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Umwelt Was ist mit dem Ozon passiert?

18.07.2003 ·  Dieser Sommer ist ungewöhnlich trocken und außerordentlich warm - und trotzdem spielt ein Reizwort der vergangenen Jahre keine Rolle mehr: Ozon.

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An die täglichen Warnungen im Radio vor Herz-Kreislauf-Risken und körperlicher Anstrengung im Freien hatte man sich in der Vergangenheit gerade gewöhnt - und plötzlich herrscht allgemeine Funkstille. Warum interessiert sich niemand mehr für die Ozon-Werte?

„Wir beobachten seit etwa zehn Jahren einen deutlichen Rückgang der Spitzenwerte für Ozon“, sagt die zuständige Fachreferentin des Umweltbundesamtes, Ute Dauert, und verweist auf entsprechende Meßdaten ihrer Behörde.

Der wichtigste Grund für diese Tendenz: Der Ausstoß der Vorläuferschadstoffe, aus denen sich das bodennahe Ozon (O3) bildet - Stickoxide (NOx) und flüchtige organische Verbindungen ohne Methan (NMVOC) - ist deutlich zurückgegangen. Zwischen 1990 und 2001 sank die Stickoxidbelastung um 42 Prozent auf 1,59 Millionen Tonnen, und die NMVOC-Fracht um 50 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen. Für Dauert belegen diese Zahlen, „daß die internationalen und europäischen Abkommen zur Luftreinhaltung in dieser Hinsicht erfolgreich sind“.

Warnung vor verfrühter Freude

Auch der ADAC sieht - erst recht seit dem Ende der Sommersmog-Verordnung im Jahr 1999, die bei einem Wert von über 180 Mikrogramm ein Fahrverbot für Kfz ohne Katalysator ermöglichte - eine „sehr erfreuliche Entwicklung“: „Vor fünf Jahren hätten wir bei einem so trockenen, heißen Sommer ständig Probleme wegen zu hoher Ozonwerte bekommen“, sagt der ADAC-Experte für Verkehr und Umwelt, Michael Niedermeier. Die für die Umwelt positiven Auswirkungen moderner Techniken seien inzwischen deutlich meßbar: „Katalysatoren der Euro-3- und Euro-4-Norm, Lösemittel-freie Lacke und Farben sowie die Absaugrüssel an Tankstellen-Zapfsäulen haben zu einer Senkung der Ozonwerte beigetragen“, so Niedermaier.

Allerdings warnen Experten vor verfrühter Freude: „Zwar sind die Spitzenwerte zurückgegangen, doch die tägliche Ozon-Durchschnittsbelastung unterhalb des Warnwertes von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft steigt“, gibt der Umwelt-Experte des Berliner Instituts für Meteorologie, Eberhard Reimer, zu bedenken. Daß es in diesem Jahr noch nicht zu vermehrten Ozon-Warnungen gekommen ist, führt er auch auf die wechselnden Wetterbedingungen zurück: „Jedes durchziehende Sturmtief, Starkwind und Regen reinigen die Luft von hohen Ozonbelastungen“, erläutert Reimers.

Greenpeace: Problem noch nicht gelöst

Und noch ein Aspekt sei wichtig: „Zwar ist durch die neue EU-Richtlinie der Warnwert von 240 auf 180 Mikrogramm verschärft worden, doch über die Maßnahmen, die im Warnfall einzuleiten sind, herrscht Unklarheit“, fügt Reimers hinzu. Denn die Werte für bodennahes Ozon könnten regional stark schwanken. Deshalb sei es sinnvoll abzuwägen, wo beispielsweise Fahrverbote einen positiven Effekt haben oder nicht. Es sei beispielsweise fraglich, „einen Industrie- und Verkehrsstandort wie Berlin lahmzulegen, um im Umland von Brandenburg etwas niedrigere Ozonwerte zu erreichen“, nennt der Umweltfachmann ein Beispiel.

Die Umweltorganisation Greenpeace hält das Problem Ozon für „nach wie vor nicht gelöst“. Es gebe weiter Grenzwertüberschreitungen, sagt Greenpeace-Sprecher Karsten Smid. So seien am Mittwoch in Freiburg 212 Mikrogramm, in Heilbronn 210 und auf dem Kleinen Feldberg bei Frankfurt am Main 220 Mikrogramm gemessen worden. „Aber in den Medien wird stattdessen über Starkregen und Mini-Tornados berichtet“, kritisiert der Klimaexperte.

Vereinzelt seien Meßstationen, an denen in der Vergangenheit häufig hohe Ozonwerte gemessen wurden, einfach abgebaut worden. So zum Beispiel im Luftkurort Bad Harzburg im Harz. Smid warnt: „Langfristig steigt in Deutschland die mittlere Ozonbelastung und liegt deutlich über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch als unbedenklich eingestuften Grenzwert von 120 Mikrogramm.“

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