07.01.2008 · Der brutale Überfall sieben junger Männer auf einen U-Bahn-Fahrer in Frankfurt-Heddernheim ist bedrückend. Nach einem ähnlichen Muster wie in München, wo das Opfer einen dreifachen Schädelbruch erlitt, schlugen die jugendlichen Aggressoren einfach zu.
Von Peter LückemeierDer brutale Überfall sieben junger Männer auf einen U-Bahn-Fahrer in Frankfurt-Heddernheim ist bedrückend. Nach einem ähnlichen Muster wie in München, wo das Opfer einen dreifachen Schädelbruch erlitt, schlugen die jugendlichen Aggressoren einfach zu. Tritte gegen den Kopf wurden verhindert durch das rasche Eintreffen der Polizei. Was einen so sprachlos macht an dieser nächtlichen Eruption der Gewalt, ist die Ungehemmtheit der Aggressivität, mit der solche jungen Kerle vorgehen. Offensichtlich sind bei ihnen alle sozialen Hemmschwellen gefallen.
Der Vorfall in Heddernheim hat aber auch etwas Gutes: Die Polizei konnte nur deshalb so schnell am U-Bahnhof sein und das Opfer vor Schlimmerem bewahren, weil eine Frau zuvor die Polizei per Telefon über randalierende Jugendliche informiert hatte. Nein, im Angesicht brutaler Schläger muss niemand den Helden spielen, aber per Mobiltelefon die Polizei zu verständigen - das sollte Bürgerpflicht sein.
Zutiefst verunsicherte junge Menschen
Die Schläger von Heddernheim lenken das Bild einmal mehr auf ausländische Jugendliche oder solche mit „Migrationshintergrund“. Es sind junge Männer (“Die gefährlichste Spezies der Welt“, titelt der „Spiegel“ in dieser Woche), es sind Verlierer, es sind nicht selten zutiefst verunsicherte junge Menschen mit krummen Lebenswegen, die sich in Misserfolgsspiralen winden und denen zu wenig geholfen wird. Der Staat muss ihnen - wie in Heddernheim geschehen - mit Härte und Schnelligkeit entgegentreten. Und wir anderen dürfen nicht vergessen, dass diese wandelnden Testosteron-Destillate im Grunde arme Würstchen sind, die der kundigen Unterstützung bedürfen. Aber wir müssen gleichzeitig bedenken, dass wir diese Problemfälle nicht einfach weitermachen lassen dürfen. Es kann auch einen gnädigen Verzicht auf Gnade geben.
Es war gut, dass sich Politiker gestern angesichts des jüngsten Falles von solcher Brutalität nicht voreilig mit Patentrezepten und Schuldzuweisungen zu Wort meldeten. Manchmal ist die Realität so unangenehm, dass man für eine Weile sprachlos sein darf.
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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