Home
http://www.faz.net/-gum-7j898
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Umbenennung des Martinsfestes Sonne, Mond und Sterne

Eine Kindertagesstätte hat das Martinsfest in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ umbenannt und das laut eines Zeitungsartikels mit politischer Korrektheit begründet. Die Empörung war derart groß, dass die Polizei mit den Kindern lief.

© dpa Vergrößern „Ich gehe mit meiner Laterne“: Kinder in Bad Homburg haben nicht das Martins-, sondern das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ gefeiert

Ein Reiter im langen Mantel war nicht gekommen. Dafür aber eine Reihe von Ordnungshütern in Uniform und zivil. Mit Polizeibegleitung zogen die Kinder der Bad Homburger Kindertagesstätte Leimenkaut am Donnerstagabend singend durch die Straßen und stellten sich anschließend ans Martinsfeuer, so wie jedes Jahr.

Bernhard  Biener Folgen:  

Dieses Mal aber hatte die „Taunus-Zeitung“ zuvor berichtet, dass die Kita kein Martinsfest mehr feiere, sondern ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“. Ein Blog, der die politische Unkorrektheit schon im Namen führt, griff den Bericht und die angebliche Begründung auf, der Name sei „politisch korrekter“ als eine Feier zu Ehren des christlichen Heiligen. Die Kindergartenleitung und der Sozialdezernent der Grünen, Dieter Kraft, wurden daraufhin mit Mails überflutet. Die Kritik reichte bis zur Androhung von Gewalt, weshalb die Polizei beim Laternenumzug dabei war.

Die Stadt wies vehement die Vermutung zurück, es habe eine offizielle Säkularisierungs-Anweisung gegeben, um Kinder anderer Kulturkreise nicht mit christlichen Traditionen zu belasten. Der Dezernent hatte eine putzige Erklärung: Vor 15 Jahren schon habe es eine Suppe mit Einlage in Sonne-, Mond- und Sternenform gegeben. Daraus sei in der Kita der Name „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ entstanden.

Kritik von allen Seiten

Der Autor des Zeitungsartikels bleibt allerdings dabei, die Bezeichnung sei gegenüber Eltern mit „politischer Korrektheit“ begründet worden. Tatsächlich werden auch in anderen Kindergärten, nicht nur in Bad Homburg, Anfang November Lichter- und Laternenfeste begangen, die nur den Termin mit dem Martinstag gemein haben. Und zu mancher bekannten Melodie gibt es Texte, in denen der heilige Martin nicht mehr vorkommt.

Während flächendeckende Gleichgültigkeit schwer zu greifen ist, sorgte der Einzelfall für großes Aufsehen. CDU-Landtagsabgeordnete drückten ihre Fassungslosigkeit über die Umbenennung aus, und nicht nur der Sprecher des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, lobte den Wert des Teilens und berichtete von positiven Erinnerungen an die Martinszüge seiner Kindheit. Der nordrhein-westfälische Vorsitzende der Linkspartei, Rüdiger Sagel, hatte leichtfertig geäußert, durch ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ fühlten sich mehr Kinder angesprochen als durch Sankt Martin. Eine Abschaffung der Martinszüge habe er aber nie gefordert, stellte er nach Kritik auch aus der eigenen Partei klar. So hat die Sternensuppe der Bad Homburger Kita zwar Ärger eingebrockt – dem heiligen Martin aber auch viele bekennende Freunde beschert.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sicherheitsbehörden ermitteln Zwei Sachsen auf dem Weg in den Heiligen Krieg

Zwei junge Männer aus Sachsen stehen im Verdacht, in den Dschihad nach Syrien gereist zu sein. Auf die Spur kam die Polizei ihnen durch einen Facebookeintrag des Vaters eines der Verdächtigen. Mehr

18.09.2014, 12:52 Uhr | Politik
Der letzte Supermond dieses Sommers

Wenn der Mond zum Greifen nahe und voll erscheint, wird er auch Supermond genannt. Hier leuchtet der Mond in der Nacht zum Mittwoch über der Altstadt von Jerusalem und erhellt die heiligen Stätten von Christen, Juden und Moslems. Mehr

10.09.2014, 12:02 Uhr | Wissen
TV-Kritik: Menschen bei Maischberger Narzissmus und Egozentrik

Das Kindeswohl steht im Mittelpunkt des Familienrechts. Dummerweise scheitert es bisweilen an den Eltern, wie in der Sendung Menschen bei Maischberger deutlich wurde. Mehr

10.09.2014, 05:51 Uhr | Feuilleton
Türkische Polizei kämpft gegen Entführungen

In nur fünf Jahren musste die Polizei in der Türkei nach mehr als 14.000 Kindern fahnden. Die meisten werden zwar wiedergefunden, dennoch sind bis heute 1.500 Kinder verschwunden. Laut Polizei steckt oft der Handel mit Organen, Sklaven und Kindersoldaten dahinter. Mehr

19.06.2014, 12:52 Uhr | Gesellschaft
Martin Luther King in der DDR Und die Stasi nahm die Predigt auf

Vor 50 Jahren fuhr Martin Luther King nach Ost-Berlin, um zu predigen. Die Grenzer waren von seiner Ankunft überrascht. So reiste er ein – mit der Kreditkarte als Ausweis. Mehr

14.09.2014, 18:41 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2013, 14:57 Uhr

SPD-Abgeordneter Matthias Ilgen Wrestlen gegen den Nationaltorwart

Ein Bundestagsabgeordneter will im Ring gegen Tim Wiese kämpfen, Kate sagt ihren ersten offiziellen Auslandsbesuch ohne Ehemann wegen Schwangerschaftsübelkeit ab und der schwedische König wird in einen Autounfall verwickelt – der Smalltalk. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden