09.12.2002 · Dort, wo Stahlwerke ihre Abgase in die Luft leiten, ist nicht nur schlecht zu atmen. Die Verschmutzung greift auch das Erbgut an.
Dass der Rauch aus Stahlwerken nicht nur das Atmen erschwert, sondern auch das Erbgut angreift, war bislang nur eine Vermutung. James Quinn und seine Kollegen von der McMasters University in Kanada haben jetzt den Beweis geliefert.
Als erstes fiel den Forschern ins Auge, dass die Heringsmöwen, die nahe Stahlwerken nisten, besonders viele erbliche Mutationen haben. Um andere Umwelteinflüsse wie Wasserverschmutzung als Grund dafür auszuschließen, siedelten sie Labormäuse einen Kilometer entfernt im Abwind der Schlote der Stahlwerke am Ontariosee an. Als Vergleich zogen sie Mäuse heran, die 30 Kilometer entfernt in einem ländlichen Gebiet lebten.
Gendefekte bei Stahlwerk-Mäusen
Die Nachkommen der Mäuse, die in der Abluft leben mussten, wiesen mehr DNS-Mutationen auf, als die Mäuse, die auf dem Land lebten. Außerdem waren die Würfe der Stahlwerk-Mäuse etwas kleiner als die der Landmäuse.
Die weiteren Auswirkungen dieser Erkenntnis auf die Gesundheit des Menschen bleiben zunächst unklar. Die Forscher merkten allerdings an, dass offensichtlich einige Komponenten der industrielle verschmutzten Luft Gendefekte auslösen können. Ein Effekt, der vor allem folgende Generationen beeinträchtigen könnte, warnten die Wissenschaftler.