Aufklärung des mysteriösen Wildschweinsterbens versprochen. Nach ersten gerichtsmedizinischen Untersuchungen warnt die Präfektur jedoch vor voreiligen Schlussfolgerungen. Ein direkter Zusammenhang zwischen den Grünalgen und dem Tod der Wildschweine könne bislang nicht hergestellt werden.
Umweltschutzverbände glauben, dass die Präfektur die Ergebnisse beschönigt. „Alle Energien werden darauf verwendet, eine glaubwürdige Lüge zu finden“, sagt Yves-Marie Le Lay, der den Umweltverband „Sauvegarde du Trégor“ leitet. Die staatlichen Behörden hätten großes Interesse, das Tiersterben zu vertuschen, weil es dem Tourismus schade. Auch sei den politisch Verantwortlichen kurz vor den Präsidentenwahlen im nächsten Frühjahr nicht an Spannungen mit den Landwirten gelegen.
Mehr als 32.000 Kubikmeter Algen
Im Einzugsgebiet der von der Grünalgen-Pest erfassten Küstenstriche arbeiten mehr als 2100 landwirtschaftliche Betriebe. Darunter sind viele Schweinezüchter, die ihre Abwässer oftmals ungeklärt in die Flüsse ablassen. Auch die intensive Verwendung von Düngemitteln befördert das Wachstum der Algen. In der Nähe des Strandes von Morieux, an dem die verendeten Wildschweine gefunden wurden, mündet der durch Landwirtschaftsbetriebe verunreinigte Fluss Gouessant ins Meer. „Alles spricht dafür, dass die Wildschweine an den Giftgasen der Algen verendet sind“, sagt Gilles Hueth von dem Verein „Wasser und Flüsse in der Bretagne“. Hueth forderte, alle bretonischen Strände für den Publikumsverkehr zu sperren, die nicht täglich von den Algen gereinigt werden. An vielen bretonischen Stränden rücken in der Sommersaison in den frühen Morgenstunden mit Atemmasken und Messgeräten ausgerüstete Reinigungsmannschaften aus, um die Algenteppiche zu beseitigen. Mehr als 32.000 Kubikmeter Algen sind seit Anfang Juli weggeräumt worden.
Wie gefährlich die Giftgase für den Menschen sein können, erlebte vor zwei Jahren ein Reiter. Dem jungen Mann raubten die Ausdünstungen den Atem, als er über einen algenverschmutzten Strand ritt. Er verlor das Bewusstsein und konnte in letzter Minute im Krankenhaus gerettet werden. Sein Pferd aber versackte im Algenmorast und verendete elendig an einer Lungenembolie. Am Unglücksort wurden die für Industriebetriebe geltenden Schadstoffnormen für Schwefelwasserstoff weit überschritten.
Sarkozy will die Bauern nicht verärgern
Nach dem Vorfall im Juli 2009 versprach die Regierung unter Premierminister François Fillon einen Aktionsplan, um der Algenplage Herr zu werden. Die Landwirtschaftsbetriebe sollten verpflichtet werden, ihren Düngemitteleinsatz zu verringern. Bio-Landwirtschaft sollte stärker gefördert werden. Bis 2014 sollte der Nitrat- und Phosphatausstoß in der Landwirtschaft um 40 Prozent gesenkt werden. Doch schon in den Wintermonaten geriet die Offensive gegen die Algenpest in Vergessenheit. Umweltschutzverbände werfen dem Staat unverantwortliche Untätigkeit vor. Mehr als 300 Klagen müssen von der Justiz in der Bretagne geklärt werden. Jedes Jahr verseuchen die Grünalgen bis zu hundert bretonische Strände.
Aber Präsident Nicolas Sarkozy will im Präsidentenwahlkampf die Landwirtschaftsverbände nicht gegen sich aufbringen. Bei einem Besuch in der Bretagne sagte er: „Es wäre absurd, in dieser Affäre Schuldige zu benennen und mit dem Finger auf die Bauern zu zeigen.“ Die Präfektur der Côtes-d’Armor ermittelt unterdessen, ob die Wildschweine nicht einem Vergiftungsversuch zum Opfer gefallen sind. Ein Labor wurde mit zusätzlichen Untersuchungen beauftragt. Die Behörden, so , mutmaßt Gilles Hueth vom Verein „Eau et Rivières de Bretagne“, wollten Zeit gewinnen – und die Urlaubssaison ohne Diskussionen über Umweltverschmutzung durch die Landwirtschaft überstehen.
@Michael Meier
Anton Paschke (Anton_Paschke)
- 03.08.2011, 10:41 Uhr
Danach und Deshalb auch Deswegen
Bernd Potthoff (Selberdenker)
- 03.08.2011, 09:14 Uhr
alles aus CO2 aufebaute Biomasse.....
Michael Meier (never1)
- 02.08.2011, 19:55 Uhr